Schlagabtausch bei der Actelion-Aktie

Actelion enttäuscht die Märkte - hatten die sich doch auf ein starkes Schlussquartal und einen soliden Ausblick eingestellt. In der Aktie liefern sich Haussiers und Baissiers einen Schlagabtausch.
16.02.2015 12:57
Von Lorenz Burkhalter
Das sind sich die erfolgsverwöhnten Aktionäre von Actelion nicht gewohnt: Das Schlussquartal fällt schwächer als erwartet aus.

(Ergänzt um den aktuellen Aktienkurs)

Nach den starken Neunmonatszahlen von Mitte Oktober hatten Analysten dem Börsenliebling Actelion eine weitere positive Ergebnisüberraschung zugetraut. Das in Allschwil BL beheimatete Biotechnologieunternehmen macht seinem Ruf als Garant für starke Zahlenkränze für einmal jedoch keine Ehre: Der Zahlenkranz für das Geschäftsjahr 2014 liegt sowohl beim Umsatz als auch auf den Stufen Kernbetriebsgewinn und Kerngewinn unter den Erwartungen.

Auch der Ausblick fällt recht verhalten aus, trägt er der Frankenstärke doch noch keine Rechnung. Viele Analysten hatten sich in diesem Zusammenhang konkretere Aussagen erhofft. Begrüsst wird hingegen das neue und über drei Jahre laufende Aktienrückkaufprogramm.

Im seit dem Vormittags tobt in der Aktie von Actelion ein erbitterter Kampf zwischen Haussiers und Baissiers. Zur Stunde fällt der Kurs an der Schweizer Börse SIX noch um 1,2 Prozent auf 104,10 Franken. Kurz nach Handelsbeginn wurden sogar Kurse knapp über 100 Franken bezahlt.

Absatz der Schlüsselmedikamente enttäuscht

In einem Kommentar der UBS Investmentbank ist von einem leicht schwächer als erwarteten Jahresergebnis die Rede. Die Konsensschätzungen seien beim Umsatz um 2 Prozent, beim operativen Kerngewinn um 4 Prozent und beim Gewinn je Aktie um 8 Prozent verfehlt worden.

Schuld sei nicht zuletzt der verhaltenere Absatz bei den beiden Schlüsselprodukten Tracleer und Opsumit. Der Verfasser des Kommentars macht bei beiden Medikamenten zumindest teilweise negative Währungseffekte für die Differenz zwischen den Erwartungen und den effektiven Absatzzahlen verantwortlich.

Ausblick wird unterschiedlich beurteilt

Auf Basis des vorliegenden Ausblicks sei die Gefahr rückläufiger Markterwartungen überblickbar, so schreibt der Analyst. Auch vom Aktienrückkaufprogramm erhofft er sich Unterstützung für den Aktienkurs. Die Actelion-Aktie wird bei der UBS Investmentbank weiterhin mit einem 12-Monats-Kursziel von 122 Franken zum Kauf empfohlen.

Vorsichtigere Worte findet der für Baader Helvea tätige Berufskollege. Er führt die enttäuschende Geschäftsentwicklung des Schlussquartals auf einen schwächer als erwarteten Absatz mit dem Hauptumsatzträger Tracleer sowie auf höhere Kosten zurück.

Der Ausblick für das laufende Jahr liege zwar innerhalb der Erwartungsbandbreite, falle insgesamt aber schwächer als von ihm selber erwartet aus, so der Analyst. Auch die Entwicklungspipeline scheint bei Baader Helvea niemanden vom Hocker zu reissen. Das Anlageurteil lautet deshalb weiterhin "Hold" und das Kursziel 103 Franken.

Verzögerungen bei der EU-Marktzulassung von Opsumit?

Bei der Zürcher Kantonalbank zeigt man sich vor allem aufgrund des deutlich unter den Erwartungen ausgefallenen Umsatzbeitrags des Schlüsselmedikaments Tracleer enttäuscht. Gleichzeitig hätten aber auch höhere Kosten für die Forschung und Entwicklung sowie ein höherer Finanzaufwand Spuren in der Gewinnentwicklung hinterlassen. Der verantwortliche Analyst stuft die Aktie unverändert mit "Marktgewichten" ein.

Barclays Capital errechnet auf Basis des Ausblicks ein Abwärtspotenzial von 8 Prozent bei den Konsensschätzungen. Dies aufgrund höherer Kosten und Anhaltspunkten für Verzögerungen im Zulassungsprozess von Opsumit in Europa. Das Anlageurteil lautet vorerst "Equal-weight" und das Kursziel 115 Franken. Dieses dürfte nach den Zahlen allerdings nach unten angepasst werden.

Gefahr weiterer Kurszielreduktionen

Als einer der ersten Analysten reduziert jener von Bryan, Garnier & Co den fairen Wert auf 117 (126) Franken. Aufgrund der langfristig intakten Aussichten empfiehlt er die Aktie von Actelion weiterhin zum Kauf.

Derselben Meinung ist sein für Jefferies International tätiger Berufskollege. Allerdings lässt auch er durchblicken, dass das 126 Franken lautende Kursziel vermutlich etwas zu hoch angesetzt ist. Als kursstützend erachten die Amerikaner das umfangreiche Aktienrückkaufprogramm.