Roche hat am «Pharma Day» eine klare Nachricht an den Markt gesendet: Der Konzern will weiterhin ganz vorne mitspielen. Das betrifft sowohl die schon vorhandene Pipeline als auch die künftige. Unterstützung verspricht sich der Konzern dabei vom Einsatz künstlicher Intelligenz.

Woher kommt die Zuversicht?

Die Pharma-Chefin Teresa Graham liess bei der Veranstaltung am Montag keinen Zweifel an ihrem Enthusiasmus aufkommen: Die Pipeline des Basler Konzerns sei reich gefüllt mit vielen vielversprechenden potenziellen Blockbustern, betonte sie mehrfach während ihrer Präsentation. Wichtig ist ihr dabei vor allem dies: Nachdem Roche 2022 noch gezeichnet war durch Forschungsrückschläge und die Umsatzeinbussen auslaufender Patente, habe sich der Konzern in den Folgejahren dank eines ehrgeizigen Programms selbst wieder auf Kurs gebracht.

«Unsere Bilanz seit dem letzten Pharma Day im vergangenen Jahr untermauert unsere Fortschritte: Seither haben wir in zehn zulassungsrelevanten Studien die gesteckten Ziele erreicht und sechs Programme in die zulassungsrelevante Phase gebracht, drei weitere in die Phase II.»

Roche verfüge über bis zu 20 neue Wirkstoffe, die bis 2030 auf den Markt kommen könnten. Einige wie etwas das Brustkrebsmittel Giredestrant hätten dabei das Potenzial, Spitzenumsätze von mehr als 30 Milliarden Franken zu erzielen.

Wie steht es um die Pipeline?

Roche führte «The Bar» Ende 2023 als neuen Bewertungsrahmen für seine Forschungspipeline ein. Seitdem müssen Wirkstoffkandidaten bestimmte Kriterien erfüllen, um weiterentwickelt zu werden. Wie Roche-Medizinchef Levi Garraway betonte: «'The Bar' ist das Leitbild für unsere Forschung und Entwicklung geworden.»

Die Auswahl der möglichen Kandidaten sei deutlich strenger geworden. «Wir haben die Zahl der Projekte reduziert und gleichzeitig den Gesamtwert unseres verbleibenden Portfolios deutlich gesteigert.» Das Resultat: Die Erfolgsquote für Projekte, die in die entscheidende Phase III der klinischen Entwicklung kamen, lag 2025 bei 65 Prozent und 2026 bislang bei mehr als 80 Prozent. Gleichzeitig wurden Entwicklungszeiten verkürzt und Kosten eingespart.

Schafft Roche das aus eigener Kraft?

Eine zunehmend wichtige Rolle spielt für den Pharmakonzern die Künstliche Intelligenz. Roche will KI nicht nur für einzelne Analysen einsetzen, sondern sie möglichst früh und durchgehend in die Arzneimittelforschung integrieren - vom Verständnis einer Krankheit über die Suche nach neuen Wirkstoffzielen bis zur Auswahl und Optimierung von Wirkstoffkandidaten.

Hierzu stellt Aviv Regev, Leiterin der Forschungs- und frühen Entwicklungsabteilung von Genentech (gRED) «Lab-in-the-Loop» vor. KI-Modelle analysieren grosse Mengen biologischer und chemischer Daten, machen daraus Vorhersagen, und diese werden anschliessend im Labor überprüft. Die neuen Versuchsergebnisse fliessen wiederum zurück in die Modelle.

«Wichtig ist, dass unser Vertrauen mit der Zeit in die Verlässlichkeit dieser Modelle wächst, die klinischen Studien am Menschen aber kann KI nicht ersetzen.»

(AWP)