Specialty Ingredients - Spartenchef verlässt Lonza im denkbar ungünstigsten Moment

Inmitten des Abspaltungsprozesses der Sorgensparte Specialty Ingredients kündigt deren Leiter bei Lonza. Der Pharmazulieferer selber versucht die Sache herunterzuspielen. Noch reagiert die Börse ziemlich entspannt.
30.06.2020 10:42
Von Lorenz Burkhalter
Internationaler Konzern: Lonza-Forschung in Geerlen in den Niederlanden.
Internationaler Konzern: Lonza-Forschung in Geerlen in den Niederlanden.
Bild: ZVG

Sven Abend verlässt Lonza Knall auf Fall. Damit verliert der Basler Pharmazulieferer nicht nur den langjährigen Leiter der Sparte Specialty Ingredients, kurz LSI, sondern auch seinen Chief Operating Officer. Und das im denkbar ungünstigsten Moment.

Denn Lonza befindet sich inmitten eines Abspaltungsprozesses von LSI, mit dem Ziel, dieses entweder zu verkaufen, mit ähnlich gelagerten Aktivitäten eines Rivalen zu verschmelzen oder als eigenständiges Unternehmen an die Börse zu bringen. Das Unternehmen betont in der Medienmitteilung denn auch, dass die Sparte gut unterwegs sei und der Abspaltungsprozess schon bald abgeschlossen sei.

Und tatsächlich entfaltet diese Beruhigungspille die erhoffte Wirkung. Die Lonza-Aktie notiert bei 498 Franken und damit um 0,2 Prozent über dem Schlussstand vom Vortag.

Verzögert sich die Abspaltung?

Der Rücktritt des LSI-Spartenchefs sei zwar nicht der Weltuntergang, wohl aber ein empfindlicher Rückschlag für Lonza. Dass der Öffentlichkeit noch kein Nachfolger präsentiert werden könne, deute darauf hin, dass Sven Abend das Unternehmen überraschend verlasse. So verlautet zumindest aus den Handelsräumen hiesiger Banken.

Neben der Hoffnung auf Mehrumsätze aus der Zusammenarbeit mit dem US-Impfstoffhersteller Moderna auf dem Gebiet von Covid19 erwies sich in den letzten Wochen auch die Hoffnung auf einen baldigen Verkauf des Sorgenkinds LSI als treibende Kraft hinter dem Höhenflug der Lonza-Aktie. Nun werden Befürchtungen laut, wonach sich die Abspaltung und der Verkauf des Geschäftsbereichs verzögern könnten.

Dem widerspricht die Bank Vontobel in einer ersten Stellungnahme. Ihres Erachtens könnte Lonza schon im Laufe der zweiten Jahreshälfte eine Abspaltung bei gleichzeitiger Konzentration auf das Pharmazuliefergeschäft bekanntgeben. Die Zürcher Bank rät mit einem Kursziel von 550 Franken zum Kauf der Aktie.

Starke Kursentwicklung der letzten Monate macht die Aktie anfällig

Mit Sven Abend verliere Lonza einen erfahrenen Manager, titelt die Zürcher Kantonalbank. Für sie kommt dessen Abgang zu einem eher ungeeigneten Zeitpunkt, obwohl der operative Geschäftstang gut sein dürfte. Die Zürcher Kantonalbank sieht deshalb keinen Grund, vom "Marktgewichten" lautenden Anlageurteil abzukehren.

Mit einem Kursplus von gut 40 Prozent seit Jahresbeginn führt die Aktie die diesjährige Gewinnerliste aus dem Swiss Market Index (SMI) unangefochten an. Beobachtern zufolge macht dieser Höhenflug die Lonza-Aktie verletzlich für Negativschlagzeilen wie eben den überraschenden Rücktritt von Sven Abend.