Santhera-CEO: «Die Bewertung ist seriös»

Die Santhera-Aktie ist der derzeitige «Burner» an der SIX. Die Manager kaufen fleissig Aktien - und lassen eine Analyse mit einem aggressiven Aktienwert verfassen. Ist das legitim? cash sprach mit dem Santhera-CEO.
03.07.2014 09:21
Von Frédéric Papp
Thomas Meier, CEO von Santhera Pharmaceuticals.
Thomas Meier, CEO von Santhera Pharmaceuticals.
Bild: ZVG

Wer frühzeitig, das heisst spätestens im April dieses Jahres, bei Santhera Pharmaceuticals eingestiegen ist, wird sein Glück kaum fassen können. Vor einem Jahr notierten die Titel des Basler Biotechunternehmens noch bei knapp 2 Franken. Kaum jemand wettete noch einen Pfifferling auf die Firma aus Liestal BL. Heute steht der Kurs bei knapp 80 Franken – das macht eine Performance von schier unglaublichen 3600 Prozent.

 

Kursperformance von Santhera (in %) seit 1.1.14

Eine solche Kursperformance mutet unheimlich an. Doch Thomas Meier, CEO von Santhera, sagt auf Anfrage von cash: "Die Einschätzung zur Bewertung von Santhera ist sehr seriös."

Meier bezieht sich dabei auf die Analyse vom 24. Juni, die Santhera beim auf Biotechunternehmen spezialisierten Analysehaus ValuationLab in Auftrag gegeben hatte. Darin setzen die Analysten den theoretischen Wert der Aktie aufgrund der so genannten Sum-of-the-Parts-Bewertung bei 114 Franken an.

Gerade bei Small- und Midcap-Unternehmen sind eigens in Auftrag gegebene Analysen ein gängiges und auch legitimes Mittel, um auf den Radar von Analysten und Investoren zu rücken. Derzeit wird Santhera noch von keinem Analysehaus abgedeckt. "Aufgrund des Berichts haben schon einige Analysten Interesse gezeigt, die uns in Zukunft abdecken wollen", sagt Thomas Meier.

Käufe des Managements

Noch vor einem Jahr stand Santhera, die 2006 an die Börse kam, vor dem Aus. Die Anleger hatten schon fast 100 Prozent verloren. Das Jahr 2012 endete mit einem Verlust von 31 Millionen Franken bei einem Umsatz von 3,5 Millionen Franken, es standen gerade noch 12 Millionen Franken liquide Mittel zur Verfügung. Der Verwaltungsrat stellte den Aktionären die Frage: Liquidation der Firma oder Weiterführung der Geschäfte. Sie entschieden sich für letzteres.

Nun ist fast alles anders: Und CEO Meier ist der Aktien-Bewertung von 114 Franken gegenüber durchaus skeptisch eingestellt: "Hierbei handelt es sich um eine eher konservative Schätzung." Die Bewertung stütze sich nur auf die geschätzten Umsätze innerhalb der kommenden Jahre für das Medikament Raxone in nur zwei Indikationen, der Augenerkrankung LHON sowie Duchenne Muskeldystrophie. Das Umsatzpotenzial der dritten Indikation gegen primär progrediente Multiple Sklerose sowie andere Produkte in der Pipeline fänden im Kurswert von 114 Franken keine Berücksichtigung.

Mitte Mai präsentierte Santhera vielversprechende Daten zu Raxone, einem Medikament gegen Muskelschwund und löste damit ein Kursfeuerwerk aus. Der Aktienkurs schoss innert einer Woche um über 800 Prozent hoch.

Hochgespült haben den Aktienkurs auch Käufe des Managements und freimütig geäusserte Möglichkeiten vom Einstieg neuer Investoren und Partnerschaften. Meier selbst hat via Ausübung seiner Call-Optionen gegen 23'000 Namenaktien bezogen. Zugelangt hat auch der Santhera-Verwaltungsrat. Von März bis Juli haben nach Angaben der Schweizer Börse SIX nicht-exekutive Verwaltungsratsmitglieder Aktien zugekauft oder Call-Optionen ausgeübt im Gegenwert von über 600'000 Franken.

Aufmerksamkeit erheischen

Vor gut einem Jahr hatte ValuationLab auch einen Researchbericht über die Produktepipeline von Newron erstellt. In der Folge hat die Bank Vontobel den Titel mit einem Buy-Rating in ihr Research-Universum aufgenommen. Dies dürfte dem Kurs geholfen haben. Innerhalb eines Jahres hat sich die Aktie verdoppelt.

Anleger sind bei Biotech-Aktien indes gut beraten, sich nicht von möglichen Superrenditen berauschen zu lassen. Denn wo hohe Gewinne locken, ist der Totalverlust oft nicht weit. So geschehen bei Cytos. Die Zukunft des Zürcher Unternehmens steht auf wackligen Beinen, nachdem es im April einen Misserfolg mit einem Asthma-Medikament vermelden musste. Die Aktie sackte innerhalb eines Tages 97 Prozent ab und ist damit der grösste Verlierer an der SIX im ersten Halbjahr (zum Artikel).

Auch Santhera musste in der Vergangenheit schon Rückschläge einstecken, was dem Aktienkurs arg zusetzte. Nach einer Faustregel ist nur eines von zehn Biotechnologie-Unternehmen schliesslich erfolgreich. Hierzulande haben bisher Actelion und Basilea Erfolg.