Was US-Präsident Donald Trump mit militärischer Gewalt nicht durchsetzen konnte, könnte mit einer beispiellosen Wirtschaftsoffensive ⁠der USA gelingen. Die Führung in Teheran sehe sich mit einer der härtesten Krisen in der Geschichte der Islamischen Republik konfrontiert, sagten Insider vor Ort. Die Seeblockade der ‌USA und verschärfte Sanktionen drosseln die Ölexporte, schränken den Zugang zu Devisen ein und legen ‌die wachsenden Probleme der Wirtschaft offen.

Das Kalkül Washingtons ist einfach: Der ​wirtschaftliche Schaden für den Iran soll grösser sein als der, den Teheran der Weltwirtschaft zufügen kann. Bislang scheint die Rechnung aufzugehen. Während die Sanktionen die iranischen Staatseinnahmen aus dem Ölverkauf schmälern und zu Versorgungsengpässen führen, haben sich die globalen Energiemärkte angepasst. Der von Teheran erhoffte Schock für die Weltwirtschaft, der die USA an den Verhandlungstisch zwingen sollte, blieb aus. «Das Machtgleichgewicht hat sich etwas zu Ungunsten des Iran verschoben», sagte der Analyst ‌Arash Azizi.

Der wirtschaftliche Druck könnte Teheran dazu zwingen, die freie Durchfahrt durch die Strasse von Hormus zuzulassen, sagten Entscheidungsträger in den USA und dem Iran. Durch die Meerenge wurde vor dem Krieg ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen transportiert. Ob der Druck zu Zugeständnissen führen wird, bleibe dennoch unklar, ​erklärten die Insider. Teheran konnte zwar nicht die erhofften Kosten durchsetzen, um Washingtons Entschlossenheit zu brechen. Der ​Iran zeige aber auch kaum Anzeichen dafür, seine Forderungen nach einer Lockerung der Sanktionen, dem ​Zugang zu eingefrorenen Vermögenswerten und der Anerkennung seiner Sicherheitsrolle in der Strasse von Hormus aufzugeben.

Hält Teheran dem Druck stand?

Die iranische Führung befürchtet, dass die sich verschlechternde Wirtschaftslage mit ‌steigenden Preisen und sinkenden Einkommen erneut landesweite Unruhen entfachen könnte. Drei hochrangige iranische Insider bestätigten, dass der Druck wachse und die Führung fürchte, die Kontrolle zu verlieren. Die Knappheit bei Importgütern wie Treibstoff und Weizen bereite den Behörden zunehmend Sorgen.

Andere Beobachter blieben jedoch skeptisch. Sie verwiesen auf die jahrzehntelangen, ​gescheiterten Versuche, ​die Islamische Republik zu destabilisieren. Teheran habe immer wieder seine Widerstandsfähigkeit unter ⁠Beweis gestellt. Zudem könnte der äussere Druck die Bevölkerung hinter der Führung einen, ​erklärte Burcu Özçelik, Expertin des Royal United ⁠Services Institute (RUSI). «Natürlich erhöht der wirtschaftliche Druck das Risiko von Unruhen, aber derzeit scheint eine Kriegsmentalität die Bevölkerung fest im Griff zu haben», ‌sagte sie. Dies schaffe eine patriotische Unterstützung für das Regime.

Dennoch werde derzeit zwischen den Vermittlern und dem Iran eine neue Formel zur Lösung der Pattsituation diskutiert, sagten die Insider. Ein möglicher Ausweg könnte nach Einschätzung des früheren US-Unterhändlers Dennis Ross ‌in einer Einigung über Schifffahrtsgebühren liegen. Der Iran könnte auf einen allgemeinen «Schiffszoll» verzichten, sich aber das Recht vorbehalten, ​Gebühren für Dienstleistungen wie Navigation oder Sicherheit zu erheben. Eine solche Regelung würde beiden Seiten erlauben, ihr Gesicht zu wahren. Dies könnte einen Kompromiss ermöglichen, bevor der Konflikt weiter eskaliere, sagte Ross. «Wenn man verkünden könnte, dass die Strasse von Hormus wieder geöffnet wird, glaube ich, dass Trump einem Abkommen ‌zustimmen würde.»

(Reuters)