Die Inflation ist in der Schweiz im August von 0,4 auf 0,8 Prozent angesprungen. Der Wert lag über jeder einzelnen Prognose der 16 von Bloomberg befragten Ökonomen. Der überraschend hohe Anstieg schürt Sorgen, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Leitzinsen erhöhen könnte. 

Bisher erwartete die Mehrzahl der Ökonomen einen stabilen Leitzins bis ins Jahr 2027. Ein Monat mit einem hohen Inflationswert dürfte deshalb nicht ausreichen, dass die SNB bereits an der nächsten geldpolitischen Sitzung vom 24. September die Zinsen erhöht. Der positive Überraschungseffekt im August wurde von den Energiepreisen getragen, wobei die Auswirkungen auf den übrigen Währungskorb aufgrund der verhaltenen Kerninflation begrenzt waren, schrieben die Ökonomen von Bloomberg am Donnerstag in einem Kommentar. Dies dürfte die Einschätzung der SNB bestärken, dass der mittelfristige Preisdruck nach dem vorübergehenden Energieschock praktisch unverändert bleibt, und somit eine Verlängerung der Nullzinsen rechtfertigen, begründeten die Bloomberg-Experten ihre Einschätzung. 

Gegen Ende 2027 könnte sich das Blatt wenden. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, meint, die SNB komme unter Zugzwang. Eine Inflationsrate von 0,8 Prozent wolle nicht zu einem leicht negativen Saron passen. Eine Zinserhöhung der SNB sei mit dem heutigen Datenpunkt jedenfalls wahrscheinlicher geworden.

«Zwar ist die SNB in Anbetracht der in absoluter Betrachtung noch immer verhältnismässig niedrigen Teuerung nicht in akuten Nöten, doch die Preisrisiken haben sich auch in der Schweiz auf die Oberseite verlagert. Eine Zinsanhebung im Dezember ist nicht völlig ausgeschlossen», erklärte der Chefökonom der VP Bank.

Keine Reaktion der Märkte

Die Reaktion an den Schweizer Zinsmärkten deutet ebenfalls darauf hin, dass die Leitzinsen in der Schweiz vorerst unverändert bleiben. Die für Hypotheken relevanten Swapsätze mit Laufzeiten bis zu zwei Jahren zogen nur marginal an, während die Rendite der zehnjährigen Bundesobligation auf dem Niveau des Vortages verharrt. Daten der auf Zinsprognosen spezialisierten Firma Derivox zeigen - wie bereits vor Monatsfrist - eine eingepreiste Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte im Sommer 2027 mit 68-prozentiger Wahrscheinlichkeit an. 

Gegen eine voreilige Zinserhöhung spricht insbesondere die Kerninflation. Im August verteuerten sich primär die schwankungsanfälligen Erdölprodukte, welche rund 25 Prozent höher stehen als im Vorjahr. Zudem trugen Importprodukte im ersten Monat stärker zur Inflation bei als inländische Produkte. Dies verdeutlicht, wie sich der schwächere Franken auf die Preise auswirkt.

Die sogenannte Kerninflation, die volatile Faktoren wie Energie ausklammert, stieg im August auf 0,4 Prozent nach 0,3 Prozent im Vormonat und somit deutlich weniger stark als die Gesamtinflation. Bestätigt sich dieser Trend bis zum Jahresende mit moderaten Anstiegen bei der Kerninflation, so dürfte der Leitzins bis ins Jahr 2027 auf dem Niveau von null Prozent bleiben.

Thomas Daniel Marti
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