Sensoren und Licht - Osram-Kauf nützt Hedgefonds, aber nicht unbedingt AMS-Aktionären

AMS hat es geschafft: Die Mehrheit an Osram ist nun beim Sensorenhersteller. Allerdings braucht er dafür frisches Geld - freuen können sich jetzt schon einige Anlagegesellschaften, die eigene Pläne verfolgt haben.
08.12.2019 15:41
Osram mit Sitz in München (Bild) kommt nun zu AMS.
Osram mit Sitz in München (Bild) kommt nun zu AMS.
Bild: ZVG

Der Münchner Lichttechnik-Konzern Osram kommt in österreichische Hände, wie am Freitagabend bekannt geworden ist. Der Sensor-Spezialist AMS sicherte sich im zweiten Anlauf mehr als 55 Prozent der Anteile an dem Traditionsunternehmen, wie der neue Eigentümer am Freitag in Premstätten bei Graz mitteilte.

Damit endet der Poker um die Übernahme, der Osram mehr als ein Jahr in Atem gehalten hatte. Sechs Jahre nach dem Börsengang verliert die ehemalige Siemens-Tochter ihre Eigenständigkeit. Anfang Oktober war AMS noch am Widerstand der Osram-Aktionäre gescheitert, brachte dann aber den Vorstand um Olaf Berlien auf seine Seite.

Berlien hatte sich lange gegen den Verkauf gesträubt. "Der heutige Erfolg ist auch ein Resultat des konstruktiven und positiven Verhältnisses, das wir aufgebaut haben", sagte AMS-Vorstandschef Alexander Everke, ein ehemaliger Siemens- und Infineon-Manager.

«Kein einfacher Weg»

"Es war sicherlich kein einfacher Weg, aber schlussendlich konnten wir die notwendige Mehrheit der Osram-Aktionäre von unserem attraktiven Angebot und der strategischen Logik überzeugen." Im ersten Anlauf hatten die Anteilseigner AMS noch die Gefolgschaft verweigert, nachdem die Österreicher in letzter Minute ihre Offerte auf 41 Euro aufgestockt hatten. D

abei blieb es, doch senkte Everke die für den Erfolg des Angebots nötige Schwelle auf 55 von 62,5 Prozent. Knapp 20 Prozent der Aktien hatte sich AMS schon vorher gesichert. Zwei Finanzinvestoren, die monatelang die Bücher von Osram geprüft hatten, gaben auf.

AMS will LED-Chips

AMS hat es vor allem auf die zukunftsträchtigen Sensor- und Lichtlösungen von Osram - etwa LED-Chips - für die Auto- und Elektronik-Branche abgesehen, die das steirische Unternehmen weniger abhängig vom Grosskunden Apple machen sollen.

Der Zusammenschluss könne "einen Photonik- und Sensorik-Champion von Weltrang auf den Weg bringen" sagte Berlien. Teile der Digital-Sparte, auf die er grosse Hoffnungen gesetzt hatte, stehen unter der Ägide von AMS jedoch zur Disposition. Osram steckt in der Krise: Vor allem das Geschäft mit der Autoindustrie stottert, der Umsatz brach im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende September) um 13 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro ein. Unter dem Strich stand ein Verlust von fast einer halben Milliarde Euro.

Berlien hatte der nur halb so grossen, aber angesichts des Smartphone-Booms florierenden AMS Zugeständnisse abgerungen. So soll der Zusammenschluss bis Ende 2022 keine betriebsbedingten Kündigungen nach sich ziehen. Die ehemalige österreichische SPÖ-Politikerin und Siemens-Managerin Brigitte Ederer soll überwachen, dass sich AMS daran hält. Osram selbst hatte die Belegschaft im vergangenen Jahr um 2700 auf 23'500 reduziert.

AMS droht ein Nachspiel

AMS hat die Übernahme bisher mit Krediten finanziert. Etwa ein Drittel davon - 1,6 Milliarden Euro - sollen aber bald mit einer Kapitalerhöhung getilgt werden. AMS werde deshalb schon im Januar zu einer Hauptversammlung einladen, um die notwendigen Beschlüsse zu fassen. Die Kapitalerhöhung solle danach "zeitnah" umgesetzt werden, hiess es in der Mitteilung.

Das endgültige Ergebnis des Übernahmeangebots soll erst am Dienstag vorliegen. Danach haben die restlichen Osram-Aktionäre noch einmal zwei Wochen - bis Heiligabend - Zeit, ihre Papiere an AMS zu verkaufen. Dann dürften vor allem Indexfonds ihre Osram-Aktien andienen, deren Anteil auf zehn bis zwölf Prozent geschätzt wird. Sie könnten aber auch an der Börse verkaufen - dort stieg die Osram-Aktie im Späthandel auf mehr als 43 Euro.

Das spielt den Hedgefonds und anderen Finanzfirmen in die Hände, die auf eine höhere Abfindung für ihre restlichen Anteile setzen. Ihr massenhafter Einstieg bei Osram hatte die Übernahme bis zum letzten Moment zur Zitterpartie werden lassen. Um sie zur Annahme des Angebots zu bewegen, waren Everke und Berlien eigens nach New York und London gereist.

Die restlichen Osram-Anteile einzusammeln, könnte für die Österreicher teuer werden. Denn perspektivisch braucht AMS mindestens 75 Prozent an der doppelt so grossen Osram, um Zugriff auf deren Finanzmittel zu bekommen und damit die Kredite für die Übernahme tilgen zu können. Nach Angaben von Osram könnten im zweiten Halbjahr 2020 die Vorbereitungen für eine Fusion anlaufen.

(Reuters/cash)

 

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