Bei der jüngsten «Roboter-Olympiade» in Peking zeigten humanoide Roboter ihre Fertigkeiten im Tanzen, Springen oder Boxen. Einer von ihnen knackte sogar den Weltrekord von Usain Bolt im 100-Meter-Lauf. Die chinesische Volksbefreiungsarmee zieht jedoch ganz eigene Schlussfolgerungen aus diesen Vorführungen. Unmittelbar nach Abschluss der Veranstaltung forderte die Generalität über ihre offizielle Zeitung «PLA Daily» Forscher dazu auf, die Entwicklung kämpfender Roboter zu beschleunigen.
Die Volksrepublik treibt die Forschung und Entwicklung humanoider Roboter für den militärischen Einsatz voran. Dies geht aus Dutzenden staatlichen Unterlagen, wissenschaftlichen Studien und Patentanmeldungen hervor, die die Nachrichtenagentur Reuters ausgewertet hat. Das Militär testet Humanoide unter Gefechtsbedingungen und prüft, wie Roboter an der Seite menschlicher Truppen eingesetzt werden können. Bislang gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass humanoide Roboter in reguläre Einheiten eingegliedert werden. Noch gelten die Maschinen als zu unzuverlässig und zu energiehungrig. Das chinesische Verteidigungsministerium und die National University of Defense Technology (NUDT), die wichtigste Forschungseinrichtung der Volksbefreiungsarmee, liessen Bitten um Stellungnahmen zu diesem Thema unbeantwortet.
Weltweit wachsendes Interesse an Kampfrobotern
Der Ukraine-Krieg zeigt die wachsende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz (KI) und halbautonomen Waffensystemen. Daher arbeiten auch andere Staaten mit Hochdruck an der Entwicklung KI-gesteuerter autonomer Roboter. «An Orte zu gehen, an die wir keine Menschen schicken wollen, ist einer der triftigsten Gründe, überhaupt Roboter zu entwickeln», sagt Dennis Hong, Professor für Maschinenbau und Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität UCLA. Die Maschinen könnten dabei helfen, die Zahl der Verluste unter Soldaten zu verringern.
Im vergangenen Jahr schrieb die US-Armee einen Wettbewerb zur Entwicklung «militärischer humanoider Fähigkeiten» aus. Die Roboter sollen an der Seite menschlicher Soldaten eingesetzt werden. Nach Angaben der Armee umfassen die potenziellen Einsatzbereiche Aufklärung, Sicherungsaufgaben, Hindernisräumung, Umgang mit Gefahrstoffen sowie Angriff und Verteidigung in Städten. Das US-Verteidigungsministerium und die Armee wollten sich zu diesem Thema nicht äussern.
Vom Assistenten zum vollwertigen Robo-Soldaten
Die Volksbefreiungsarmee sieht den Häuserkampf ebenfalls als einen wichtigen Einsatzbereich für Militärroboter. So sollen zwei- und vierbeinige Roboter sowie unbemannte Fahrzeuge in Zusammenarbeit mit menschlichen Soldaten gegnerisch besetzte Gebäude räumen. Eine vor rund einem Jahr vom NUDT veröffentlichte Studie nannte hierfür einen Zeitrahmen von fünf bis zehn Jahren. Zur Art der Bewaffnung der Roboter oder zum Umgang mit angetroffenen Zivilisten machte der Autor keine Angaben.
In einem Beitrag für «PLA Daily» entwarf ein Kommentator ein Szenario, bei dem bewaffnete Roboter auf Personen schiessen, sofern diese von einem Menschen als Ziel freigegeben werden. Darüber hinaus veröffentlichte die Armee ein KI-generiertes Video, in dem taiwanische Truppen mithilfe zwei- und vierbeiniger Roboter überwältigt werden. Die Regierung in Peking betrachtet die Inselrepublik als chinesisches Territorium. Der staatliche Rüstungskonzern Norinco hat mit «Fuxi» bereits einen humanoiden Roboter für den militärischen Einsatz im Portfolio. Unternehmensunterlagen zufolge ist er für gefährliche Aufgaben, Aufklärungseinsätze und den Wachdienst gedacht. Hierfür lässt er sich fernsteuern.
Komplett autonome humanoide Kampfroboter werden Experten zufolge erst in einigen Jahren die Gefechtsfelder bevölkern. Bis dahin müssen noch zahlreiche Hürden überwunden werden. So verpflichtet das Völkerrecht Streitkräfte dazu, zwischen Kombattanten und Zivilisten zu unterscheiden. Darüber hinaus verbietet es Angriffe auf verwundete oder sich ergebende Kämpfer. Verbindliche internationale Regeln zu tödlichen autonomen Waffensystemen gibt es bislang nicht. Papst Leo fordert in einer Enzyklika zu diesem Thema enge Grenzen für den militärischen Einsatz von Robotern.
(Reuters)

