Swiss-Re-Aktionäre vor ungewisser Zukunft

Swiss Re zahlte bislang eine grosszügige Dividende und kaufte eigene Aktien zurück. Damit könnte schon bald Schluss sein, meint die UBS und spricht eine Verkaufsempfehlung aus. Andere Experten sind optimistischer.
16.01.2017 08:34
Von Lorenz Burkhalter
Geht es nach der UBS, werden die Swiss-Re-Aktionäre den Gürtel enger schnallen müssen.
Geht es nach der UBS, werden die Swiss-Re-Aktionäre den Gürtel enger schnallen müssen.
Bild: Bloomberg

Die Aktie von Swiss Re liebäugelt mit Kursen von über 100 Franken und das schon seit Tagen. Nun könnte ihr allerdings die UBS Investmentbank einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen.

In einer Unternehmensstudie senken die beiden für die Schweizer Grossbank tätigen Autoren ihre Daumen über der Aktie und stufen diese von "Neutral" auf "Sell" herunter. Auf einen Anlagehorizont von 12 Monaten sehen sie diese auf 85 Franken tauchen. Gegenüber dem Schlussstand vom Freitag entspricht das einem Abwärtspotenzial von etwas mehr als 10 Prozent.

Aktienrückkäufe werden in Frage gestellt

Diese Verkaufsempfehlung überrascht gleich in zweifacher Hinsicht. So erwies sich 2016 aus Sicht der Swiss-Re-Aktionäre unter dem Strich als ein Nullsummenspiel. Während dieser Zeit hat sich die zuvor eher stolze Bewertung beim Rückversicherungskonzern aus Zürich kontinuierlich abgebaut. Am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) gemessen, spielt die Aktie mit 9,5 irgendwo im Mittelfeld unter den hiesigen Versicherungsaktien. Gleichzeitig weist sie aber eine attraktiv hohe Dividendenrendite von 5 Prozent auf. Bei den Vertretern aus dem Swiss Market Index (SMI) zahlt nur die Zurich Insurance Group eine noch grosszügigere Ausschüttung.

Aus Sicht der Swiss-Re-Aktionäre waren die letzten 12 Monate ein Nullsummenspiel; Quelle: www.cash.ch

Darüber hinaus kauft Swiss Re schon zum zweiten Mal in Folge im Gegenwert von einer Milliarde Dollar eigene Aktien zurück. Gerade dieses Aktienrückkaufprogramm ist den UBS-Analysten allerdings ein Dorn im Auge. In Erwartung einer Häufung von Schadenersatzforderungen rechnen sie mit Reserveauflösungen und damit verbunden mit einem geringeren Budget um eigene Aktien zu erwerben. Flossen über die Dividende und das Aktienrückkaufprogramm in den letzten Jahren zwischen 8 und 11 Prozent an die Aktionäre zurück, könnte sich die Gesamtausschüttung in Zukunft auf gut 5 Prozent nahezu halbieren.

Aktie spaltet die Analystengemeinde

Dem widersprechen die für die australische Investmentbank Macquarie tätigen Berufskollegen am Montag früh allerdings vehement. In einer Studie zum europäischen Rückversicherungssektor erwarten sie von Swiss Re einen effizienteren Kapitaleinsatz und erhoffen sich davon auf Jahre hinaus eine über die Dividende hinausgehende Kapitalrückführung in Form von Aktienrückkäufen. Anders als bei der UBS Investmentbank wird die Aktie des traditionsreichen Rückversicherungskonzerns bei Macquarie mit "Outperform" und einem Kursziel von 100 Franken als einer von zwei Sektorfavoriten zum Kauf empfohlen.

Wie ein Blick auf Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP verrät, wird die Swiss-Re-Aktie in Analystenkreisen sehr unterschiedlich beurteilt. Von 26 Banken empfehlen sie deren sieben zum Kauf und sogar zehn zum Verkauf. Die verbleibenden neun nehmen hingegen eine neutrale Haltung ein. Mit 93,60 Franken liegt das durchschnittliche Kursziel ein paar Franken unter dem Schlussstand vom Freitag.