Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Taiwan dürfte in diesem Jahr ‌um ⁠11,05 Prozent zulegen und damit so stark wie seit fast 40 Jahren nicht ⁠mehr, teilte die nationale Statistikbehörde am Freitag in Taipeh mit. Sie hob damit ihre Prognose von ‌Mai von knapp zehn Prozent deutlich an. Das ‌letzte Mal wurde 1987 mit 12,75 Prozent ​ein höheres Wachstum verzeichnet. «Das Wirtschaftswachstum ist robust, und die KI-Entwicklung ist für Taiwan sehr wichtig», sagte Statistik-Ministerin Chen Shu-tzu.

Die technologieabhängige Inselwirtschaft spielt eine Schlüsselrolle bei der Deckung der enormen Nachfrage nach KI-Chips. Technologiekonzerne wie Nvidia und Apple sind auf die Lieferungen aus ‌Taiwan angewiesen. Dort hat mit dem Konzern TSMC der weltgrösste Auftragsfertiger für Halbleiter seinen Sitz, der als zentraler Profiteur des KI-Trends gilt. Die Statistikbehörde erwartet nun, dass die ​Exporte in diesem Jahr um gut 41 Prozent steigen werden. ​Das wäre das stärkste Wachstum seit 1976.

Die ​aktuelle Prognoseanhebung fusst auf einer bereits 2025 sichtbaren Entwicklung. Schon 2025 war die taiwanesische Wirtschaft dank der ‌starken KI-Nachfrage um knapp neun Prozent gewachsen. Die enorme Dynamik des laufenden Jahres bestätigen auch die Zahlen für das abgelaufene zweite Quartal, dessen Wachstumsrate von den Statistikern ​leicht ​auf 12,93 Prozent nach oben korrigiert wurde. ⁠Trotz der boomenden Wirtschaft sollen die Verbraucherpreise in ​diesem Jahr nur um ⁠2,07 Prozent zulegen - einen Hauch über dem Notenbank-Inflationsziel von zwei Prozent.

Für das kommende ‌Jahr rechnen die Statistiker zwar mit einer geringeren Dynamik, aber weiter sehr robusten Konjunktur. In ihrer ersten Prognose für 2027 gehen sie ‌von einem Plus von 6,04 Prozent aus. Dies deutet darauf ​hin, dass die Behörde den KI-Boom nicht als kurzfristiges Phänomen, sondern als mittelfristigen Wachstumstreiber für Taiwans Wirtschaft ansieht.

(Reuters)