Der Raumfahrtkonzern des Milliardärs Elon Musk will die Mobilfunktochter Boost des Satellitenbetreibers EchoStar übernehmen oder deren Funknetz nutzen, schrieb die «Washington Post» am Montag unter Berufung auf Insider. Musk habe dazu im vergangenen Monat persönliche Gespräche mit dem EchoStar-Verwaltungsratsvorsitzenden Charlie Ergen geführt. Keines der beiden Unternehmen war zunächst für eine Stellungnahme zu erreichen.
SpaceX und die Tochterfirma Starlink wollen satellitengestützte Sprach- und Datenverbindungen über handelsübliche Smartphones anbieten. Hierfür erwarb der Konzern in den vergangenen Monaten zahlreiche US-Mobilfunkfrequenzen, unter anderem von EchoStar. Bei einer Übernahme von Boost Mobile erhielte SpaceX eine Vertriebsplattform und 7,4 Millionen Kunden. Allerdings müsste EchoStar für die Transaktion mutmasslich die Zustimmung der Telekomkonzerne AT&T und T-Mobile einholen. Die beiden Unternehmen haben Netznutzungsvereinbarungen geschlossen, die bei einem Verkauf von Boost wohl automatisch enden würden.
Satellitentelefonie über handelsübliche Smartphones gewinnt weltweit an Bedeutung. Bislang werden für Gespräche und Datenübertragungen in unwegsamem Gelände oder in Katastrophengebieten meist spezielle Geräte genutzt, deren Antennen jedoch freie Sicht zum Himmel benötigen. Die Europäische Union (EU) hat einen Grossteil der im kommenden Jahr zur Neuvergabe anstehenden Lizenzen für heimische Anbieter reserviert. Um diese Frequenzen will sich die Deutsche Telekom gemeinsam mit Telefonica aus Spanien, Vodafone aus Grossbritannien und Orange aus Frankreich bewerben.
Die Aktien von AT&T, T-Mobile und Verizon gaben als Reaktion auf den Zeitungsbericht über eine mögliche Übernahme von Boost Mobile im vorbörslichen Handel an der Wall Street jeweils um knapp zwei Prozent nach. Die Titel der T-Mobile-Mutter Deutsche Telekom büssten 2,5 Prozent ein.
(Reuters)

