Rick Lacaille - State-Street-Anlagechef: «Beteiligungsgesellschaften haben volle Kassen für Aktienkäufe»

Rick Lacaille, Anlagechef des weltweit drittgrössten Vermögensverwalters State Street Global Advisors, erwartet steigende Aktienmärkte. Statt Bitcoin aber kauft er Gold, und bei Anleihen hat er einen mutigenTip: China.
23.12.2020 10:05
Interview: Harry Büsser
Rick Lacaille leitet die Anlagepoltik beim Vermögensverwalter State Street Global Advisors.
Rick Lacaille leitet die Anlagepoltik beim Vermögensverwalter State Street Global Advisors.
Bild: Bloomberg

Was ist ihre mutigste Prognose für das Jahr 2021 für Anleger?

Rick Lacaille: Nur wenige internationale Anleger besitzen chinesische Staatsanleihen. Dabei wären die eine gute Diversifikation für das Depot, denn ihre Kursentwicklung ist nicht gross mit anderen Staatsanleihen korreliert. Mehr chinesische Staatsanleihen zu kaufen, würde das Portfolio effizienter machen.

Wie viel Zins gibt es dort?

Rund drei Prozent für Anleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren.

Die Staatsanleihen sind in Renminbi kotiert. Da müssen Anleger auch auf das Währungsrisiko achten.

Wir denken, dass der Wert des Renminbi eher steigen wird.

Wie können Anleger da investieren?

Über Fonds, die in Staatsanleihen in China in lokaler Währung investieren. Am besten einen, der auch gleich Anleihen von anderen Schellenländern investiert. Die sollten 2021 gute Renditen bringen, mehr als viele erwarten.

Dieses Jahr haben die Kryptowährungen viel mehr gebracht als viele erwarteten.

Ja, einige Investoren glauben, sie brauchen etwas, wo sie Werte sicher anlegen können, etwas das nicht klassisches Geld ist.

Also eben nicht Dollar oder Euro.

Ja, die trauen den Papierwährungen nicht mehr richtig. Aber das Problem mit den Kryptowährungen ist, dass die nicht stabil sind.

Ihr Wert schwankt, aber immer weniger.

Ja, aber wir bevorzugen als Absicherung eher Gold oder Cash.

Wie geht es mit Aktien im Jahr 2021 weiter?

Die dürften weiter steigen.

Damit Aktien weiter steigen, braucht es neue Käufer. Wer soll das sein?

Vielleicht Aktienrückkäufe.

Das heisst, Firmen kaufen ihre eigenen Aktien zurück.

Ja. Zudem haben Private Equity Firmen bisher nicht viel investiert. Die haben voll Kassen. Jetzt gibt es viele Möglichkeiten für die zur "Creative Distruction".

Ein Beispiel für diese kreative Zerstörung ist es, ein Unternehmen zu kaufen und in zwei separate Firmen zu zerlegen. In die eine Firma kommen alle Geschäfte mit hohem Wachstumspotential, in die andere Firma der Rest. In die Firma mit hohem Wachstum wird viel investiert, mit dem Ziel sie separat an die Börse zu bringen oder von einer anderen grösseren Firma übernommen zu werden. Der andere Teil der Firma wird sich selber überlassen.

Ja, in den USA ist das verbreiteter als in Europa. Es geht auch um die Überlegung, ob es einen besseren Eigentümer für bestimmte Geschäftsfelder eines Unternehmens gibt. Die kreative Zerstörung sorgt auch dafür, dass es weniger Zombiefirmen, sondern Wachstumsfirmen mit Kapital versorgt werden.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Handelszeitung unter dem Titel «Ein mutiger Tipp für 2021: Chinesische Staatsanleihen kaufen»