Steuerbetrug - «Du hast Krieg gewählt»: Hedgefonds-Gründer in Cum-Ex-Fall

Im Zuge der gerichtlichen Aufarbeitung des Cum-Ex-Steuerskandals ist es unter den Gründern eines Londoner Hedgefonds zu einem erbitterten Zerwürfnis gekommen.
31.07.2021 18:58
Blick auf das Londoner Finanzviertel.
Blick auf das Londoner Finanzviertel.
Bild: Pixabay

Der CEO der Duet Group, Henry Gabay, wurde diese Woche von einem Londoner Gericht dazu verdonnert, seinem langjährigen Weggefährten Alain Schibl 2,5 Millionen Dollar zu zahlen, um ausstehende Schulden aus einem Schiedsverfahren zu decken. Bei dem Gerichtstermin tauschten die beiden, die den Hedgefonds 2002 gemeinsam gegründet hatten, Beleidigungen und Anschuldigungen aus und brachten ihren Krach damit in die Öffentlichkeit.

Gegen die Männer wird wegen des Verdachts ermittelt, an einem der grössten Steuerhinterziehungsfälle der europäischen Geschichte beteiligt gewesen zu sein. Beide bestreiten jegliches Fehlverhalten, keiner von ihnen ist verurteilt. In Deutschland entschied der Bundesgerichtshof am Mittwoch, dass die Cum-Ex-Geschäfte kriminell und ein „blanker“ Griff in die Staatskasse waren.

Nachdem Gabay herausfand, was Schibl der deutschen Staatsanwaltschaft über ihn erzählt hatte, schickte er an ihn und einen anderen ehemaligen Duet-Partner eine wütende E-Mail.

„In meinen Augen seid ihr beiden gestorben“, schrieb Gabay in der E-Mail vom Dezember 2020, die in einem von Schibls Anwälten eingereichten Gerichtsdokument zitiert wird. „Jetzt seid ihr beide meine Feinde, ihr habt den Krieg gewählt, ihr habt Lügen gewählt, nur um euch damit besser zu fühlen, wir werden sehen, wer diesen Krieg gewinnt.“

Gabay bezichtigte Schibl, die deutsche Staatsanwaltschaft über seine Beteiligung an dem Fonds, der sich im Cum-Ex-Bereich engagierte, sowie der angeblichen Verweigerung einer Zusammenarbeit durch die Goldman Sachs Group Inc., angelogen zu haben. Schibl bestreitet den Vorwurf.

Schibl sagte den deutschen Behörden, dass er 2002 Gespräche mit Goldman Sachs geführt habe, um diese als Prime Broker zu engagieren. Die Investmentbank habe sich geweigert, mit Gabay zusammenzuarbeiten, weil dieser “einen Fonds an die Wand gefahren und Prime Broker sowie Kunden nicht bezahlt hatte”, so Schibl gegenüber der Staatsanwaltschaft, wie aus einem von Gabays Anwälten eingereichten Dokument hervorgeht.

Laut Gabays Anwälten sagte Schibl, es sei “toxisch”, mit Gabay in Verbindung gebracht zu werden.

Schibl lehnte eine telefonische Stellungnahme ab. Seine Anwälte reagierten nicht auf Bitten um Stellungnahme. Gabay sagte, er plane gegen das Urteil in Revision zu gehen.

Der 53-jährige Gabay war die erste Person, die ausserhalb Deutschlands im Rahmen der weitreichenden Cum-Ex-Untersuchung, die hunderte potenzieller Verdächtiger umfasst, festgenommen wurde. Er hat laut Gerichtsakten eine Kaution in Höhe von 3 Millionen Euro (3,6 Millionen Dollar) hinterlegt. Schibl stellte sich nur wenige Wochen später den deutschen Behörden. Er leistete eine Kaution von 2 Millionen Euro.

Bei Gabays Auslieferungsanhörung in Aix-en-Provence im vergangenen Juli sagte ein französischer Richter, die deutschen Staatsanwälte glaubten, er sei an einer Handelspraktik beteiligt, die den Staat zwischen 2009 und 2011 um 94 Millionen Euro gebracht hat. Gabay sagte, er habe damit „nichts“ zu tun. Alle europäischen Haftbefehle gegen Gabay wurden nach einer Verhandlung vor einem deutschen Gericht im vergangenen Jahr fallen gelassen.

Insolvenzantrag

Die Details der Fehde zwischen den einst engen Geschäftspartnern wurden diese Woche bei einer Anhörung vor einem britischen Insolvenzgericht enthüllt. Wenn Gabay die 2,5 Millionen Dollar bis zum 24. August nicht zahlt, kann Schibl die Zahlung gerichtlich durchsetzen lassen, was jedoch auch ablehnt werden kann.

Matthew Cook, Gabays Anwalt, sagte am Dienstag vor Gericht, das Urteil habe “ernste Konsequenzen für Herrn Gabay persönlich”.

„Wenn die Berufung abgelehnt wird, wird der fällige Betrag gezahlt“, kommentierte Gabay am Telefon. “Wir werden ein separates Verfahren gegen ihn einleiten”, sagt er mit Blick auf Schibl.

Sebastian Howell, ein Sprecher von Goldman Sachs in London, lehnte eine Stellungnahme ab.

(Bloomberg)