Siegfried-CEO - «Unsere Aktie hat Nachholpotenzial»

Der Pharmazulieferer Siegfried verpasst die Erwartungen der Analysten, die Börse reagiert negativ. Im Video-Interview äussert sich CEO Rudolf Hanko zu seinen Prognosen, zur Aktie und zu Übernahmezielen in der Schweiz.
14.03.2018 14:23
Von Ivo Ruch
Rudolf Hanko ist CEO des Pharmazulieferers Siegfried.
Bild: cash

Die Investoren sind nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis von Siegfried. In einem klar positiven Gesamtmarkt verliert die Siegfried-Aktie am Mittwoch bis um 13 Uhr rund 3 Prozent auf 335 Franken. Der Umsatz habe zwar im Grossen und Ganzen den Erwartungen entsprochen, diese wurden für die Profitabilität aber verfehlt, so der Tenor unter Analysten.

Zuvor hatte der Titel allerdings einen guten Lauf. 2017 konnte er 52 Prozent zulegen und auch im aktuellen Jahr ist er überdurchschnittlich unterwegs. Wurde im Vorfeld der Geschäftszahlen für 2017 also zu viel Optimismus verbreitet? "Wir haben unsere eigenen Angaben übertroffen. Nur sind die Analysten meistens davon ausgegangen, dass wir unsere eigenen Prognosen noch deutlicher übertreffen", sagt CEO Rudolf Hanko im Video-Interview zu cash.

Andere Schweizer Pharmazulieferer wie Bachem oder Lonza hatten in den letzten Monaten an der Börse deutlich mehr Mühe als Siegfried. Dass sich nun auch Siegfried-Aktionäre auf unruhigere Zeiten einstellen müssen, daran glaubt Hanko nicht: "Solange unser Geschäft läuft, wird sich die Aktie gut weiterentwickeln". Und: "In Bezug auf typische Kennzahlen haben wir eher noch Nachholpotenzial gegenüber den Wettbewerbern." In der Tat weist Siegfried für 2018 beispielsweise ein tieferes Kurs-Gewinn-Verhältnis auf als Lonza.

Die Aktien von Siegfried (rot), Lonza (lila) und Bachem (grün) in den letzten zwölf Monaten (Quelle: cash.ch)

Siegfried erreichte im letzten Jahr einen Umsatzanstieg um 4,6 Prozent auf 750,5 Millionen Franken, in Lokalwährungen waren es plus 3,8 Prozent. Der Reingewinn sprang um 42 Prozent auf 39,7 Millionen, nachdem im Vorjahr noch ein Rückgang um 29 Prozent vermeldet werden musste.

Für das laufende Jahr erwartet der Pharmazulieferer aus Zofingen ein Umsatzwachstum in Lokalwährungen mindestens im mittleren einstelligen Prozentbereich sowie eine deutliche Verbesserung der EBITDA-Marge. Mit Umsatz und Ergebnis sei Siegfried über den Vorjahreszahlen ins 2018 gestartet, sagt CEO Hanko. Mittelfristig erwartet er ein organisches Wachstum in Richtung 900 Millionen.

Rechnet man mögliche Übernahmen mit ein, dürfte die Milliardengrenze aber deutlich früher fallen. "Wer in diesem Markt überleben will, muss bis 2025 drei Milliarden Franken Umsatz erwirtschaften", so Hanko.

Übernahme statt Dividende

Laut Geschäftsbericht strebt Siegfried unter anderem eine Übernahme im Bereich der Herstellung von Endprodukten (Fertigformulierungen) in den USA oder Europa an. Damit wolle man sich Zugang zu zusätzlichen Kapazitäten und weiteren Formulierungstechnologien verschaffen. Zu möglichen Übernahmekandidaten in der Schweiz sagt CEO Hanko: "Die sehe ich momentan nicht, aber das kann sich ändern".

Um die Akquisitionen zu finanzieren, verfolgt Siegfried eine zurückhaltende Dividendenpolitik. Zwar wird der Generalversammlung die Ausschüttung einer Dividende von 2,40 Franken pro Aktie als Ausschüttung aus der Kapitaleinlagereserve vorgeschlagen, das sind 40 Rappen mehr als im Jahr zuvor. Aber beim aktuellen Aktienkurs ist das eine tiefe Rendite von 0,7 Prozent.

Im cash-Video-Interview sagt Rudolf Hanko auch, wieso bei Siegfried die Breite der Technologie wichtiger ist als die Spezialisierung.