Die guten Halbjahreszahlen erfüllten die hohen Erwartungen der Anleger nicht. Die Aktie prallte einmal mehr am Widerstand bei 625 Franken ab und die Halbjahresergebnisse lösten weitere Gewinnmitnahmen aus.

Daher führen die Aktien von Zurich diese Woche die Verliererliste des Schweizer Blue-Chip-Segments an. Sie fielen um 4,4 Prozent auf 589,80 Franken (Stand: Freitagvormittag). Der Leitindex SMI verbesserte sich im selben Zeitraum um 1,2 Prozent. Ins Hintertreffen gerieten neben Zurich auch Kühne+Nagel mit einem Minus von 2,7 Prozent sowie Novartis mit minus 1,1 Prozent.

Verantwortlich für den Grossteil des Wochenverlusts war das Halbjahresergebnis vom Donnerstagmorgen, das den Abwärtstrend beschleunigte. Obwohl der Betriebsgewinn den Konsens schlagen vermochte, verfehlte der Schaden-Kosten-Quote bei der Schaden- und Unfallversicherung (P&C) die Erwartungen. Auch enttäuschte das Resultat des US-Partners Farmers.

Mit Blick nach vorn sprechen zwei Punkte für weitere Gewinnmitnahmen: Die Bewertung und die Charttechnik. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 14,8x - deutlich über dem historischen Durchschnitt von 10,8x und nahe dem Rekordwert von 15,6x vom Jahresbeginn 2025. 

Auch technisch bietet das Bild aus Anlegersicht wenig Trost: In über einem Jahr prallte die Aktie dreimal an den Widerständen bei 625 und 607 Franken ab und fiel anschliessend jeweils auf 522 bis 530 Franken zurück. Ein ähnliches Szenario ist auch dieses Mal durchaus vorstellbar - und würde ein attraktives Einstiegsfenster für geduldige Neueinsteiger eröffnen.

Analysten werden optimistischer

Interessant ist indes der Stimmungswandel unter den Analystinnen und Analysten: In der laufenden Konsolidierungsphase sind sie positiver geworden. Vor einem Jahr gab es lediglich drei Kaufempfehlungen gegenüber sechs Halten- und neun Verkaufsempfehlungen. Aktuell raten aber sechs Experten zum Kaufen, ebenso viele zum Halten und nur noch vier zum Verkaufen.

Zu den optimistischsten Stimmen im Markt zählt die Privatbank Berenberg. Sie stuft Zurich mit «Buy» ein. Das Kursziel wird mit 902 Franken beziffert, was ein Aufwärtspotenzial von über 53 Prozent impliziert. Mit einer Solvenzquote von 265 Prozent verfügt der Versicherer über erheblichen Spielraum für Übernahmen und Dividendenerhöhungen. Die sinkenden Rückversicherungskonditionen sollten sich zudem positiv auf die Ergebnisse auswirken.

Vorsichtiger als Berenberg ist etwa Goldman Sachs mit einer Verkaufsempfehlung und einem Kursziel von 546 Franken. Die letzten Anpassungen der Schätzungen zum Gewinn je Aktie nahm die US-Investmentbank allerdings im Januar 2026 vor. Sie reduzierte die Gewinnannahmen vor dem Hintergrund geringerer Erträge im Leben- und Gesundheit-Bereich. Der Absatz von Vorsorgeprodukten entwickelte sich zuletzt indes erfreulicherweise positiv. Die Gruppe verzeichnete laut Halbjahresbericht vor allem in Europa, Lateinamerika und Asien Zuwächse.

Nächste Orientierungspunkte sind die Entwicklung bei Farmers sowie der Fortschritt der Beazley-Integration. Vorstellbar ist, dass die Aktie vorübergehend noch etwas Luft ablässt. Denn vorerst scheinen die Titel zu teuer für die gelieferten Zahlen zu sein. Zwar ist dies kein zwingendes Verkaufsargument - doch mit einem zügigen Ausbruch nach oben ist angesichts der charttechnischen Belastung nicht zu rechnen. Vielmehr dürften die Aktien auf niedrigerem Niveau einen erneuten Anlauf starten.

(Mit Material von AWP)

Luca_Niederkofler
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