Quartalszahlen - Wartet auf UBS- und CS-Aktionäre eine kalte Dusche?

Im März warnte der UBS-Chef vor einem schwierigen ersten Quartal. Seither sind die Aktien von UBS und Credit Suisse kräftig gestiegen. Sind die Anleger blauäugig? Die nächsten Tage werden es zeigen.
22.04.2019 21:50
Von Lorenz Burkhalter
Konzernzentralen von UBS und Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.
Konzernzentralen von UBS und Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.
Bild: cash

Die Kurse der beiden Schweizer Grossbanken steigen und steigen. Mit der Aktie der Credit Suisse liess sich alleine seit Monatsanfang fast 18 Prozent verdienen. Seit Jahresbeginn errechnet sich gar ein Plus von 26 Prozent. Und selbst wer sich nicht vom milliardenschweren Urteil in Paris abhalten liess und auf die Aktie der UBS setzte, wurde für den Mut belohnt. Die Aktie kostet fast 11 Prozent mehr als noch Ende März.

Der Grund für das wiedererwachte Interesse der Anleger ist bei den US-Investmentbanken und ihren Milliardengewinnen im zurückliegenden ersten Quartal zu suchen. Zwar hatten Morgan Stanley, Goldman Sachs und wie sie alle heissen mögen gegenüber dem letzten Jahr einen Gewinnrückgang zu beklagen. Die Analystenerwartungen übertrafen sie dennoch ziemlich deutlich.

Noch im März war vom «schwierigsten Umfeld seit Jahren» die Rede

Ähnliches wird nun auch von Credit Suisse und UBS erwartet. Nur: Die beiden Schweizer Grossbanken spielen nicht mehr länger in derselben Liga mit den US-Rivalen. In vielen Disziplinen des Investment Bankings fehlt ihnen schlichtweg die nötige Grösse und im Wealth Management gehören die goldenen Zeiten spätestens seit dem Aus für das Bankgeheimnis der Vergangenheit an. Die Margen sind unter Druck und das nicht nur aufgrund der geringen Transaktionslust der Kundschaft.

Erst im März wartete UBS-Chef Sergio Ermotti mit einer verkappten Gewinnwarnung auf. An einer Branchenkonferenz liess er durchblicken, dass die Erträge im Investment Banking um 30 Prozent oder mehr unter dem Vorjahr liegen könnten. Gleichzeitig sehe sich seine Arbeitgeberin im Wealth Management dem schwierigsten Umfeld seit Jahren ausgesetzt, so Ermotti weiter.

Die Aktien von UBS (grün) und Credit Suisse (rot) lassen den SMI (gelb) seit Anfang April weit hinter sich zurück (Quelle: www.cash.ch)

Die Kursgewinne der letzten Wochen legen nahe, dass die Anleger die warnenden Aussagen von damals in den Wind geschlagen haben. Und das, obwohl das erste Quartal bei beiden Grossbanken als das wichtigste des ganzen Jahres gilt. Gut einen Drittel des Jahresgewinns erzielen sie zwischen Anfang Januar und Ende März.

Credit Suisse nur mit leichtem Gewinnrückgang?

Wenn die Credit Suisse diesen Mittwoch und tags darauf die UBS ihre Zahlenkränze vorlegen, wird sich zeigen, ob die kursseitigen Vorschusslorbeeren für ihre Aktie gerechtfertigt sind oder aber die Anleger schlichtweg blauäugig waren. Fragt sich: Folgt in den nächsten Tagen die kalte (Zahlen-)Dusche für die Aktionäre?

Der Nachrichtenagentur AWP zufolge trauen Analysten der Credit Suisse einen Vorsteuergewinn von 993 Millionen Franken sowie einen Reingewinn von 692 Millionen Franken zu. Beim zurückliegenden Quartal handelt es sich um das erste Quartal nach Abschluss einer mehrjährigen Restrukturierungsphase. Ganz ohne ausserordentliche Posten dürfte die Erfolgsrechnung dennoch nicht geblieben sein. So erwartet etwa die Bank Vontobel, dass das Corporate Center den Vorsteuergewinn um fast 600 Millionen Franken geschmälert hat.

