Demnach erhöht jeder zusätzliche ‌Euro an ⁠staatlichen Ausgaben das Bruttoinlandsprodukt im ersten Jahr um bis zu 1,30 Euro, ⁠wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervorgeht. Steuersenkungen entfalten dagegen ‌lediglich einen Effekt von bis zu 40 Cent je ‌Euro.

«Die gemeinsame Geldpolitik verändert die ​Spielregeln der Fiskalpolitik im Euroraum», erklärte Studienautor Gökhan Ider. Da die Europäische Zentralbank (EZB) auf fiskalische Massnahmen einzelner Mitgliedstaaten wie Italien oder Spanien in der Regel nicht reagiere, würden nationale Ausgabenprogramme nicht durch Zinserhöhungen gebremst. Steuerentlastungen hingegen profitierten nicht von einer möglichen ‌Lockerung der Geldpolitik, die ihre Wirkung verstärken würde. «In einer Währungsunion wie dem Euroraum wirken insbesondere fiskalpolitische Ausgabenmassnahmen viel stärker als in Ländern mit eigener Geldpolitik wie den USA», ​ergänzte Ko-Autor Malte Rieth.

Öffentliche Investitionen und Staatskonsum entfalten ihre Wirkung der ​Studie zufolge auf unterschiedliche Weise. Erstere regen demnach ​vor allem private Investitionen an und stärken durch den Ausbau der Infrastruktur auch die Produktionskapazitäten der ‌Wirtschaft. Ein höherer Staatskonsum kurbele dagegen vor allem den privaten Konsum an. Steuerentlastungen hingegen steigern die private Nachfrage deutlich schwächer, und ihre Wirkung ist nur von kurzer ​Dauer: Dem ​DIW zufolge ist sie nach ⁠vier Jahren nahezu verpufft.

Die Autoren mahnen jedoch, ​die kurzfristigen Vorteile gegen langfristige ⁠Risiken abzuwägen. Höhere Staatsausgaben könnten die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen beeinträchtigen. «Insbesondere zur ‌kurzfristigen Stabilisierung der Wirtschaft sind gut ausgestaltete Ausgabenmassnahmen das wirksamere Instrument», sagte Ider. Gleichzeitig müssten die Regierungen die langfristigen Folgen für Staatsfinanzen und ‌Wachstum im Blick behalten. Die Ergebnisse gelten den Autoren zufolge ​vor allem für Massnahmen einzelner Mitgliedstaaten. Würden viele Länder gleichzeitig ihre Ausgaben ausweiten, könnte dies eine Reaktion der EZB auslösen und die Wirkung abschwächen.

(Reuters)