«Sparer suchen optimale Konditionen»

Erst der Hypomat, jetzt der Kontomat: Im cash-Interview erklärt CEO Hanspeter Rhyner, wieso die Glarner Kantonalbank mit Online-Angeboten schweizweit auf Kundenfang geht. Und er nimmt Stellung zu den IPO-Gerüchten.
17.03.2014 01:00
Interview: Pascal Meisser, Glarus
Hanspeter Rhyner, CEO der Glarner Kantonalbank, im cash-Video-Interview.
Bild: cash

cash: Herr Rhyner, die Glarner Kantonalbank wirbelt mit ihren Online-Angeboten die Banken-Szene auf: Erst lancierten Sie die Hypothekarplattform hypomat.ch, seit sechs Wochen ist auch die Sparkonto-Plattform kontomat.ch am Markt. Eine erste Bilanz?

Hanspeter Rhyner: Der Start ist geglückt und aus unserer Sicht erfolgreich verlaufen. Auch dieses neue Tool findet bei den potenziellen Kunden Anklang. Mehr lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Schweizerinnen und Schweizer gelten bei Bankverbindungen aber nicht gerade als wechselwillig?

Wenn es um den Zahlungsverkehr geht, gebe ich Ihnen Recht. Bei Sparkonten hingegen folgt das Geld der Rendite, gerade in diesem Tiefzinsumfeld. Die Sparerinnen und Sparer suchen nach optimalen Konditionen. Unser Vorteil ist die kleine Grösse. Wenn nur schon ein kleiner Prozentsatz aus der Schweiz bereit ist, zu den Online-Produkten der Glarner Kantonalbank zu wechseln, ist das für uns bereits ein Erfolg.

Und wieso soll bitte ausgerechnet die Glarner Kantonalbank diese optimalen Konditionen bieten?

Unsere standardisierten Prozesse, die in die Online-Tools einfliessen, erlauben eine kostengünstige Verarbeitung – und das macht uns effizient. Diesen Vorteil geben wir an unsere Kunden weiter. Diese können beispielsweise beim online Sparkonto über die Kündigungsfrist und die Laufzeiten allfälliger Festtranchen den Zins in einer Spannbreite von 0,5 bis 1,5 Prozent massgeblich beeinflussen.

Bauen Sie das Online-Geschäft weiter aus?

Ja, der Hypomat und der Kontomat waren erst der Anfang. Unser Team ist bereits mit konkreten Projekten beschäftigt.

Was folgt als Nächstes?

Dazu kann ich mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äussern.

Sind Sie also auf dem Sprung zu einer Online-Bank?

Die Bezeichnung Online-Bank trifft es nicht ganz. Ich bevorzuge den Ausdruck Bank mit umfangreichem Online-Angebot. Unser Bekenntnis zur Digitalisierung zeigen wir bereits im Organigramm. Wir sind derzeit die einzige Schweizer Bank, die einen eigenen Bereich Online-Vertrieb und –Abwicklung hat.

Mit diesen Online-Angeboten überschreitet nun auch die Glarner Kantonalbank die eigenen Kantonsgrenzen, die Risiken tragen aber die kantonseigenen Steuerzahler. Ist das vertretbar?

Diese Frage haben wir uns selber auch gestellt. Auf der anderen Seite stehen Kantonalbanken vor dem Dilemma, dass sie einerseits einen klar definierten Leistungsauftrag im Heimkanton haben, andererseits aber dem Wettbewerb ausgesetzt sind. Deshalb legen wir grossen Wert darauf, dass wir nur bei den besten Risiken wachsen, das heisst bei Finanzierungen, die man mit den wenigsten Eigenmitteln unterlegen muss.

Was heisst das für die Zukunft der Kantonalbanken?

Ich gehe davon aus, dass diese ihre Aktivitäten je länger je mehr gesamtschweizerisch anbieten werden. Die Digitalisierung im Bankenbereich schreitet fort, und durch das Internet werden die Kantonsgrenzen immer weiter aufgeweicht. Gerade die Entwicklungen im Netz werden den einen oder anderen Mitbewerber anlocken. Der Online-Markt wächst weiter, und immer mehr Leute werden bereit sein, ihre Bankgeschäfte über diesen Kanal abzuwickeln.

Mit dem Hypomat haben Sie in den letzten 15 Monaten das Hypothekarwachstum bei der Glarner Kantonalbank deutlich angetrieben – in einer Zeit, in der die Schweizerische Nationalbank immer wieder vor einer Immobilienblase warnt.

Unser Hypomat fokussiert auf die Ablösungen von bereits bestehenden Hypotheken. Der Gesamtbestand an Hypotheken beläuft sich in der Schweiz auf über 800 Milliarden Franken. Oder anders gesagt: Pro Jahr werden deutlich mehr Hypotheken abgelöst als neue Kredite angefragt.

Sie setzen aber auch auf Neuhypotheken?

Ja, wir bieten aber online nur erstrangige Hypotheken ausschliesslich in der Deutschschweiz bis zu maximal einer Million Franken an. Luxusobjekte an exponierten Lagen fallen so schon mal weg. Die Glarner Kantonalbank hat zudem auch schon immer zehn Prozent hartes Eigenkapital verlangt. So schützen wir uns vor zu grossen Risiken.

Eine Vorreiterin ist die Glarner Kantonalbank in Lohnfragen. Auf dieses Jahr wurde die maximale Spanne von 1 zu 15 auf 1 zu 10 gesenkt, Ihr maximales Salär von 640'000 auf 480'000 Franken gedrückt. Fühlen Sie sich als Vorbild in der Manager-Szene?

Nein, in meinem Fall ist der Lohn wichtig, aber nicht das allein entscheidende Kriterium. In mir fliesst Glarner Blut und schlägt ein Glarner Herz. Das gesamte Lohnsystem stimmt für uns, was aber nicht heisst, dass dies auf alle Unternehmen zutrifft. Es stellt sich schon die Frage, ob mit einer Lohndeckelung das Potenzial an geeigneten Chef-Kandidaten nicht zu stark eingeschränkt wird.

Die Glarner Kantonalbank ist im Gegensatz zu elf anderen Kantonalbanken nicht börsenkotiert. In den letzten Wochen sind in der Finanzpresse Spekulationen über ein baldiges IPO verbreitet worden. Wie weit sind die Vorbereitungen schon fortgeschritten?

2008 hat der Kanton innerhalb der Eignerstrategie entsprechende Voraussetzungen geschaffen. Deshalb ist die Bank 2010 in eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft umgewandelt worden. Da liegt es auf der Hand, dass Journalisten immer wieder mal auf die Idee kommen, die Rechtsformen der Kantonalbanken nachzuschlagen und zu schauen, welche als Aktiengesellschaft geführten Banken noch nicht an der Börse kotiert sind.

Ist ein Börsengang derzeit kein Thema?

Von den Medien gestreute Gerüchte kommentieren wir nicht.

Im cash-Video-Interview sagt Rhyner zudem, wieso die Glarner Kantonalbank Nischenmärkte sucht, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.