Starke Quartalszahlen - Wird Alcon den Ruf des «ewigen Sorgenkinds» nun endlich los?

Alcon schlägt sich in den ersten drei Monaten deutlich besser als erwartet. Die ehemalige Novartis-Tochter übertrifft selbst die höchsten Erwartungen. Das kommt an der Börse offensichtlich sehr gut an.
13.05.2020 11:51
Von Lorenz Burkhalter
Die Novartis-Tochter Alcon soll abgespalten und an den Börsen in der Schweiz und New York kotiert werden.
Die Novartis-Tochter Alcon soll abgespalten und an den Börsen in der Schweiz und New York kotiert werden.
Bild: Bloomberg

Unter dem Dach des ehemaligen Mutterhauses Novartis galt Alcon als ein Sorgenkind. Und selbst als die in der Augenheilkunde tätige Tochter vor etwas mehr als einem Jahr als eigenständiges Unternehmen in die Unabhängigkeit entlassen wurde, haftete ihr dieser Ruf noch nach.

Doch damit könnte nun Schluss sein. Denn Alcon schneidet im zurückliegenden ersten Quartal deutlich besser ab, als Analysten erwartet hatten. Allen Unkenrufen zum Trotz konnte die ehemalige Novartis-Tochter den Umsatz im Jahresvergleich sogar steigern. Nicht nur beim Umsatz, auch beim operativen Kerngewinn (EBIT) übertrifft sie trotz negativen Folgen der Coronavirus-Pandemie selbst die höchsten Schätzungen.

Zur Stunde gewinnt die Alcon-Aktie in einem schwachen Gesamtmarkt 9 Prozent auf 57,66 Franken.

Zweites Quartal könnte ebenfalls positiv überraschen

Wie die UBS vorrechnet, liegt der gemeldete Quartalsumsatz um 5 Prozent über den Markterwartungen, der bereinigte Reingewinn sogar um mehr als 25 Prozent. Die Grossbank erklärt sich das starke Abschneiden nicht zuletzt mit dem gelungenen Verkaufsstart des Implantats PanOptix. Sie fühlt sich davon sowohl in ihrer Kaufempfehlung als auch im 60 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel bestätigt.

Auch Goldman Sachs ist voller Lobes, warnt jedoch vor einem pandemiebedingt schwachen zweiten Quartal. Alcon selber deutet denn auch an, dass der Umsatz im April um 50 Prozent rückläufig war. Wie Goldman Sachs ergänzt, dürfte die Talsohle damit nun aber durchschritten sein. Die US-Investmentbank ging für das zweite Quartal bisweilen von einem Umsatzeinbruch von 53 Prozent aus und erachtet diese Prognose nun als zu pessimistisch. Die Alcon-Aktie wird bei Goldman Sachs wie bis anhin mit einem 12-Monats-Kursziel von 62 Franken zum Kauf empfohlen.

Die Credit Suisse wertet das starke Abschneiden im ersten Quartal als Zeichen dafür, dass die in den letzten Jahren eingeleiteten Massnahmen und Wachstumsinitiativen endlich ihre Wirkung entfalten. Die Grossbank rechnet zukünftig nicht nur mit einer Wachstumsbeschleunigung, sondern auch mit höheren Margen. Sie rät mit einem Kursziel von 63 Dollar zum Kauf der Aktie.

Missverstandene Titelkäufe

Als eher durchwachsen bezeichnet Jefferies den Zahlenkranz für die ersten drei Monate. Nach einem schwachen zweiten Quartal geht die US-Investmentbank im weiteren Jahresverlauf von einer graduellen Belebung des Tagesgeschäfts aus. Jefferies erhofft sich von der Analystenkonferenz am Mittwochnachmittag wichtige Erkenntnisse zur Geschäftsentwicklung in der zweiten Jahreshälfte. Die US-Investmentbank stuft die Alcon-Aktie mit "Buy" und einem Kursziel von 58 Dollar ein.

In den letzten Tagen sorgten der Schweizer Börse gemeldete Titelkäufe aus der Geschäftsleitung bei Alcon für höhere Kurse. Bei genauerem Hinschauen handelt es sich bei diesen Transaktionen allerdings um Aktienzuteilungen im Zusammenhang mit dem Mitarbeiterbeteiligungsprogramm und nicht um Titelkäufe im eigentlichen Sinne. Dadurch verlieren diese Transaktionen an Symbolkraft.