Studie - Finanzen sind für Paare oft grösseres Tabuthema als Sex

Sogar beim Thema Sex sind Paare deutlich offener als punkto Geldfragen, besagt eine Studie. Häufig führt dies zu ernsten Beziehungsproblemen.
22.09.2019 10:05
Daniel Eckert und Clara Ott, «Die Welt»
In vielen Beziehungen ist das Thema Geld ein Dauerbrenner.
In vielen Beziehungen ist das Thema Geld ein Dauerbrenner.
Bild: Pixabay

Das Thema Geld führt in Beziehungen oft zum Streit. Laut einer Studie scheuen sich viele Bürger, offen darüber zu sprechen. Jeder Siebte gab zu, finanzielle Reserven vor dem anderen geheim zu halten. Experten warnen vor den Folgen.

Die Finanzen sind in Paarbeziehungen in Deutschland ein noch größeres Tabu als Sex. So sprechen zwar 56 Prozent der Bundesbürger mit ihrem Partner über sexuelle Wünsche, aber lediglich 42 Prozent sind beim Thema Geld ebenso offen. Das geht aus einer repräsentativen Studie der Partnervermittlungsplattform ElitePartner hervor, diedeutche Zeitung "Welt am Sonntag" ausgewertet hat.

Laut der Studie von ElitePartner lassen sich Menschen psychologisch in zwei Kategorien einordnen, in den rational-skeptischen Typ, der die Finanzen penibel regelt und alles aufrechnet, am besten schriftlich, und den romantisch-idealistischen Typ: Er erwartet vom Partner keine Gegenleistung für Mehrausgaben und ist prinzipiell der Meinung, Geld sollte in der Liebe keine Rolle spielen.

Wenn beide zusammentreffen, kann es kritisch werden, nach Ansicht von Experten hilft dann nur Kommunikation. „Die Art, wie man über Geld spricht, sagt viel über die Qualität der Beziehung aus“, erklärt die Hamburger Psychologin Lisa Fischbach. Liebe allein regle keine Kontoangelegenheiten. Wichtig sei zu verstehen, für welche Werte der Einzelne steht, wofür der eine gern Geld ausgibt und der andere lieber spart.

Experten raten zum Drei-Konten-Modell

Hat ein Partner seine Finanzen nicht im Griff, belastet das die Beziehung mitunter sehr, vor allem wenn Heimlichkeit ins Spiel kommt. Laut der Umfrage haben 13 Prozent der Befragten schon mindestens einmal einzelne Ausgaben vor ihrem Partner verheimlicht. Jeder Siebte gab zu, finanzielle Reserven vor dem anderen geheim zu halten.

Wenn nennenswerte Vermögenswerte vor dem Partner versteckt werden, zeugt das meist von grundlegendem Misstrauen. „Heimlichtuerei im größeren Stil kann die Beziehung empfindlich stören, wenn nicht zerstören“, warnt Gunhild Rautenbach, die als Finanzplanerin bei der Isfinance AG in Lübeck arbeitet.

Das bedeutet nicht, dass die Partner ihre finanziellen Freiräume gänzlich aufgeben sollten. Konkret raten Finanzexperten zum sogenannten Drei-Konten-Modell. Die Kombination von einem gemeinsamen Konto, zum Beispiel für den Urlaub oder Haushaltsausgaben, und zwei getrennten Konten, über das die einzelnen Partner jeweils individuell verfügen können, habe sich bewährt. 

Dieser Artikel erschien zuerst auf Welt.de unter dem Titel: "Geld ist für Paare oft grösseres Tabuthema als Sex".