Anleger bleiben nach ‌dem Ausverkauf ⁠an den Anleihemärkten jedoch nervös: Ihre Sorgen über die Inflation und die explodierende Staatsverschuldung halten die Renditen nahe ihren Höchstständen seit Jahrzehnten. Experten sehen einen kurzfristigen Effekt der US-Intervention, ⁠der allerdings schnell verpuffen dürfte.

Die Regierung in Washington will die Rückkäufe von langlaufenden Anleihen auf mindestens vier Milliarden Dollar pro Transaktion verdoppeln, wie sie am Mittwoch mitteilte. Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe fiel daraufhin um ‌neun Basispunkte auf 5,19 Prozent und lag am Donnerstag bei 5,198 Prozent. Die zehnjährigen Titel traten bei 4,655 Prozent auf ‌der Stelle. Die Rendite der richtungsweisenden US-Staatsanleihe war auf den höchsten Stand seit 2007 ​gestiegen, bevor sie nach der Ankündigung der US-Behörden abtauchte.

Zwar ist der Betrag der nun angekündigten Rückkäufe in einem Markt mit einem Volumen von 32,2 Billionen Dollar vergleichsweise gering. Die Ankündigung habe aber sofort für etwas Entspannung bei den Zinsen gesorgt, schreiben die Analysten von JP Morgan in einer Mitteilung. Die Signalwirkung sei grösser als die eigentliche Geldsumme, sagt Kapitalmarktexperte Jürgen Molnar von Robomarkets. «Der Markt bekommt die Botschaft: Wir sehen, was am langen Ende passiert – und wir sind bereit zu handeln.»

Experten gingen ‌jedoch davon aus, dass die stützende Wirkung nur vorübergehend sein wird. Die Massnahmen des Finanzministeriums würden nichts zur Bewältigung der grundlegenden strukturellen Herausforderungen beitragen, stellen die Analysten von JP Morgan fest. «Die längerfristige Folge könnten höhere Risikoprämien sein, was darauf hindeutet, dass das Finanzministerium in den Markt eingreift und sich von seinem Grundsatz der Regelmässigkeit und Vorhersehbarkeit entfernt.» Je mehr die ​Behörde interveniere, desto mehr Verkäufe institutioneller Investoren werde sie auslösen, sagt Cusson Leung, Chief Investment Officer bei KGI.

«Letztendlich wissen wir, dass das ​Finanzministerium selbst Schulden auf dem Anleihemarkt aufnehmen muss. Dass es jetzt Rückkäufe tätigt, ist so, als würde ​ein Unternehmen zunächst eigene Aktien zurückkaufen und anschliessend weitere Aktien platzieren.»

Langfristige Kreditkosten sind an den Börsen viel beachtet

Die langfristigen Kreditkosten weltweit haben den höchsten Stand seit Jahrzehnten erreicht - als ein Auslöser gilt unter anderem die Sorge ‌vor einer Eskalation des Konflikts im Nahen Osten. Anleger befürchten, dass ein längerer Iran-Krieg die Energiepreise und damit die Inflation hochhalten könnte. Dies könnte etwa die Notenbanken zu weiteren Zinserhöhungen zwingen, um die Teuerung zu bekämpfen.

Langfristige Kreditkosten sind an den Börsen viel beachtet, weil sie als Richtwert für die Preisgestaltung von Unternehmensanleihen über Aktien bis hin zu Immobilien dienen. Die deutschen ​Renditen der ​zehn- und 30-jährigen Papiere erreichten am Mittwoch ein 15-Jahres-Hoch, bevor sie aufgrund der Nachricht über ⁠den Rückkauf von US-Staatsanleihen wieder nachgaben. Höhere Renditen sind auch für die Regierungen eine schlechte Nachricht, da ​sie die Aufnahme neuer Schulden verteuern und ⁠den Spielraum für andere Ausgaben wie Investitionen oder Sozialleistungen einschränken.

Die Regierungen weltweit häufen jedoch Rekordschulden an, um die steigenden Sozial- und Verteidigungsausgaben zu finanzieren. Die US-Staatsverschuldung ist mittlerweile ‌auf über 40 Billionen Dollar angestiegen und hat sich seit 2017, als Donald Trump erstmals als US-Präsident vereidigt wurde, mehr als verdoppelt. Grund dafür sind die Kredite, die zur Finanzierung teurer Massnahmen gegen die Pandemie und eines seit Langem bestehenden Ungleichgewichts zwischen Staatseinnahmen und -ausgaben aufgenommen wurden.

Analysten sagen, dass diese ‌strukturellen Probleme den Markt weiterhin belasten und die langfristigen Kreditkosten in die Höhe treiben würden. «Was mich beunruhigt, ist, dass ich den ​Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen nicht als Folge irrationaler Marktbedingungen betrachte oder glaube, dass sie dadurch verschärft werden», sagt Eric Robertsen, Chefstratege bei Standard Chartered.

«Daher können wir nur den Schluss ziehen, dass die Renditen ein Niveau erreicht haben, das ihnen nicht gefällt, und ich denke, das deutet auf die Bereitschaft hin, Angebot und Nachfrage steuern zu wollen oder in den Markt einzugreifen.»

(Reuters)