Sony übertraf im zweiten Quartal alle Erwartungen ‌und hob ⁠seine Prognose für das Gesamtjahr kräftig an. Nintendo hingegen enttäuschte die Anleger mit einem Gewinneinbruch. Die gegensätzlichen ⁠Ergebnisse zeigen, wie unterschiedlich die beiden Gaming-Giganten mit den Herausforderungen der Branche umgehen, allen voran dem durch den KI-Boom ausgelösten Mangel an ‌Speicherchips.

Gute Geschäfte mit Videospielen und Filmen bescherten Sony ein glänzendes Quartal. Der ‌Betriebsgewinn kletterte um 45 Prozent auf 622,3 Milliarden Yen (rund ​3,51 Milliarden Euro), wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Massgeblich habe dazu der Kino-Hit «Spider-Man: Brand New Day» beigetragen. Beflügelt von dem Erfolg hob Sony seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr um neun Prozent an. Weitere Fantasie für das Spielegeschäft liefert der mit Spannung erwartete Start von «Grand Theft Auto VI» am 19. November, der die ‌Verkäufe der PlayStation 5 weiter antreiben dürfte.

Doch über der Party-Stimmung liegt ein Schatten: Wie die gesamte Branche kämpft auch Sony mit höheren Preisen für Speicherchips. So habe der Konzern im abgelaufenen Quartal zwar 2,6 Millionen Einheiten ​der PlayStation 5 verkauft, doch das waren deutlich weniger als die vier Millionen ​im Vorjahreszeitraum. Angesichts der Herausforderungen bei der Hardware sei es umso wichtiger, ​die Nutzer bei der Stange zu halten, erklärte Finanzchef Lin Tao.

Nintendo muss kämpfen

Deutlich trüber sieht die Lage bei Nintendo aus. ‌Das in Kyoto ansässige Unternehmen teilte mit, der operative Gewinn sei im abgelaufenen Quartal um 16 Prozent auf 73,9 Milliarden Yen gesunken – ein Wert, der unter den Schätzungen von Analysten liegt. Auch der Umsatz sei gefallen. ​Präsident Shuntaro ​Furukawa erklärte, dass sich die Situation bei den Speicherbausteinen nicht ⁠wesentlich verändert habe, Nintendo jedoch in der Lage sei, sich ​ausreichende Mengen zu sichern. Furukawa ⁠betonte zudem, dass das Unternehmen – nachdem es bereits Anfang des Jahres eine Preiserhöhung vorgenommen hatte – derzeit keine weiteren ‌Anpassungen in Erwägung ziehe.

Nintendo fehlen derzeit die grossen Blockbuster-Titel für seine neue Konsole Switch 2. Zwar ist mit «The Legend of Zelda: Ocarina of Time» gerade ein vielversprechendes Spiel erschienen. Branchenkenner ‌wie Serkan Toto von Kantan Games gehen jedoch davon aus, dass sich Nintendo ​die ganz grossen Knaller-Titel für das nächste Geschäftsjahr aufhebt. Nintendo hält an seiner Gewinnprognose für das Gesamtjahr sowie an seinem Absatzziel von 16,5 Millionen Einheiten der „Switch 2“ fest.

(Reuters)