«Sind Value-Aktien ausgereizt?»

Der «Templeton Growth» ist ein Klassiker unter Value-Fonds. Nach einer langen Durststrecke überzeugt er die Anleger wieder. Manager Norman Boersma äussert sich gegenüber cash zum Anlageumfeld für unterbewertete Aktien.
03.12.2013 13:30
Von Daniel Hügli, Frankfurt
Der Fondsmanager des "Templeton Growth", Norman Boersma.
Bild: cash

Drei Wechsel des Fondsmanagements in fünf Jahren, eine Underperformance in den Jahren 2003 bis 2010 gegenüber der Konkurrenz. Das war die Ausgangslage für Norman Boersma, als er 2011 die Leitung des traditionsreichen "Templeton Growth Fund" übernahm. Seit 2012 überzeugt der Fonds die Investoren wieder. Der "Templeton Growth" profitierte dabei wie andere Aktienfonds vom Börsenaufschwung seit Mitte 2011.

Der Fonds ist das Aushängeschild der kalifornischen Franklin Templeton Investments und wurde von John Templeton vor 60 Jahren ins Leben gerufen. Mittlerweile verwaltet der Fonds etwa 18 Milliarden Dollar an Kundenvermögen.

Value-Anleger wie Boersma investieren in Unternehmen, die anhand von Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Kurs-Buchwert-Verhältnis im Vergleich zu ihrem Wert als unterbewertet erscheinen. Der "Templeton Growth" hatte vor allem in den Jahren 2000 bis 2002 eine sehr gute Zeit, und diese Periode stemmt noch heute die Langzeit-Performance-Zahlen des Fonds. Danach folgen wegen höherer Kassenhaltung und einigen Fehlgriffen bei Finanztiteln im Jahr 2008 mittelmässige Jahre, wie das Fondsanalysehaus Morningstar schreibt.

Trotz der Börsen-Hausse und der damit einhergehenden eingeschränkten Auswahl an unterbewerteten Aktien hat Boersma "keine grosse Mühe, gute Aktien zu finden", wie er im cash-Video-Interview am Rande der Morningstar Investment Konferenz von letzter Woche in Frankfurt sagte. Finanzaktien in den USA und in Europa seien weiterhin günstig bewertet, ebenso Titel aus dem Sektor Baumaterialien.

Frankreich in Europa am attraktivsten

Werte aus Europa generell seien nach wie vor attraktiv, findet Boersma. Das erklärt die Übergewichtung von rund 20 Prozent aus europäischen Werten in seinem Fonds. Besonders reizvoll ist für Boersma Frankreich. Einwände, wonach das Land das nächste Krisenkind in der Eurozone werden könnte, wischt der Fondsmanager vom Tisch. Da bestehe kein Risiko. Die französischen Unternehmen, in welche sein Fonds investiere, "sind alle global aufgestellt". Die Innenpolitik Frankreichs seien von den Investitionen nicht betroffen.

Für den 55-jährigen Boersma, ein Kanadier mit holländischen Wurzeln, müssen sich die Anlagen spätestens nach fünf Jahren auszahlen. Das heisst, dass Fondsmanager wie Boersma auch Geduld an den Tagen legen und Taucher bei der Wertpapierentwicklung erduldet werden müssen.

Seit der Übernahme der Fondsleitung durch Boersma taucht der Fonds wieder im ersten Drittel der Kategorie "Aktien weltweit Large Cap" auf - dies mit einer Rendite von annualisierten 10 Prozent in den letzten drei Jahren. Erfolgsfaktoren waren Aktien aus dem Gesundheitswesen, welche noch heute die Hälfte der Top-Ten-Positionen des Fonds belegen. Darunter sind Pfizer, Sanofi, Amgen oder Roche.

Roche und Microsoft

"Roche haben wir vor ein paar Jahren gekauft", erklärt Boersma. "Und ich würde jetzt nicht mehr behaupten, dass Roche spottbillig wäre". Der Genusschein von Roche hat sich seit August 2011 verdoppelt. Das aktuelle Ranking von Roche im Fonds, nämlich Position sechs (per Ende Oktober), lässt darauf schliessen, dass Boersma einige Roche-Titel verkauft hat, denn der Basler Pharmamulti rangierte bei den grössten Beteiligungen zu Jahresbeginn noch auf Platz zwei. 

Auch Novartis befand sich schon unter den Top Ten. Auf die Frage, ob Boersma von Roche nicht wieder auf den anderen Basler Pharma-Multi setzen sollte, sagte der Fondsmanager lächelnd: "Not at this moment".

Seit Jahren die grösste Position beim "Templeton Growth" ist Microsoft. Warum? "Das Unternehmen ist in den letzten Jahren gewachsen, die Aktie aber hat sich in den letzten 13 Jahren abgewertet. Das ist ungewöhnlich", so Boersma. Microsoft habe die freien Mittel auf eine Art investiert, die den Markt skeptisch machte. "Der neue CEO wird wohl fokussierter vorgehen", hofft Boersma.

Als Microsoft-Chef Steve Ballmer im August ankündigte, er werde seinen Posten innerhalb der nächsten zwölf Monate abgeben, sprang die Microsoft-Aktie um sieben Prozent nach oben. Dem Manager wurde vorgeworfen, wichtige Trends wie den Siegeszug der Smartphones und der Tablet-Computer verschlafen zu haben. Die Microsoft-Aktie ist seit der Ballmer-Ankündigung weiter kräftig gestiegen und weist mittlerweile einen Return von 50 Prozent für die letzten zwölf Monate aus. Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2014 ist 14.

Für die Entwicklung der Value-Aktien ist Boersma überaus zuversichtlich: "Wenn substanzstarke Titel, also die Value-Aktien, ins Laufen kommen und besser abschneiden als konjunktursensible Wachstumsaktien, hält dieser Trend über mehrere Jahre an. Wir sind jetzt gerade am Anfang dieser Entwicklung", sagte Boersma in einem Interview 

Sehen Sie das cash-Video-Interview mit Templeton-Fondsmanager Norman Boersma hier.

Das Gespräch mit Norman Boersma wurde am Rande der Morningstar Investment Konferenz von letzter Woche in Frankfurt geführt, an der Boersma als Redner auftrat.