S&P 500 - Händler sehen Ausverkauf bei US-Aktien in den nächsten drei Monaten

Trader der Deutschen Bank sehen schwarz für die kurzfristige Entwicklung des S&P 500. Das sind die Gründe für einen möglichen «Sell-Off».
11.07.2018 11:38
Von Daniel Hügli
Bekommen Trader an der Wall Street in den nächsten Monaten den «Verleider»?
Bekommen Trader an der Wall Street in den nächsten Monaten den «Verleider»?
Bild: Bloomberg

Die Warnungen von Analysten und Marktteilnehmern vor einem drohenden Rückgang der Börsen werden immer lauter. Nun sind auch Handelsprofis der Deutschen Bank negativ geworden bezüglich der Entwicklung von US-Aktien.

"Wir glauben, dass der S&P 500 einen erheblichen Ausverkauf innerhalb der nächsten null bis drei Monate erleiden wird". Diese Einschätzung ist einer Präsentation des "Equities High Touch Trading Desk" mit Datum 09.07.2018 zu entnehmen, die cash.ch vorliegt. Ein Einbruch an der US-Börse käme natürlich nicht überraschend. Der Index, der die Aktien der 500 grössten börsenkotierten Unternehmen umfasst, hat seit Anfang März 2009 rund 300 Prozent zugelegt, der Aufwärtszyklus bei Aktien dauert schon überdurchschnittlich lange.

Entwicklung des S&P 500 seit Anfang 2008 (Quelle: cash.ch).

Die Handelsprofis der Deutschen Bank nennen im Wesentlichen sieben Gründe für ihre vorsichtige und pessimistische Einschätzung für die Aktienmarktentwicklung. In vielen Punkten ist der von den USA angezettelte Handelsstreit Grund für die möglichen Börsenturbulenzen.

  • Die zugrundeliegenden Markttrends deuten auf ein Abschwächen der Konjunktur hin. Signale sind etwa: Der jüngste, deutliche Rückgang des Kupferpreises, der in den letzten Jahren immer mit dem S&P korreliert hatte. Die Aktien von Transportunternehmen - ein Indikator für den Gesundheitszustand der Konjunktur - sind im Juni stark gefallen. Die Aktie des US-Hypothekenvermittlers Lendingtree ist in diesem Jahr 40 Prozent abgestürzt, weil die Firma das Umfeld für Hypotheken als "sehr herausfordernd" bezeichnet hatte. Das sind schlechte Signale für Häuserpreise, und die Trends am Immobilienmarkt könnten sich auch auf die Konsumentenstimmung auswirken.
  • Die US-Wirtschaft wird sich wegen des Handelskrieges mit China und Europa merklich abschwächen.
  • Inflation und Wachstum werden nicht mehr im Gleichschritt anziehen. Nur noch die Inflation wird steigen.
  • Die Halbjahreszahlen der Unternehmen werden negative Auswirkungen auf die Börsen haben. Grund vor allem: Die höheren Kosten für Unternehmen wegen steigender Inflation und wegen Zöllen. 
  • Die Kommentare der Unternehmen beim jüngsten ISM-Index, also dem Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor, in den USA (die Juni-Zahlen waren eigentlich positiv) konzentrieren sich nicht mehr auf die robuste Nachfrage, sondern auf den Anstieg der Kosteninflation, auf den Mangel von Arbeitskräften und auf die bereits spürbaren Auswirkungen des Handelskrieges.
  • Die US-Notenbank wird die Zügel ihrer Geldpolitik weiter straffen und dabei ihre Bilanz reduzieren (was dem Markt Liquidität entzieht).
  • Die Bewertung des S&P 500 wird aufgrund der Wachstumsbedenken nicht mehr steigen, weil Marktteilnehmer wohl selbst positive Unternehmensergebnisse als vergänglich einschätzen werden.

Ein Absturz des S&P 500 würde natürlich ein Börsenbeben weltweit bewirken. Allerdings sieht es derzeit alles andere als nach Absturz aus. Nach durchzogenen vier Monaten hat der S&P 500 seit Ende Juni wieder deutlich Aufwärtstendenz.