Das Unternehmen habe bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) eine Banklizenz beantragt, teilte Revolut am Mittwoch mit. Mit der ‌Lizenz ⁠wolle Revolut den Kunden in der Schweiz ein breiteres Angebot unter anderem mit Gehaltskonten, einem Zugang zur Schweizer Einlagensicherung und ⁠lokalen IBAN-Kontonummern anbieten. In dem Land würde Revolut nach Grossbritannien, Litauen und Frankreich damit die vierte eigenständige Bank in Europa betreiben, sagte Revolut-Vertriebschef David Tirado ‌der Nachrichtenagentur Reuters. «Das spiegelt die Bedeutung wider, die wir diesem Markt beimessen.»

Eingeschränkt ist das ‌Fintech in der Schweiz bisher dadurch, dass es keine Gehaltskonten ​und auch keine auf Franken lautenden Anlagekonten anbieten kann. Dennoch ist Revolut mit mehr als 1,3 Millionen Kunden eigenen Angaben zufolge die führende Digitalbank des Landes. Dies entspreche einer Marktdurchdringung von rund 24 Prozent, sagte Tirado. «In zwei bis drei Jahren rechnen wir damit, die Marke von 40 Prozent zu überschreiten.»

Gegenwärtig ist Revolut in der Schweiz und in Deutschland über die ‌in Litauen zugelassene Revolut Bank UAB aktiv. Diese wird sowohl von der Bank von Litauen als auch von der Europäischen Zentralbank beaufsichtigt.

«Was uns im Wettbewerb mit den etablierten Schweizer Banken gegenwärtig fehlt, ist Vertrauen», erklärte Tirado. «Wir glauben, dass dies das fehlende Puzzleteil ist.» ​Mit einer Regulierung durch die Finma würden auch alle Prozesse von der Behörde validiert. ​Revolut wolle bei den Kunden zudem mit einer besseren Nutzererfahrung und einem besseren ​Preis-Leistungs-Verhältnis als die Konkurrenz punkten, von Geldanlagen bis hin zum Zahlungsverkehr.

In den kommenden fünf Jahren plant der Finanzdienstleister in der Schweiz ‌Investitionen von mehr als 150 Millionen Franken. Der Personalbestand von gegenwärtig rund 30 Mitarbeitern solle bis Ende des kommenden Jahres verdreifacht werden, sagte Schweiz-Chef Julian Biegmann.

«Wir werden unser lokales Team deutlich ausbauen und alle Funktionen ansiedeln, die für den Betrieb einer Schweizer ​Bank erforderlich ​sind.» Heute nutze deutlich mehr als die Hälfte der Kunden ⁠in der Schweiz Revolut monatlich. Noch wichtiger als die Steigerung der Kundenzahl ​sei es, diese dazu zu bringen, ⁠Revolut als Alltagsbank zu nutzen. Ein Einstieg ins Vermögensverwaltungsgeschäft sei eines der Themen, die der Konzern gegenwärtig prüfe. In der ‌Schweiz habe dies jedoch keine Priorität.

Der Zulassungsantrag in der Schweiz ist Teil der Expansionsstrategie des Unternehmens. Anfang des Monats erhielt die Neobank eine vorläufige Genehmigung für eine nationale Banklizenz in den USA. Im März ‌sicherte sich Revolut eine Banklizenz in Grossbritannien, im August folgte die Zulassung in Frankreich. Revolut hat ​weltweit rund 80 Millionen Kunden.

Tirado zufolge befinde sich das Unternehmen in einer Aktien-Platzierungsrunde, in der Mitarbeiter Anteile an neue Investoren verkauften. Der Preis entspreche dabei einer Gesamtbewertung des Unternehmens von 150 Milliarden Dollar. «Dies macht uns zum grössten privaten Technologieunternehmen in Europa.»

(Reuters)