Schmerzhafter Jahresverlust - Was bedeutet der unerwartet hohe Verlust bei Dufry für den Aktienkurs?

Der Jahresverlust bei Dufry fällt beinahe so hoch wie der Jahresumsatz aus. Der Reisehandelskonzern verfehlt damit selbst die pessimistischsten Analystenschätzungen.
09.03.2021 10:06
Von Lorenz Burkhalter
Duty Free shop der schweizer Dufry auf dem Flughafen Mailand Malpensa.
Duty Free shop der schweizer Dufry auf dem Flughafen Mailand Malpensa.
Bild: imago images / Rüdiger Wölk

Dass der Reisehandelskonzern Dufry das Jahr 2020 mit einem schmerzlichen Verlust abschliessen würde, war klar. Mit 2,51 Milliarden Franken fällt der Fehlbetrag allerdings beinahe so hoch wie der Jahresumsatz in Höhe von 2,56 Milliarden Franken aus. Analysten waren durchschnittlich von einem Verlust in Höhe von 1,62 Milliarden Franken ausgegangen, wobei die Schätzungen zwischen minus 979 Millionen Franken und minus 2,12 Milliarden Franken lagen. Wenig überraschend beantragt das Unternehmen im Hinblick auf die nächste Generalversammlung einen erneuten Dividendenverzicht.

In Expertenkreisen zeigt man ein bisschen perplex über den hohen Jahresverlust. Immerhin sei die Barmittelverbrennung mit 406 Millionen Franken deutlich geringer als erwartet ausgefallen. Dennoch bleibe Dufry ein Sorgenkind, so lautet der Tenor.

Analysten sehen nicht ganz so schwarz

Die Anleger scheinen diese Meinung nur bedingt zu teilen. Nach einem frühen Rücksetzer auf 61,46 Franken schüttelt die Aktie des Reisehandelskonzerns die Kursverluste ab. Zur Stunde gewinnt sie gar 1,2 Prozent auf 63,10 Franken.

Wie Vontobel festhält, ist der hohe Jahresverlust denn auch eine Folge einmaliger Wertberichtigungen. Letztere sind höher als erwartet ausgefallen. Die Zürcher Bank hält das Unternehmen jedoch weiterhin für gut finanziert und damit für ein erneut eher schwaches erstes Quartal gerüstet. Die Aktie wird bei Vontobel mit "Hold" und einem Kursziel von 55 Franken eingestuft.

Auch die UBS schlägt in einer ersten Stellungnahme eher versöhnliche Töne an. Um einmalige Faktoren bereinigt bewegt sich das Jahresergebnis gemäss Grossbank im Rahmen der Erwartungen. Dasselbe gilt für die zukunftsgerichteten Aussagen. Das Anlageurteil für die Aktie lautet wie bis anhin "Neutral", das 12-Monats-Kursziel von 48 Franken nimmt die UBS im Anschluss an die Ergebnisveröffentlichung vermutlich nach oben.

Für die französische Oddo stehen hingegen die bei den Kosten erzielten Fortschritte im Vordergrund. Ausserdem rechne das Unternehmen selber mit einer Belebung in der zweiten Jahreshälfte. Oddo stuft die Aktie mit "Neutral" und einem Kursziel von 55 Franken ein.

Die Zürcher Kantonalbank zeigt sich regelrecht beeindruckt vom Erfolg der eingeleiteten Sparmassnahmen. Ausserdem sieht sie das Unternehmen gut für die Herausforderungen im laufenden Jahr gerüstet. Das Anlageurteil lautet deshalb weiterhin "Marktgewichten".

Leerverkäufer mischen kräftig mit

In den ersten März-Tagen stiess die Dufry-Aktie in der Spitze bis auf 66 Franken vor. Das entspricht dem höchsten Stand seit das Covid-19-Virus vor ziemlich genau einem Jahr seine Reise von der chinesischen Metropole Wuhan aus um die Welt antrat.

Für Beobachter bleibt die Aktie alleine schon aufgrund der schwierigen Geschäftssituation ein Spielball der Spekulanten. Auch ausländische Leerverkäufer haben bei Dufry ihre Hände im Spiel. Schätzungen aus dem Handel zufolge wetten sie beim Reisehandelskonzern mit rund 5 Prozent der ausstehenden Titel auf rückläufige Kurse.