Waren und Dienstleistungen kosteten im August 2,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag eine frühere Schätzung bestätigte. Noch kräftiger zogen die Verbraucherpreise zuletzt Ende 2023 mit 3,7 Prozent an. Im Juli war die Teuerungsrate auf 2,8 Prozent geklettert, von 2,3 Prozent im Juni.
«Besonders deutlich hat sich die vor allem durch den Iran-Krieg verursachte Teuerung der Energie bei den Kraftstoffen gezeigt», sagte die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand. Dem ADAC zufolge kostete ein Liter Superbenzin im August mit durchschnittlich 2,145 Euro so viel wie noch nie. Eine schnelle Entspannung ist angesichts weiter gestiegener Ölpreise nicht in Sicht.
«Die Inflation ist zurück in Deutschland», sagte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. Diese Woche stieg der Ölpreis erstmals seit Mitte Juli wieder über die Marke von 100 Dollar je Barrel, weil Anleger wegen der Angriffe im Nahen Osten eine Unterbrechung der Öllieferungen aus der Region befürchten. Vor Beginn des Iran-Krieges hatte der Preis bei rund 70 Dollar gelegen.
«Ein Preis von 100 Dollar für Brent sollte nicht nur als psychologischer Meilenstein betrachtet werden», sagte Priyanka Sachdeva, leitende Marktanalystin beim Online-Broker Phillip Nova. «Dies ist ein Warnsignal für die gesamte Wirtschaft.»
Je länger der Krieg anhält, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen gestiegene Kosten an ihre Kunden weiterreichen. Dem Ifo-Institut zufolge werden die Verbraucherpreise deshalb im kommenden Jahr mit 3,0 Prozent stärker steigen als im laufenden mit durchschnittlich 2,7 Prozent.
Butter und Obst billiger
Energie verteuerte sich im August um 10,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, nach 8,3 Prozent im Juli. Kraftstoffe wie Benzin kosteten 27,7 Prozent und Heizöl 49,6 Prozent mehr. Strom (-5,5 Prozent), Erdgas einschliesslich Betriebskosten (-2,9 Prozent) und Fernwärme wurden (-1,0 Prozent) billiger.
Nahrungsmittel kosteten bundesweit 0,1 Prozent mehr (Juli: +0,4 Prozent). Dennoch wurden einige Lebensmittel deutlich teurer, unter anderem Eier (+15,2 Prozent), frisches Gemüse (+5,2 Prozent) sowie Fisch, Fischwaren und Meeresfrüchte (+4,4 Prozent). