UBS-CEO Sergio Ermotti hat eine ungewohnt deutliche Drohung ausgesprochen: Die Grossbank könnte ihren Hauptsitz ins Ausland verlegen. Damit verschärft Ermotti den Ton in der Debatte über die Pläne des Bundes. Die Schweiz will die Bank dazu verpflichten, zusätzliches Eigenkapital in Milliardenhöhe zu halten.

«Wir prüfen die langfristigen Konsequenzen für unsere Wettbewerbsfähigkeit von der Schweiz aus», sagte Ermotti am Mittwoch an einer Telefonkonferenz für Analysten. Die Kundinnen und Kunden «schätzen die Schweiz genauso wie wir – doch ein Schweizer Pass reicht heutzutage nicht mehr aus».

Ermotti traf am Montag Mitglieder des Nationalrats. Danach verschärfte er seine Wortwahl weiter. Er kritisierte einen Entscheid aus dem Vormonat, der die Hoffnungen der Bank dämpfte: Die UBS wollte die Regierungspläne für eine Kapitalerhöhung um 16 Milliarden Dollar abschwächen. Bislang hatte Ermotti eine direkte Drohung mit einem Wegzug vermieden. Die drohende Niederlage erhöht nun den Einsatz in der laufenden Debatte.

«Wir stehen wieder an einem kritischen Punkt. Hier werden die Weichen für die Schweizer Finanzbranche für die kommenden Jahrzehnte gestellt», sagte er. Gleichzeitig betonte er, dass keine dringenden Entscheide anstehen.

Seit dem Zusammenbruch der Credit Suisse vor mehr als drei Jahren sucht der Bundesrat nach Wegen, um die einzig verbliebene Schweizer Grossbank krisensicher zu machen. Ein zentraler Punkt der Reformpläne ist die Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen. Sie soll verhindern, dass ausländische Geschäfte der UBS die Schweizer Einheit mit in den Abgrund reissen. Die UBS argumentiert, dass diese Vorgaben ihre Wettbewerbsfähigkeit zerstören.

Ermotti zweifelt daran, dass der Status als Schweizer Bank für das Geschäftsmodell entscheidend ist – auch wenn das Land seit Jahrhunderten für Diskretion und Vermögensverwaltung steht.

«Eine Schweizer DNA zu haben und in der Schweiz verwurzelt zu sein, ist ein grosser Vorteil. Es ist aber nicht der Grund, warum unsere Kundinnen und Kunden bei uns Geschäfte tätigen.»

Der UBS droht in den kommenden Wochen weiterer politischer Gegenwind. Der Nationalrat übernimmt die Vorlage nun vom Ständerat. Die eher links ausgerichtete grosse Kammer dürfte den Anliegen der UBS noch skeptischer gegenüberstehen als die kleine Kammer.

«Das Ergebnis im Ständerat vom September ist sehr beunruhigend», sagte Ermotti. «Ebenso besorgniserregend ist, dass die Folgen für unsere Aktionäre ignoriert werden. Sie sind die erste Verteidigungslinie in Krisenzeiten. Ihre finanzielle Unterstützung während der Übernahme hat den Ruf und die Finanzstabilität der Schweiz geschützt.»

Am Montag sprach Ermotti zusammen mit UBS-Vizepräsident Markus Ronner vor der Wirtschaftskommission des Nationalrats. Das Treffen fand hinter verschlossenen Türen statt. Die Bank versucht weiterhin, die Parlamentarier von einer Entschärfung der Gesetze zu überzeugen.

Die Debatte um das Eigenkapital steuert auf eine Schlussabstimmung zu, möglicherweise bereits im Dezember. Der UBS läuft die Zeit davon, das Ruder noch herumzureissen. Ein Beschluss könnte sich aber auch bis ins nächste Jahr hinziehen.

Ermotti erinnerte die Anleger am Mittwoch daran, dass er Gewinne lieber an sie ausschüttet, anstatt regulatorische Forderungen zu bedienen. Unter Berücksichtigung der Dividenden habe die Bank wieder das Rentabilitätsniveau erreicht, das sie vor der Übernahme der Credit Suisse im Jahr 2023 hatte.

Die UBS schliesst ihr laufendes Aktienrückkaufprogramm über drei Milliarden Dollar Anfang nächsten Jahres ab. Im Februar will sie über weitere Rückkäufe informieren. Dann präsentiert sie auch die aktualisierten Ziele und die Strategie.

Zwei grosse Aktionäre haben den Verwaltungsrat bereits dazu gedrängt, einen Wegzug ins Ausland zu prüfen. Anfang Monat erklärte der US-Vermögensverwalter Artisan Partners, die Schweiz sei für den Bankenriesen kein attraktiver Standort mehr. Zuvor hatte sich bereits Cevian ähnlich geäussert.

(Bloomberg/cash)

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