Schweizer Börse - Auffällige Management-Transaktionen im ersten Quartal

Im turbulenten ersten Börsenquartal haben viele Chefs und Verwaltungsräte auf privater Basis mit Aktien der eigenen Firma gehandelt. cash zieht Bilanz und kommentiert auffällige Management-Transaktionen.
18.03.2018 22:36
Von Lorenz Burkhalter
Der Sensorenhersteller AMS fiel in den letzten Wochen durch Management-Transaktionen in Millionenhöhe auf.
Der Sensorenhersteller AMS fiel in den letzten Wochen durch Management-Transaktionen in Millionenhöhe auf.
Bild: ZVG

Stehen Unternehmensergebnisse an, belegen viele börsenkotierte Unternehmen aus der Schweiz ihre Geschäftsleitungsmitglieder und Verwaltungsräte schon Wochen zuvor mit einer Sperrfrist im Aktienhandel. Im angelsächsischen Sprachgebrauch wird dies "Blackout Period" genannt. Diese untersagt den Managern, auf privater Basis mit Aktien der eigenen Firma zu handeln.

Die "Blackout Period" endet am Tag der Zahlenveröffentlichung. Ab dann dürfen die Geschäftsleitungsmitglieder und Verwaltungsräte wieder munter an der Börse mitmischen.

Für sogenannte "Management-Transaktionen" kennt die Schweizer Börse SIX eine Freigrenze von 100'000 Franken im Monat. Übersteigen die kumulierten Aktienkäufe oder -verkäufe einer Person diese Summe, ist der Arbeits- oder Mandatsgeber von Gesetzes wegen zu einer Meldung an die Börsenbetreiberin verpflichtet. Die SIX führt eine öffentliche Statistik.

Von dieser Statistik erhoffen sich Börsenakteure wichtige Anhaltspunkte in Bezug auf das Tagesgeschäft. Denn wer weiss schon besser darüber Bescheid als die Geschäftsleitung oder der Verwaltungsrat eines Unternehmens?

Management-Transaktionen für fast eine halbe Milliarde Franken

Eine alte Faustregel besagt, dass auf einen Franken an Titelkäufen drei Franken an Verkäufen kommen. Das lässt sich damit erklären, dass Geschäftsleitungsmitglieder und Verwaltungsräte einen Teil ihrer Entschädigung in Aktien des eigenen Unternehmens erhalten. Läuft die vertraglich geregelte Sperrfrist ab, können sie frei darüber verfügen.

Seit Jahresbeginn wurden der Schweizer Börse SIX Kauf-Transaktionen in Höhe von 166 Millionen Franken gemeldet. Dem standen Verkaufs-Transaktionen für 298 Millionen Franken gegenüber. Diese Zwischenbilanz ist allerdings mit Vorsicht zu geniessen. Denn gerade bei den Kauf-Transaktionen liegt nicht immer auf der Hand, was für ein Geschäft sich dahinter verbirgt.

So gesehen bei AMS. Der Sensorenhersteller aus dem österreichischen Unterpremstätten meldete der SIX zwischen dem 6. Februar und dem 9. März insgesamt sechs Kauf-Transaktionen im Gesamtwert von 25,3 Millionen Franken. Doch nur einer einzigen und zudem noch kleinen Transaktion lag auch tatsächlich ein Titelkauf zugrunde. Für die Differenz 25 Millionen Franken übten Geschäftsleitungsmitglieder ihre Mitarbeiteroptionen aus.

Missglückter Versuch der Aryzta-Führungsspitze

Gleichzeitig trennten sie sich in den besagten vier Wochen von Aktien und Optionen im Gegenwert von 85 Millionen Franken, was der Kursentwicklung offensichtlich nicht allzusehr zusetzte: vor wenigen Tagen erklomm die AMS-Aktie bei 121,20 Franken eine neue Bestmarke.

Beeindruckender Kursanstieg der AMS-Aktie trotz Titelverkäufen aus dem Management (Quelle: www.cash.ch)

Rekorde ganz anderer Art schrieb zuletzt Aryzta. Selbst nach der überraschenden Gewinnwarnung vom Januar kam das Halbjahresergebnis des hochverschuldeten Backwarenherstellers an der Börse nicht gut an. Die Aktie fiel bei 21,44 Franken kurzum auf den tiefsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Alleine seit Jahresbeginn errechnete sich zu diesem Zeitpunkt ein Minus von 54 Prozent.

Verwaltungsratspräsident Gary McGann und Konzernchef Kevin Toland übten sich in Schadensbegrenzung und kauften medienwirksam eigene Aktien. Da die eingesetzte Summe von 240'000 Franken von Händlern als geradezu lächerlich abtaxiert wurde, erwies sich die Aktion nicht als die erhoffte Kursstütze (cash berichtete).

Wie man es richtig macht, zeigte zuvor Nassef Sawiris bei LafargeHolcim. Als der neue Konzernchef Jan Jenisch am 5. März seine Strategie sowie neue Mittelfristziele vorstellte, nutzte er den Kursrutsch zum Kauf von 200'000 Aktien im Gegenwert von 10,5 Millionen Franken. Der Grossaktionär und Verwaltungsrat hängte den Titelkauf zwar nicht an die grosse Glocke. Dennoch verhalf die davon ausgehende Signalwirkung der LafargeHolcim-Aktie seither zu neuem Leben.

Aktive Burgdorfer bei Ypsomed

Gewohnt ziemlich aktiv waren die Exponenten von Ypsomed. Als am 7. März Gewinnwarnungsgerüchte aufkamen, ergriff der Medizinaltechnikkonzern aus Burgdorf die Flucht nach vorn. In einer Medienmitteilung wurden die diesjährigen Zielvorgaben bekräftig. Gleichzeitig deutete man für das darauffolgende Jahr jedoch einen temporären Gewinnrückgang an. Der Kurs der Aktie tauchte an diesem Tag um 7 Prozent in die Tiefe.

Kursentwicklung der Ypsomed-Aktie vor und nach den Gewinnwarnungs-Gerüchten (Quelle: www.cash.ch)

Seit dem 7. März haben einer oder mehrere Verwaltungsräte eigene Titel in Höhe von knapp 10 Millionen Franken "gesammelt". Barmittel dürften mehr als genug vorhanden gewesen sein, hatten Verwaltungsräte zuvor zwischen dem 19. Januar und 27. Februar doch für 23 Millionen Franken Kasse gemacht. Ein Geschäftsleitungsmitglied trennte sich von Aktien für 1,7 Millionen Franken. Dem standen in den knapp sechs Wochen Titelkäufe in Höhe von 3,5 Millionen Franken seitens eines oder mehrerer Verwaltungsräte gegenüber.

Da die Familie um Firmengründer und Verwaltungsratspräsident Willy Michel hinter den Transaktionen aus dem Verwaltungsrat vermutet wird, geht von den jüngsten Aktienkäufen durchaus Signalwirkung für die Börse aus. Denn mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 40 gilt die Ypsomed-Aktie noch immer als eine der teuersten am Schweizer Aktienmarkt.