Die Erstnotiz von Syngenta dürfte voraussichtlich Anfang ⁠kommenden Jahres erfolgen, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Banken des von dem chinesischen Staatskonzern Sinochem kontrollierten Unternehmens hätten als Bewertung das ⁠15- bis 20-Fache des für 2026 erwarteten Betriebsergebnisses (Ebitda) ins Spiel gebracht. Syngenta erzielte im Jahr 2025 ein Ebitda von 4,4 Milliarden Dollar. Einer mit der Situation vertrauten Person zufolge zeichnet ‌sich für das laufende Jahr ein leichter Anstieg ab.

Ausgehend vom Wert von 2025 und einem Multiplikator von ‌15 würde Syngenta auf eine Bewertung von 66 Milliarden Dollar kommen, beim 20-Fachen wären ​es bis zu 88 Milliarden Dollar. Syngenta wolle bei dem Börsengang einen Anteil von zehn bis 20 Prozent verkaufen und damit fünf bis zehn Milliarden Dollar einnehmen, sagte eine der Personen.

Die Erlöse aus der Transaktion sollen zum Abbau von Schulden und für Investitionen in neue Pflanzenschutzmittel und Saatgut verwendet werden. Eine nächste wichtige Hürde ist die Zustimmung der chinesischen Behörden. Dokumente für den Börsengang wurden bei der Hongkonger Börse eingereicht. Der Börsengang wird von den Banken UBS ‌und China International Capital Corp (CICC) organisiert. Ebenfalls beteiligt sind Bank of America und CITIC. Syngenta und UBS lehnten eine Stellungnahme ab. Bank of America und CITIC konnten für eine Stellungnahme vorerst nicht erreicht werden.

Börsenstimmung hat sich etwas eingetrübt

Syngenta und seine Berater sind dabei, das Unternehmen mit Sitz in Basel möglichen Anlegern ​vorzustellen. Begonnen hatte die Roadshow mit einer Analystenpräsentation am Forschungszentrum im schweizerischen Stein vor knapp zwei Wochen. Die Berater präsentieren das ​Unternehmen auch Investoren in Shanghai, Hongkong und Peking, bevor sie für weitere Gespräche nach Frankfurt ​und London reisen. Die Rückmeldungen zu Syngenta fielen grundsätzlich positiv aus, sagte ein Insider. Einige asiatische Investoren hätten signalisiert, dass sie nach der jüngsten Schwäche im IPO-Markt wieder stärker auf traditionellere Industrieunternehmen schauen ‌könnten, insbesondere falls die Begeisterung für KI-Werte nachlasse. Davon könnte Syngenta profitieren.

Die Banken positionierten Syngenta dabei eher als Biotech- denn als Chemieunternehmen, hiess es. Damit lockt eine höhere Bewertung. Das Produktangebot von Syngenta bei Pflanzenschutzmitteln sowie eine gut gefüllte Entwicklungspipeline an resistenten Saatgutsorten stützten einem Insider zufolge die Bewertung. Das am besten vergleichbare Unternehmen ist ​die amerikanische ​Corteva, von der sich die Saatgutsparte Vylor Anfang Oktober abspaltete. Ende 2025 wurde Corteva ⁠etwa mit dem 13-Fachen des operativen Ergebnisses bewertet. Syngenta steht auch im Wettbewerb mit den deutschen ​Konzernen BASF und Bayer.

Der Markt ⁠für Börsengänge (IPO) in Hongkong verzeichnet einen starken Zulauf. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 sammelten 118 neu notierte Unternehmen Daten der Hongkonger Börse HKEX zufolge ‌insgesamt 388,0 Milliarden Hongkong-Dollar (49,50 Milliarden Dollar) ein. Dies entspricht einem Plus von 106 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Stimmung trübte sich in diesem Monat jedoch ein, nachdem ein Ausverkauf bei Aktien aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) Sorgen über die Bewertungen und ‌die Rentabilität von KI-Investitionen auslöste.

Syngenta wurde 2017 von ChemChina für 43 Milliarden Dollar geschluckt und 2021 in Sinochem eingegliedert. ​Damals begannen auch die Vorbereitungen für einen erneuten Gang aufs Börsenparkett. Doch das Vorhaben verzögerte sich immer wieder, unter anderem weil die Behörden immer neue Anforderungen stellten und die Marktbedingungen ungünstig waren. Im März 2024 legte Syngenta die Börsenpläne an der Shanghai Stock Exchange dann auf Eis. Nun unternimmt der Konzern einen neuen Versuch in Hongkong.

(Reuters)