SPI-Schlusslicht - Aryzta: Angst vor einer Kapitalerhöhung nimmt zu

Aryzta findet keinen Käufer für seinen Picard-Anteil. Zudem bringen gestiegene Weizenpreise den hochverschuldeten Backwarenhersteller an seine Grenzen. Eine Kapitalerhöhung scheint unumgänglich.
06.08.2018 15:22
Von Lorenz Burkhalter
Logo auf der Rückseite eines Lieferlastwagens von Aryzta in Luzern.
Logo auf der Rückseite eines Lieferlastwagens von Aryzta in Luzern.
Bild: cash

Die Negativschlagzeilen um Aryzta reissen nicht ab: Wie die "Finanz & Wirtschaft" in Erfahrung gebracht haben will, hat es der hochverschuldete Backwarenhersteller nicht geschafft, den Anteil an Picard zu Geld zu machen. Ursprünglich sollte die Beteiligung bis Ende Juli für mindestens 450 Millionen Euro veräussert werden.

Die Frage ist nun, ob Aryzta die mit den kreditgebenden Banken vereinbarten Vertragsvereinbarungen noch erfüllen kann. Denn die sogenannten Convenants sehen vor, dass das Verhältnis zwischen der Nettoverschuldung und dem operativen Gewinn (EBITDA) den Wert von 4 nicht übersteigen darf.

Aryzta das Schlusslicht an der Schweizer Börse SIX

Die Nervosität unter den Anlegern ist jedenfalls gross, wie ein Blick auf die Kursentwicklung verrät. 

Nachdem die Aryzta-Aktie bereits am Freitag um gut 6 Prozent nachgegeben hat, verliert sie zu Wochenbeginn an der Schweizer Börse SIX weiter an Terrain. Nach Tagestiefstkursen bei 10 Franken beträgt das Minus zur Stunde noch 10,9 Prozent auf 11,06 Franken. Die Handelsaktivitäten entsprechen einem Vielfachen des durchschnittlichen Tagesvolumens.

Kursentwicklung der Aryzta-Aktie in den letzten 12 Monaten (Quelle: www.cash.ch)

Dennoch bildet Aryzta seit Jahresbeginn mit einem Minus von 73 Prozent das Schlusslicht unter den im Swiss Performance Index (SPI) berücksichtigten Unternehmen.

Neben dem gescheiterten Versuch, sich innerhalb der erhofften Frist von der Picard-Beteiligung zu trennen, erweisen sich auch die gestiegenen Weizenpreise immer mehr als eine Herausforderung.

Am vergangenen Donnerstag warnte die Credit Suisse (CS) als erste vor den Folgen der höheren Weizenpreise. Dem für die Grossbank tätigen Analysten zufolge ist dieser Rohstoff bei Aryzta für fast 30 Prozent der Produktionskosten verantwortlich.

Analysten kürzen erneut ihre Gewinnprognosen

Alleine in den vergangenen drei Monaten sind die Weizenpreise in Europa und rund 25 Prozent gestiegen. Schuld sind zu trockene und zu warme Witterungsbedingungen.

Aus Sicht des CS-Analysten wird es dem Backwarenhersteller nicht gelingen, die dadurch höheren Produktionskosten über Preiserhöhungen an die Abnehmer weiterzugeben. Zu intensiv ist der Wettbewerb zur Zeit.

Die CS stuft die Aryzta-Aktie mit "Underperform" ein, was einer Verkaufsempfehlung gleichkommt. Das Kursziel lautet 12 Franken.

Auch die Berenberg Bank warnt in einem Kommentar vor der Gefahr steigender Produktionskosten. Der Autor kürzt seine zukünftigen Gewinnschätzungen um durchschnittlich 20 Prozent. Dadurch fällt das Kursziel für die mit Hold eingestufte Aryzta-Aktie auf 13 (zuvor 17,50) Franken.

Leerverkäufer wetten auf tiefere Aktienkurse

Der Analyst hält eine Kapitalerhöhung für wahrscheinlicher als bisher. Das Unternehmen sei auf neues Kapital angewiesen, sollen die notwendigen Restrukturierungen von Erfolg gekrönt sein, so schreibt er.

Freuen dürfte der jüngste Kurszerfall die Leerverkäufer. Gemäss Erhebungen der Beratungsfirma Markit setzen sie mit mehr als 20 Prozent sämtlicher ausstehender Aktien auf rückläufige Kurse.