Brasiliens reichste Bankiers haben am Montag rund 9 Milliarden Dollar verloren, nachdem ein überraschender Sieg des linken Lagers einen Ausverkauf an den lokalen Märkten ausgelöst hatte. Dies zwang die Börse dazu, den Handel am Vormittag vorübergehend auszusetzen. Das Wahlergebnis liess die Märkte einbrechen, weil erwartet wird, dass Lula eine lockerere Fiskalpolitik verfolgen könnte, die den Spielraum für Zinssenkungen verringern könnte.

Laut dem «Bloomberg Billionaires Index» verloren die zehn Brasilianer, die zu den 500 reichsten Menschen der Welt zählen, insgesamt 14 Milliarden Dollar. Das ist der stärkste Einbruch an einem einzelnen Tag, seit die Liste im Jahr 2012 eingeführt wurde.

André Esteves, Gründer der Banco BTG Pactual, der sich während des Wahlkampfs mit Bolsonaro getroffen hatte, verlor laut dem Vermögensindex 3,7 Milliarden Dollar - das entspricht etwa 24 Prozent seines nun 12 Milliarden Dollar schweren Vermögens.

Das Vermögen von David Vélez, der die Nu Holdings kontrolliert, sank um rund 2,3 Milliarden Dollar. Der 45-jährige Vélez stammt aus Kolumbien, doch Nubank ist ein brasilianisches Finanzinstitut, dessen Geschäftstätigkeit sich grösstenteils auf Brasilien konzentriert.

Pedro und Fernando Moreira Salles, die die Itau Unibanco Holding - die grösste Bank Lateinamerikas - kontrollieren, mussten einen Verlust von insgesamt rund 3 Milliarden Dollar hinnehmen.

Insgesamt verfügen die vier Bankmanager laut dem Bloomberg-Vermögensindex über ein gemeinsames Nettovermögen von 45,6 Milliarden Dollar. Davon lösten sich etwa 16 Prozent an einem einzigen Tag in Luft auf.

Das Wahlergebnis führte am Montag zudem zu einem Wertverlust der Landeswährung um etwa 8 Prozent, was Importe verteuert und die Inflation weiter anheizen könnte. Die Familie Moreira Salles ist der reichste Clan Brasiliens. Er besteht aus vier Brüdern, von denen jedoch nur Pedro und Fernando Anteilseigner von Itaú sind. Die beiden anderen Brüder, João und Walter, haben ihre Anteile im Jahr 2022 verkauft und gelten als prominente Unterstützer von Lula.

Während des Wahlkampfs verfasste João einen Beitrag für das von ihm mitgegründete Magazin «Piauí», in dem er brasilianische Führungskräfte - darunter auch Esteves - kritisierte, die sich zu einem Abendessen mit Bolsonaro getroffen hatten. Walter ist ein Oscar-prämierter Filmregisseur, der sich in der Vergangenheit ebenfalls kritisch gegenüber Bolsonaro geäussert hat.

João und Walter, deren Investitionen sich auf ein Bergbauunternehmen in Privatbesitz sowie auf Alpargatas - den Hersteller der «Havaianas»-Flip-Flops - konzentrieren, mussten einen gemeinsamen Vermögensverlust von 1,2 Milliarden Dollar hinnehmen.

(Bloomberg/cash)