Steuerrückstellungen - VZ Gruppe: Alles bloss ein Sturm im Wasserglas?

Die VZ Gruppe muss zusätzliche Steuerrückstellungen bilden. Das belastet den Jahresgewinn des Vermögensverwalters. Die Börse reagiert bisweilen überraschend entspannt.
03.11.2017 11:53
Von Lorenz Burkhalter
Die VZ Gruppe bietet auch Vorsorgeprodukte an.
Die VZ Gruppe bietet auch Vorsorgeprodukte an.
Bild: Pixabay

Am frühen Donnerstagnachmittag stieg die Aktie der VZ Gruppe in die Nähe von 350 Franken und damit auf den höchsten Stand in der Firmengeschichte. Weitere Kursrekorde dürften fürs erste jedoch vom Tisch sein. Auf einen Entscheid der Steuerverwaltung abgestützt, muss der Vermögensberater nämlich gut 5 Millionen Franken für Forderungen im Bereich der Mehrwertsteuer zurückstellen. Dadurch schmälert sich der von Analysten für 2017 geschätzte Gewinn von etwas mehr als 90 auf 85 Millionen Franken.

Hektik kommt an der Schweizer Börse SIX allerdings nicht auf. Zur Stunde verliert die VZ-Aktie gerademal 0,6 Prozent auf 342 Franken. Die Tagestiefstkurse liegen bei 340,75 Franken.

Schon vor zwei Jahren stellte der Vermögensberater im selben Zusammenhang 2 Millionen Franken zurück. Ob er die insgesamt etwas mehr als 7 Millionen Franken jemals der Steuerverwaltung abliefern muss, steht vorerst noch offen. Die VZ Gruppe will den vorliegenden Entscheid jedenfalls anfechten.

Definitives Urteil erst in ein paar Jahren

Der Bankenexperte von Mirabaud Securities Limited rechnet damit, dass die Rückstellungen den Jahresgewinn um knapp 5 Prozent schmälern. Da der Vermögensverwalter eigenen Angaben zufolge auch in den kommenden Jahren entsprechende Vorkehrungen treffen will, schliesst der Mirabaud-Analyst eine längere Gewinnschmälerung nicht aus. Doch auch er weist ganz klar darauf hin, dass das definitive Urteil noch ausstehe. Die VZ-Aktie wird bei Mirabaud Securities Limited mit "Buy" und einem Kursziel von 380 Franken eingestuft.

Die Rückstellungen seien verkraftbar, heisst es in einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Der Autor geht davon aus, dass mehrere Jahre vergehen könnten, bevor ein definitiver Entscheid vorliegt. Bis dahin hält der ZKB-Analyst am "Marktgewichten" lautenden Anlageurteil fest.

Auch sein Berufskollege von Kepler Cheuvreux hält die aktuelle sowie die zukünftige Gewinnbelastung für überblickbar. Er nahm erst vor wenigen Tagen in einer Branchenstudie die Erstabdeckung der VZ-Aktie mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 380 Franken auf. Aufgrund der überdurchschnittlich hohen Eigenkapitalrendite und der guten Ertragsaussichten kürte er die Aktie auch gleich zum Branchenfavoriten. 

Händler bezeichnen diese Kaufempfehlung als die treibende Kraft hinter der Rekordjagd der letzten Tage.