Überblick Schätzungen für Credit Suisse

1. Quartal 2019 Konsenserwartungen* Veränderung Vorjahr
Erträge Konzern 5209 Millionen Franken -6 Prozent
Vorsteuergewinn Konzern   993 Millionen Franken -18 Prozent
Reingewinn Konzern   692 Millionen Franken -1 Prozent
Vorsteuergewinn
Swiss Universal Bank (SUB)
  550 Millionen Franken -2 Prozent
Vorsteuergewinn International
Wealth Management (IWM)
  438 Millionen Franken -10 Prozent
Vorsteuergewinn
Asien-Pazific APAC
  162 Millionen Franken -31 Prozent
Vorsteuergewinn
Global Markets (GM)
  170 Millionen Franken -42 Prozent
Vorsteuergewinn
Investmentbank (IB)
   -10 Millionen Franken n.v.
Vorsteuergewinn
Corporate Center
-337 Millionen Franken -42 Prozent
Kernkapitalquote (CET1) 12,4 Prozent -50 Basispunkte

Quelle: AWP, Vontobel, Credit Suisse

Das Interesse gilt jedoch vor allem dem internationalen Wealth Management. In diesem Geschäftsbereich geht die Bank Vontobel von einem Gewinn vor Steuern von 445 Millionen Franken aus. Das entspräche im Jahresvergleich einem Rückgang um 8 Prozent.

Die Kernkapitalquote (CET1) - sie entscheidet letztendlich über die Dividendenpolitik der Credit Suisse - dürfte im Jahresvergleich um 30 bis 50 Basispunkte geschmolzen sein.

Bei der UBS gehen Analysten im Durchschnitt von einem bereinigten Vorsteuergewinn von 1,37 Milliarden Dollar und einem Reingewinn von gut 900 Millionen Dollar aus. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Minus von bis zu 40 Prozent und erklärt sich unter anderem mit einem wegfallenden Sondergewinn in Höhe von umgerechnet fast 240 Millionen Dollar.

UBS könnte das Aktienrückkaufprogramm kippen

Wie bei der Credit Suisse steht auch bei der UBS der Gewinnbeitrag aus dem Globalen Wealth Management im Vordergrund. Dieser dürfte im Jahresvergleich vor Steuern um 20 Prozent auf 900 Millionen Dollar geschrumpft sein. Im Investment Banking rechnen Analysten gar mit einem Gewinnrückgang von bis zu 70 Prozent auf 175 Millionen Dollar.

Überblick Schätzungen für UBS

1. Quartal 2019 Konsenserwartungen* Veränderung Vorjahr
Erträge Konzern 7023 Millionen Franken -14 Prozent
Vorsteuergewinn Konzern 1375 Millionen Franken -31 Prozent
Reingewinn Konzern   902 Millionen Franken -42 Prozent
Vorsteuergewinn Global
Wealth Management (GWM)
  895 Millionen Franken -21 Prozent
Vorsteuergewinn
Personal & Corporate
Banking (P&CB)
  390 Millionen Franken +3 Prozent
Vorsteuergewinn
Asset Management (AM)
  114 Millionen Franken +7 Prozent
Vorsteuergewinn
Investmentbank (IB)
  176 Millionen Franken -71 Prozent
Vorsteuergewinn
Corporate Center
-200 Millionen Franken n.v.
Kernkapitalquote (CET1) 12,9 Prozent -20 Basispunkte

Quelle: Vontobel, UBS

Bei der Kernkapitalquote (CET1) rechnen Analysten gegenüber dem vergangenen Jahr nur mit einem leichten Rückgang um 10 bis 20 Basispunkte. Die UBS will am Mittwoch darüber berichten, ob das Aktienrückkaufprogramm weitergeführt oder aufgrund der drohenden Milliardenbusse in Frankreich eingestellt wird.

Anders als die Aktionäre von UBS und Credit Suisse müssen sich die Aktionäre von Julius Bär - der heimlichen dritten Schweizer Grossbank - noch bis zum 24. Mai gedulden. Erst dann wird die Zürcher Bank den Zwischenbericht für die ersten vier Monate vorlegen. Analystenschätzungen liegen noch keine vor.

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