Rohstoffe - Chinas Raffinerie-Probleme setzen Ölmarkt zu

Das weltweite Überangebot setzt dem Ölmarkt zu - und nun droht neues Ungemach aus China. Denn in der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft dürften Insidern zufolge viele Raffinerien ihre Kapazitäten im Sommer drosseln.
23.06.2017 20:05
Eine Erdöl-Raffinerie im Abendlicht.
Eine Erdöl-Raffinerie im Abendlicht.
Bild: Pixabay

Das deutet darauf hin, dass die Rohöl-Nachfrage aus dem grössten Land Asiens nachgeben dürfte. Einige Lieferanten in Westafrika und Europa erhalten bereits weniger Bestellungen aus der Volksrepublik. Der Ölpreis notiert aktuell so niedrig wie zuletzt im November 2016.

Insidern zufolge werden die Ölverarbeiter im dritten Quartal womöglich etwa zehn Prozent weniger Diesel und Benzin produzieren - obwohl üblicherweise in den heissen Sommermonaten die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen und die Familien verreisen, was die Nachfrage in die Höhe treibt. Dass sich nun eine gegenteilige Entwicklung abzeichnet, liegt an dem Überangebot in der Ölproduktion.

2015 hatte die Regierung in Peking den Markt für kleinere Raffinerien geöffnet, die als "Teekessel" bezeichnet werden. Viele Lager sind berstend voll mit Benzin und Diesel. Das setzt die grösseren Anbieter wie Sinopec und PetroChina unter Druck. "Die Raffinerien haben wahrscheinlich gemerkt, dass auf dem Inlandsmarkt gar nicht so viel Benzin und Diesel benötigt werden, und der einzige Ausweg ist es, Kapazitäten zu drosseln", sagt Gao Jian, Analyst bei der China Sublime Information Group.

In der Folge wird auch weniger Rohöl benötigt. So lieferten Ölförderer aus Angola in den ersten Juni-Wochen so wenig in die Volksrepublik wie seit mindestens einem Jahr nicht mehr. Mit zwei Millionen Barrel beläuft sich der Import von Nordseeöl im Juni bisher auf gerade einmal ein Drittel des Niveaus vor einem Jahr.

Fracking füllt die Lücke

Für den Ölmarkt insgesamt bedeutet die schwächelnde Nachfrage nichts Gutes: Denn obwohl das Produzentenkartell Opec die Förderung drosselt, ist er von Überangebot geprägt. Ein Grund dafür ist, dass die Opec-Länder Libyen und Nigeria wegen politischer Unruhen von den Kürzungen ausgenommen sind. Noch wichtiger ist, dass in den USA dank der umstrittenen Fracking-Technik wieder mehr Öl gefördert wird. "Die Schieferölfirmen haben die Lücke gefüllt, die ihnen die Opec gelassen hat", sagt Michael Hewson, Chefanalyst bei CMC Markets.

Seit seinem Jahreshoch Ende Februar hat der Ölpreis etwa 20 Prozent verloren und liegt nun bei nur noch rund 45 Dollar je Barrel (159 Liter). Auch eigentlich günstige Nachrichten für den Markt verpufften zuletzt weitgehend. "Eine Abwärtsspirale ist in Gang gesetzt", konstatieren die Experten der Commerzbank.

Licht am Ende des Tunnels sehen die Fachleute erst gegen Jahresende, auch weil dann die Nachfrage in China wieder zulegen könnte. Gerade die "Teekessel"-Raffinerien dürften ihre Produktion dann steigern, um ihre Lizenzen zu behalten. "China ist ein bisschen unberechenbar. Plötzlich kaufen sie eine Menge aus heiterem Himmel - und deswegen darf man sie nie unterschätzen", sagt Oystein Berentsen, Geschäftsführer bei Strong Petroleum, einem Unternehmen, das chinesische Raffinerien mit dem Rohstoff beliefert.

(Reuters)