Die österreichische Raiffeisen Bank International (RBI) hat sich im Bieterkampf um die in Südosteuropa tätige Addiko Bank durchgesetzt. Nach Ablauf der Rücktrittsfrist am Donnerstagabend hat das ‌Institut die ⁠für sein Übernahmeangebot nötige Mehrheit der Aktien sicher, wie die RBI am Freitag mitteilte. ⁠Da kein Addiko-Aktionär von seinem Rücktrittsrecht Gebrauch gemacht habe, lägen der RBI nun Zusagen für 55,58 Prozent der Anteile ‌vor. Damit sei die auf mehr als 55 Prozent gesenkte ‌Mindestannahmeschwelle überschritten. Die reguläre Annahmefrist endet am ​Mittwoch.

Da Addiko-Aktionäre ihre Zusagen für das RBI-Angebot nun nicht mehr widerrufen können, ist die konkurrierende Offerte der slowenischen Nova Ljubljanska Banka (NLB) praktisch gescheitert. Die NLB bietet 37,00 Euro je Aktie und bewertet Addiko damit mit rund 721 Millionen Euro. Die RBI bietet 26,50 Euro je Anteilsschein ‌zuzüglich möglicher künftiger Zahlungen aus geplanten Verkäufen von Addiko-Töchtern. An der Wiener Börse notierten die Addiko-Aktien zuletzt mit 27,70 Euro.

Die NLB hatte sich zuletzt die Unterstützung von Aktionären mit einem ​Anteil von mindestens 28,9 Prozent gesichert. Sie war für einen Erfolg jedoch ​darauf angewiesen, dass Addiko-Aktionäre ihre Annahme des RBI-Angebots ​widerrufen. Doch die Investoren hielten an ihren Zusagen für die RBI fest, obwohl die Offerte der Slowenen finanziell deutlich ‌attraktiver war.

Darunter ist die serbische Alta Group, die einen Anteil von 9,63 Prozent hält und der über Finanzinstrumente 30 Prozent an Addiko zugerechnet wurden. Hintergrund ihrer Unterstützung ist eine Vereinbarung ​mit der ​RBI über die Aufspaltung der Addiko nach ⁠Abschluss der Übernahme. Demnach soll die Alta Group ​das Geschäft in Serbien, Bosnien-Herzegowina ⁠und Montenegro übernehmen. Die RBI will die Aktivitäten in Kroatien und Slowenien in ihr eigenes Netzwerk ‌integrieren.

Das Addiko-Management hatte sich zunächst wegen einer höheren Transaktionssicherheit hinter das niedrigere Angebot der RBI gestellt, diese Empfehlung später jedoch zurückgezogen. Hintergrund der Bedenken gegen ‌die NLB waren drohende regulatorische Hürden in Kroatien, die aus einem ​historischen Streit um Alt-Fremdwährungseinlagen resultieren. Das Institut ist aus dem gesunden Südosteuropa-Geschäft der einstigen österreichischen Krisenbank Hypo Alpe Adria hervorgegangen und hat sich auf Konsumentenkredite spezialisiert.

(Reuters)