Die Euphorie rund um risikoreiche Anlagen lässt nach, da sich Investoren angesichts eines chaotischen Anstiegs der US-Anleiherenditen und der Ergebnisse der amerikanischen Zwischenwahlen Sorgen machen. Dies geht aus einer Umfrage der Bank of America (BofA) hervor.
Wie die Umfrage zeigte, gewichten netto 49 Prozent der Fondsmanager globale Aktien über – im Vergleich zu 56 Prozent im Vormonat. Die Befragten nannten einen ungeordneten Anstieg der Anleiherenditen als das grösste «Tail-Risk» - sprich Risiko extremer Kursbewegungen - für den Markt.
Die Barmittelbestände stiegen auf 3,9 Prozent der Portfolios an, verharrten jedoch auf einem Niveau, das ein «Verkaufssignal» für risikoreiche Anlagen darstellt, so BofA-Stratege Michael Hartnett in einer Mitteilung. Globale Aktien gerieten unter Druck, nachdem die Anleiherenditen angesichts der Angst vor einem Inflationsschock wichtige Marken durchbrochen hatten.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte am Dienstag auf den höchsten Stand seit 2007, während die Ölpreise deutlich über 100 US-Dollar pro Barrel lagen. Der MSCI All-Country World Index gab den zweiten Handelstag in Folge nach.
Swap-Händler preisen mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von rund 94 Prozent für eine Zinserhöhung durch die Federal Reserve am Mittwoch ein - die erste Anhebung seit drei Jahren. Dennoch zeigte die BofA-Umfrage, dass Investoren die Zentralbank im Rückstand sehen. Netto 25 Prozent der Teilnehmer bezeichneten die Geldpolitik als zu expansiv. Das ist der höchste Wert seit 2022.
Während einige Investoren vor weiterem Druck auf Aktien durch Renditen zehnjähriger US-Anleihen von über 5 Prozent gewarnt haben, zeigen sich Marktanalysten weitgehend zuversichtlich, dass der Aktienmarkt höhere Zinsen aufgrund der robusten Wirtschaft verkraften kann.
Laut Hartnett von der BofA war der Anteil der Befragten, die für das kommende Jahr einen zweistelligen Anstieg der Unternehmensgewinne erwarten, so hoch wie seit August 2021 nicht mehr. Die Anleger blickten optimistisch auf die makroökonomische Lage. Die «einzige Sorge» sei, dass Unternehmen zu viel Kapital investieren, sagte er.
Derzeit gewichten netto 48 Prozent der Fondsmanager Anleihen unter - der höchste Wert seit Mai 2022. Fast die Hälfte der Teilnehmer erwartet keine Auswirkungen des Rückkaufprogramms des US-Finanzministeriums auf die Renditen. Hinsichtlich der Zwischenwahlen gaben rund 44 Prozent der Investoren an, das wahrscheinlichste Szenario sei eine Aufteilung zwischen einem demokratisch dominierten Repräsentantenhaus und einem republikanisch kontrollierten Senat.
Für den Fall eines demokratischen Wahlsiegs in beiden Kammern erwarten fast die Hälfte der Befragten steigende Anleiherenditen und fallende Aktienkurse. Die Umfrage wurde vom 4. bis zum 10. September durchgeführt; befragt wurden 170 Teilnehmer, die über ein Vermögen von insgesamt 470 Milliarden US-Dollar verfügen.
(Bloomberg/cash)
