Schweizer kündigen Job wieder häufiger

Stress am Arbeitsplatz und Angst vor Entlassungen - das sind die Hauptgründe, wieso Schweizer vermehrt aus freien Stücken kündigen. Mit teuren Folgen für die Unternehmen.
28.11.2013 13:49
Von Frédéric Papp
Laut einer Studie nimmt die Jobwechsel bei den Schweizer zu.

Schweizerinnen und Schweizer suchen wieder häufiger von sich aus einen neuen Job. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Personaldienstleisters Robert Half. In Zahlen ausgedrückt sieht dies so aus: 38 Prozent der Personalverantwortlichen stellen im Vergleich zu 2010 eine leichte bis erhebliche Zunahme der Kündigungen fest. In Deutschland sind es lediglich 28 Prozent. Befragt wurden 250 Personalverantwortliche in der Schweiz und Deutschland.

Laut der Studie motiviert eine mangelnde Work-Life-Balance bei fast der Hälfte der Schweizer zu einer Kündigung. Und 37 Prozent hoffen, dem zunehmenden Stress und der wachsenden Arbeitsbelastung durch einen Jobwechsel entfliehen zu können.

Dass der Stress am Arbeitsplatz zugenommen hat, zeigt auch eine Studie des Seco, die letzte Woche veröffentlicht wurde. So hat die Zahl der Personen, die "häufig" oder "sehr häufig" Stress am Arbeitsplatz empfinden, im Zehn-Jahres-Vergleich um 8 auf 34 Prozent zugenommen. Stressauslöser sind Arbeitseinsätze während der Freizeit, mehr als zehn Stunden Arbeit pro Tag, unklare Arbeitsanweisungen oder auch Termindruck.

Angst vor Kündigung

Der drittwichtigste Grund für den Jobwechsel ist laut Umfrage die Angst, den Job zu verlieren. Dies ist bei gut einem Viertel der Schweizer der Fall. Deutet die Unternehmensentwicklung auf einen möglichen Stellenabbau hin, wählen Angestellte lieber die Eigeninitiative und kündigen von sich aus, bevor der Arbeitgeber die Stelle streicht.

Die Angst vor dem Jobverlust ist durchaus real. Am Donnerstag gab der Biotech-Konzern Crucell bekannt, 380 von insgesamt 460 Stellen am Produktionsstandort im bernischen Köniz zu streichen. Auch der französische Industriekonzern Alstom zieht nach einem schwachen ersten Halbjahr die Zügel an. Anfang November gab das Unternehmen bekannt, insgesamt 1300 der 93'000 Stellen abzubauen. Davon ist auch der Standort Schweiz betroffen.

Zugleich werden aber auch neue Stellen geschaffen. So kletterte die Zahl der Beschäftigten laut Bundesamt für Statistik gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Prozent auf knapp 4,2 Millionen. Und die vorausweisenden Indikatoren zeichnen ein positives Bild. Wechselwillige haben somit gute Chancen, woanders unterzukommen.

Herausforderung für Unternehmen

Jeder Abgang eines Angestellten, der mehrere Jahre in einem Unternehmen tätig war, ist ein Verlust an Know-how und Kompetenz und verursacht somit Kosten – so genannte Fluktuationskosten. Das Halten von Angestellten wird somit zu einem wesentlichen Wettbewerbsfaktor.

Laut der Umfrage von Robert Half nennen 43 Prozent der Schweizer HR-Manager die positiven Erwartungen hinsichtlich einer ausgeglichenen Work-Life-Balance als Grund für die wachsende Loyalität der Mitarbeitenden. Auch die Aussicht auf sichere Jobs hält Mitarbeitende im Unternehmen.