So investieren Hedgefonds in Europa

Eine US-Investmentbank liefert interessante Einblicke in die Handelsaktivitäten der eigenen Anlagekundschaft und sagt, auf welche Aktien es Hedgefonds in Europa abgesehen haben.
21.05.2014 08:45
Von Lorenz Burkhalter
JP Morgan liefert überraschend tiefe Einblicke in die Handelstätigkeit von Hedgefonds.
JP Morgan liefert überraschend tiefe Einblicke in die Handelstätigkeit von Hedgefonds.
Bild: Bloomberg

Es kommt nicht oft vor, dass sich Banken in die Karten schauen lassen. Nach der Bank of America Merrill Lynch wartet nun auch JP Morgan mit tiefen Einblicken in die Handelsaktivitäten der eigenen Anlagekundschaft auf.

Interessant ist vor allem, was die Amerikaner vom Geschäft mit Wertpapierausleihungen von und an Hedgefonds zu berichten wissen. Grundsätzlich würden die Fonds wieder häufiger auf Kredit handeln, so ein Kommentar. Im Laufe des Aprils seien im grossen Stil Aktienkäufe zu beobachten gewesen, insbesondere in Deutschland, Spanien und Italien. Branchenseitig seien Aktien aus der Kommunikationsindustrie hoch in der Gunst gestanden. Im Gegenzug seien die Hedgefonds bei den Finanzwerten als Nettoverkäufer in Erscheinung getreten.

Gezielte Einzelwetten und Merger-Arbitrage

Von den im Stoxx-600-Index berücksichtigten Unternehmen seien die Aktien der niederländischen Gemalto mittlerweile jene mit den umfangreichsten Baisseengagements. Eingeschossen hätten sich die Fonds auch auf die britische Quindell. Wie JP Morgan schreibt, sei die Nachfrage bei Wertpapierausleihungen gewaltig und der Markt dafür nahezu ausgetrocknet.

Ähnliches gelte für die Titel der drei griechischen Grossbanken Alpha Bank, National Bank of Greece und Eurobank Ergasias. Bei allen drei Aktien seien Hedgefonds im April gezielt Wetten auf rückläufige Kurse eingegangen. Auch bei der portugiesischen Banca Espirito Santo sei es im Hinblick auf eine mögliche Kapitalerhöhung zu Spekulationen gekommen.

Im Gegenzug hätten die Fusionsabsichten zwischen Metso und der Weir Group bei beiden Titeln Eindeckungstransaktionen nach sich gezogen. Kunden aus dem Lager der Hedgefonds würden zudem bei den geplanten Zusammenschlüssen von Vivendi und Bouygues, AMEC und Foster Wheeler, Publicis und Omnicom sowie Liberty Global und Ziggo mitmischen. Bei JP Morgan vermutet man sogenannte Merger-Arbitrage dahinter.

Für gewöhnlich sind umfangreiche Baissespekulationen ein guter Gegenindikator, müssen Hedgefonds entsprechende Engagements doch früher oder später wieder eindecken, was für Kaufinteresse sorgt.