Syngenta-Aktie nach Vorwürfen schwach

Der Quartalsumsatz von Syngenta fällt stärker als befürchtet. Seitens Analysten, Händlern und Aktionären hagelt es Vorwürfe. Diese setzen der Aktie sichtlich zu.
15.10.2015 10:15
Von Lorenz Burkhalter
Muss beim EBITDA-Ziel nun doch zurückkrebsen: Syngenta-CEO Mike Mack.
Muss beim EBITDA-Ziel nun doch zurückkrebsen: Syngenta-CEO Mike Mack.
Bild: cash

Syngenta wird zum "Wiederholungstäter". Auch im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2015 bleibt die Umsatzentwicklung hinter den Analystenerwartungen zurück. Und als ob das nicht schon genug wäre, sieht sich der in Basel beheimatete Agrarchemiekonzern entgegen seinen ursprünglichen Beteuerungen nun doch zu einer Reduktion seiner diesjährigen Zielsetzungen gezwungen. Neuerdings wird mit einem gegenüber dem Vorjahr prozentual einstelligen Rückgang des operativen Gewinns (EBITDA) gerechnet.

Gerade das neue Gewinnziel bringt dem Unternehmen Vorwürfe aus dem Analystenlager ein. An der Schweizer Börse SIX wird die Syngenta-Aktie mit einem Minus von 2,8% auf 290 Franken abgewatscht. Damit steht der Kurs nur unbedeutend unter den bei 288,50 Franken liegenden Tagestiefstkursen.

Absatzeinbruch in Nordamerika

Wie der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst in einem Kommentar schreibt, liegt der Gesamtumsatz im dritten Quartal weit unter den bankeigenen Schätzungen. Das nicht zuletzt aufgrund negativer Verschiebungen im Währungsgefüge. Der Währungseffekt habe mit 12 Prozent und damit fast doppelt so stark wie befürchtet auf die Umsatzentwicklung gedrückt, so lässt er durchblicken.

Überrascht zeigt sich der Verfasser des Kommentars insbesondere vom in Lokalwährungen um 23 Prozent tieferen Umsatz in Nordamerika. Er begründet diesen unter anderem mit einem Marktrückzug von umstrittenen Pflanzenschutzmitteln.

Mit einem veranschlagten Nullwachstum beim Umsatz in Lokalwährungen werde 2015 zu einem weiteren Übergangsjahr. Zudem sei das erwartete Wachstum ab dem Folgejahr wegen der gegebenenfalls länger andauernden Marktschwäche mit einer hohen Schätzungsunsicherheit behaftet, so heisst es weiter.

Ziemlich ernüchternde Gewinnaussichten

Bei der Zürcher Kantonalbank stösst man sich daran, dass Syngenta bei den Mittelfristzielen keine Aussagen mehr zur Gewinnentwicklung macht. Der vorliegende Zahlenkranz wird deshalb negativ beurteilt und die Aktie weiterhin nur mit "Marktgewichten" eingestuft.

Der für die UBS Investmentbank tätige Experte ergänzt zudem, dass beim vom Unternehmen für das laufende Jahr erwarteten Gewinnrückgangs eine Vorauszahlung über 150 Millionen Dollar für das Lizenzabkommen mit KWS/Limagrain berücksichtige. Damit würden in der zweiten Jahreshälfte selbst die bereits sehr vorsichtigen bankeigenen Gewinnschätzungen verfehlt, so der Analyst. Er stuft die Aktie vorläufig mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 314 Franken ein.

Nicht nur in Analystenkreisen, auch im Berufshandel und bei Aktionären werden Vorwürfe laut. In Anbetracht der enttäuschenden Geschäftsentwicklung hätte Syngenta sich selber besser an den US-Rivalen Monsanto verkaufen sollen, so heisst es. In diesem Zusammenhang wird vermehrt auch die Forderung nach einem Wechsel an der Konzernspitze des Basler Agrarchemiekonzerns laut.