Steven Barrow ist Leiter der G10-Strategie bei der Standard Bank in London. Er hebt seine Schätzung für die Rendite 10-jähriger US-Anleihen bis Ende Jahr auf 5,2 Prozent an. Im ersten Quartal 2027 sieht er die Rendite sogar bei 5,3 Prozent.

Am Montag stieg der Satz bereits auf 5,01 Prozent. Ausser an einem turbulenten Tag im Oktober 2023 lag die Rendite seit 2007 nie mehr über der Marke von 5 Prozent.

Seine Prognose von 5 Prozent im Februar galt noch als Aussenseiter-Tipp. Damals fielen die Renditen unter 4 Prozent. Anleger wetteten auf eine Serie von Zinssenkungen der US-Notenbank Fed. Seither hat der US-Iran-Konflikt die Energiepreise steil nach oben getrieben. Die Märkte preisen nun bereits ab Mittwoch erneute Zinserhöhungen ein.

«Strukturell befinden wir uns in einer Phase von längerfristig höheren Zinsen», sagt Barrow. «Mich bestärkt der Anstieg nahe an die 5 Prozent. Denn dieser geschah vor dem Hintergrund von Inflationsdaten, die nicht weit über den Erwartungen lagen.»

Die Anleihenrenditen steigen weltweit. Die Administration von US-Präsident Donald Trump griff Ende Februar den Iran an. Das unterbricht die Öl- und Gaslieferungen aus dem Nahen Osten. In den USA treibt zudem der Boom bei der künstlichen Intelligenz die Wirtschaft an. Dieser Boom überschwemmt die Märkte zeitgleich mit Schulden.

Barrow lag in der Vergangenheit bereits mehrfach richtig. Im Jahr 2021 warnte er früh vor fallenden Kursen bei US-Anleihen. Auch bei Prognosen zum US-Dollar und zum britischen Pfund behielt er recht. Nur die anhaltende Schwäche des japanischen Yen hatte er nicht auf dem Radar.

Der Weg zur Marke von 5 Prozent verlief anders als von Barrow Anfang Jahr gedacht. Dennoch sieht er die langfristigen Treiber für höhere Zinsen gestärkt. Dazu gehören Engpässe in den globalen Lieferketten, die Folgen des Klimawandels und eine strengere Zuwanderungspolitik.

Eine wichtige Rolle spielt die US-Notenbank unter Präsident Kevin Warsh. US-Präsident Donald Trump setzt die Fed unter Druck, die Zinsen zu senken. Barrow erwartet dennoch eine Zinserhöhung an der Fed-Sitzung im September und eine weitere im Dezember. Danach dürften die Währungshüter die Leitzinsen bis Ende 2027 unverändert lassen.

«Wenn die Fed nicht handelt, bekommen wir ernsthafte Probleme», sagte Barrow am Telefon. Angesichts des Konflikts im Nahen Osten stünden alle Zeichen weiterhin auf höhere Inflation.

(Bloomberg/cash)

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