Rückstufung für Novartis-Aktie ohne Folgen

Novartis wartet mit einem durchzogenen Zahlenkranz aber einem soliden Ausblick auf. Obschon eine britische Bank die Kaufempfehlung einstellt, profitiert die Aktie vom nachgebenden Franken.
27.01.2015 11:10
Von Lorenz Burkhalter
Kann nach dem Konzernumbau erste Früchte ernten: Novartis-CEO Joe Jimenez.

(Ergänzt um Berichte aus dem Handel und den aktuellen Kurs)

Der Basler Pharmakonzern Novartis wird seiner Favoritenrolle einmal mehr gerecht. Zwar liegt der für das Geschäftsjahr 2014 veröffentlichte Zahlenkranz beim Gruppenumsatz und beim operativen Kerngewinn hinter den jeweiligen Konsensschätzungen zurück. Der vom Unternehmen abgegebene Ausblick weiss allerdings zu überzeugen. Dasselbe gilt für den Reingewinn.

Die Novartis-Aktie wird an der Schweizer Börse SIX um 1,2 Prozent höher bei 88 Franken gehandelt. Zeitweise stieg der Kurs bis auf 88,85 Franken. Beobachter berichten von einem erbitterten Kampf zwischen Haussiers und Baissiers. Aufgrund des nachgebenden Frankens sind letztere zur Stunde noch im Vorteil.

Die ersten Reaktionen aus der Analystengemeinde fallen nicht durchs Band positiv aus. In einem Punkt ist man sich allerdings einig: Die firmeneigenen Umsatz- und Ertragsziele für das laufende Jahr können sich sehen lassen.

Überraschend solider Ausblick

In einem Kommentar schreibt die UBS Investment Bank von einer im Rahmen der Erwartungen liegenden Umsatzentwicklung. Es sei gut zu sehen, dass sich die meisten Schlüsselmedikamente besser als erwartet verkauft hätten. Auf die einzelnen Divisionen bezogen seien grössere Überraschungen ausgeblieben. Einziges Haar in der Suppe sei der etwas geringer als erwartete Gewinnbeitrag aus dem Pharmageschäft und seitens der Tochter Alcon. Alles in allem sei das Schlussquartal einigermassen solide ausgefallen, auch wenn es nicht mit den im vorangegangenen Jahresverlauf beobachteten Ergebnisüberraschungen mithalten könne.

Wachstumsbeschleunigung erwartet

Gefallen findet die Verfasserin des Kommentars hingegen am soliden Ausblick. Auf Basis der aktuellen Konsensschätzungen sieht sie Raum für geringfügige Aufwärtsrevisionen. Die Aktie von Novartis wird weiterhin mit einem 12-Monats-Kursziel von 102 Franken zum Kauf empfohlen und zu den Schlüsselempfehlungen der Grossbank gezählt.

Bei J. Safra Sarasin ist von einem soliden Schlussquartal und einem ermutigenden Ausblick die Rede. Die Folgen der jüngsten Wechselkursverschiebungen würden vom Unternehmen selber geringer eingeschätzt als man am Aktienmarkt befürchtet habe, so der Analyst. Er sieht bei Novartis weiteres Aufwärtspotenzial und empfiehlt die Aktie wie bis anhin zum Kauf.

Der Experte der Berenberg Bank findet hingegen Gefallen an der starken Umsatzentwicklung der beiden Schlüsselmedikamente Gilenya und Tasigna. Bei beiden Präparaten habe der Absatz die Erwartungen übertroffen. Novartis könne auf einen guten Jahresausklang zurückblicken und mit einem ermutigenden Ausblick aufs neue Jahr aufwarten. Er hält deshalb mit einem Kursziel von 94 Franken an der Kaufempfehlung fest.

Ähnlich positiv äussert sich sein Berufskollege von der Zürcher Kantonalbank. Wie dieser schreibt, konnten die Basler insgesamt trotz der Diovan- und Exforge-Generika die Erwartungen beim Umsatz fast ganz erfüllen. Auch das operative Geschäft sei diesen Erwartungen gerecht geworden. Wichtig sei die Profitabilitätsentwicklung nach dem Umbau der Konzernstruktur, das weitere relativ grosse Einsparpotenzial sowie die sehr stark gewordene Pipeline.

Rückstufung bislang ohne Folgen für die Aktie

Novartis werde ab der zweiten Hälfte dieses Jahres klar über dem Industriedurchschnitt wachsen, sobald der Generikaeinfluss durch Diovan und Exforge beendet sei. Das aktuelle Gesamtergebnis dürfte leicht positiv aufgefasst werden, so ist sich der Analyst sicher. Er hält am "Übergewicht" lautenden Anlageurteil für die Aktie fest.

Bislang keine Folgen hat eine Rückstufung der Novartis-Aktie von "Buy" auf "Neutral" durch Bryan, Garnier & Co. Nach dem im Rahmen der Erwartungen liegenden Schlussquartal und den jüngsten Verschiebungen im Währungsgefüge rechnet der verantwortliche Analyst mit einer Verschnaufpause. Vor dem Hintergrund des starken Frankens wird das Kursziel auf 90 (103) Franken zusammengestrichen.
 
Beobachtern zufolge sind im frühen Handel kaum Abgaben aus dem angelsächsischen Raum auszumachen.