Rückversicherung - Geldregen für Aktionäre von Swiss Re - Aktie unverändert

Der Rückversicherer Swiss Re schüttet trotz hoher Schadenszahlungen für verheerende Katastrophen mehr Geld an seine Aktionäre aus. Die Aktie macht anfängliche Verluste nach kurzer Zeit wieder wett.
21.02.2019 10:02
Das Logo von Swiss Re am Hauptsitz in Zürich.
Das Logo von Swiss Re am Hauptsitz in Zürich.
Bild: Bloomberg

Die Dividende soll um 0,60 auf 5,60 Franken je Aktie angehoben werden, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Das, obwohl im vergangenen Jahr wegen Milliardenzahlungen für Wirbelstürme, Waldbrände und von Menschen verursachte Katastrophen unter dem Strich nur ein Gewinn von 421 Millionen Dollar stand - Analysten hatten mehr erwartet. Die Aktie reagierte anfänglich mit Abschlägen, machte aber erste Verluste bereits um 10.00 Uhr wieder wett.

Im Vorjahr hatten vor allem die Hurrikane "Harvey", "Irma" und "Maria" das Ergebnis zerzaust und unter dem Strich den Reingewinn von 3,56 Milliarden auf 331 Millionen Dollar in die Tiefe gerissen. Insgesamt hatte Swiss Re ihren Kunden nach den rekordteuren Naturkatastrophen mit 4,7 Milliarden Dollar unter die Arme gegriffen.

2018 ist es nicht ganz so schlimm, auch wenn Naturkatastrophen und von Menschenhand verursachte Katastrophen der Swiss Re erneut grosse Kosten eingebrockt haben. Die Gesamtschadenbelastung aus Katastrophen belaufe sich auf 3 Milliarden Dollar, teilte der zweitgrösste Rückversicherer der Welt am Donnerstag in einem Communiqué mit. Insgesamt kosteten die Naturkatastrophen die Swiss Re 2,2 Milliarden Dollar, während 0,8 Milliarden Dollar auf von Menschenhand verursachte Katastrophen entfielen.

Im laufenden Jahr haben vor allem die Grossschäden des US-Hurrikans "Florence", der Taifune "Jebi" und "Trami" in Japan oder des Brückeneinsturzes in Genua die Rechnung geprägt. Und in den USA schlug der Hurrikan "Michael" zu. 2018 sei für die gesamte Versicherungsbranche das viertteuerste Jahr der Geschichte. Im vierten Quartal schlugen am meisten die Brände in Kalifornien und Taifune in Japan zu Buche.

Zudem wurde der Reingewinn durch eine Änderung des US-Rechnungslegungsstandards US-GAAP belastet. Diese schlug mit 599 Millionen Dollar vor Steuern zu Buche. Ohne die Änderung hätte der Konzern einen Reingewinn von 894 Millionen Dollar eingefahren.

Dividende und geplante Aktienrückkäufe sind positiv

Im Sachrückversicherungsgeschäft konnte die Swiss Re wieder einen Gewinn von 370 Millionen Dollar erzielen, nachdem sie im Vorjahr einen Verlust von 413 Millionen Dollar erlitten hatte. Der Schaden-Kosten-Satz (sog. Combined Ratio) verbesserte sich von 111,5 Prozent auf 104,0 Prozent. Unter 100 Prozent ist das Geschäft versicherungstechnisch profitabel.

Aber auch im Erstversicherungsgeschäft für grosse Firmenkunden (Corporate Solutions) ging es wieder aufwärts, wenn auch nicht so stark wie erhofft. Der Verlust der Sparte schrumpfte von 741 Millionen Dollar auf 405 Millionen Dollar. Der Schaden-Kosten-Satz verbesserte sich auf 117,5 Prozent, nach schlechten 133,4 Prozent im Vorjahr.

Mit den Zahlen hat die Swiss Re die Erwartungen der Finanzgemeinde verfehlt. Analysten hatten im Schnitt gemäss der Nachrichtenagentur AWP mit einem Reingewinn von 608 Millionen Dollar gerechnet. Bei der Combined Ratio im Sachrückversicherungsgeschäft hatten sie 103,9 Prozent prognostiziert, bei der Firmenkundenversicherung waren sie von 107,7 Prozent ausgegangen.

Trotzdem zeigen sich Finanzexperten nicht unzufrieden: "Die erfreuliche Dividendenerhöhung spiegelt das Vertrauen der Gruppe in die zugrunde liegende Cash-Generierung wider und gleicht die bescheidenen Ergebnisse des Geschäftsjahres 2018 mehr als aus", schreibt Vontobel-Analyst Stefan Schürmann in einem Kommentar. Auch die geplanten Aktienrückkäufe - Swiss Re will wiederum 1 Milliarde Franken, plus eventuell eine weitere Milliarde, zurückkaufen - würden der Aktie Unterstützung bringen. Er hält Swis Re auf "Buy" mit einem Kursziel bei 100 Franken.

Firmenkundengeschäft enttäuschend

"Die Katastrophen im letzten Jahr haben sich, wie zu erwarten war, negativ auf unser Property & Casualty-Geschäft ausgewirkt", erklärte Swiss Re-Chef Christian Mumenthaler. "Zudem sind die Jahresergebnisse von Corporate Solutions leider enttäuschend. Trotz des schwierigen Umfelds sehe ich der Zukunft von Swiss Re optimistisch entgegen. Ich freue mich, dass wir bei den Vertragserneuerungen unseres P&C-Rückversicherungsgeschäfts im Januar das Prämienvolumen steigern und zugleich die laufenden Kosten konstant halten konnten."

In der Sparte Leben- und Krankenrückversicherung (Life & Health Reinsurance) sank der Gewinn von 1,092 Milliarden auf 761 Millionen Dollar. "Das Anlageergebnis war solide, aber niedriger als im Vorjahr", schrieb die Swiss Re. Bei Life Capital schrumpfte der Gewinn von 161 Millionen auf 23 Millionen Dollar. Die Entwicklung am britischen Anlagemarkt sei negativ gewesen, was entsprechende Auswirkungen auf fondsgebundene und partizipierende Erträge gehabt habe.

Die gebuchten Bruttoprämien der Gruppe stiegen um 4,7 Prozent auf 36,4 Milliarden Dollar, vor allem dank Prämienwachstum im gesamten Leben- und Krankengeschäft der Gruppe.

(AWP/Reuters/cash)