Rückversicherer - Swiss Re wird ReAssure nicht los - Aktie fällt

Am 11. Juli hätte die Swiss-Re-Tochter ReAssure an die britische Börse gehen sollen. Doch aufgrund mangelnder Nachfrage lässt Swiss Re diese Pläne vorerst fallen. Was bedeutet das für den Rückversicherer?
11.07.2019 10:45
Von Pascal Züger
Das Logo von Swiss Re am Hauptsitz in Zürich.
Das Logo von Swiss Re am Hauptsitz in Zürich.
Bild: Bloomberg

Es wurde alles in die Wege geleitet: Am heutigen Donnerstag hätte ReAssure den ersten Handelstag an der London Stock Exchange feiern sollen. Mit dem IPO wollte Swiss Re seinen Anteil am britischen Unternehmen auf unter 50 Prozent senken, der Schweizer Rückversicherer hätte dadurch bis zu 1 Milliarde Franken eingenommen.

ReAssure ist der sechstgrösste britische Lebensversicherer und auf die Verwaltung geschlossener Lebensversicherungs-Portfolios spezialisiert. Swiss Re besitzt 75 Prozent der ReAssure-Anteile, der zweite Eigentümer, der japanische Versicherer MS&AD Insurance Group, den Rest.

Doch es kam anders: Swiss Re blies den Börsengang kurzfristig ab. Der Rückversicherer begründete den Schritt in einer Mitteilung am Donnerstag mit dem derzeitigen Marktumfeld. Swiss Re habe nicht vor, im laufenden Jahr einen neuen IPO-Prozess zu starten, ergänzte eine Sprecherin. Längerfristig seien aber alle Optionen offen.

Anleger stossen Swiss-Re-Aktie ab

Anleger reagieren negativ auf diese Nachricht: Die Swiss-Re-Aktie fällt im Tagesverlauf um über 1 Prozent. Bereits am Vortag gab es Gerüchte im Markt über eine mögliche Verschiebung des Börsengangs, welche die Aktie um 2,5 Prozent fallen liessen. Anleger dürften enttäuscht gewesen sein, dass Swiss Re damit der Erlös durch die Lappen ging. Da bereits mehr als genügend Eigenmittel vorhanden sind beim Rückversicherer, wäre mit dem Geld ein strategischer Zukauf oder ein weiteres Aktienrückkaufprogramm möglich gewesen.

Kursentwicklung der Swiss-Re-Aktie in den letzten zwei Tagen, Quelle: cash.ch

In einem aktuellen Kommentar verweist ZKB-Analyst Georg Marti darauf, dass vor allem die Nachfrage institutioneller britischer Kunden nach ReAssure-Aktien eher mau gewesen sei. Das IPO wiederum hätte es der Swiss Re ermöglicht, die Beteiligung so weit zu senken, dass sie ein Finanzinvestment geworden wäre. Das hätte eine Kapitalerleichterung zur Folge gehabt.

Bei JPMorgan wiederum betonen die zuständigen Experten, dass der Rückversicherer den Börsengang zwar abgesagt habe, die Swiss Re aber schon im Vorfeld immer deutlich gemacht habe, dass sie sich nicht um jeden Preis von ReAssure trennen müsse. Und da der Konzern die Bewertung als eher unangemessen erachtet habe, sei das Projekt nun auf Eis gelegt.

Der abgesagte Börsengang ist zwar sicherlich ärgerlich für das Swiss-Re-Management und kurzfristig auch für die Aktionäre, alles in allem ist es aber kein Beinbruch. Positiv zu werten ist die Tatsache, dass Swiss Re ihre Tochter nicht zu einem geringem Preis veräusserte. Das Ziel der Anteilsreduktion an ReAssure besteht aber weiterhin. Plan A, ein Börsengang, ist nun gescheitert. Nun dürfte man versuchen, die Beteiligung über den privaten Weg an einen Interessenten zu verkaufen. 

(Mit Material von Reuters und AWP)

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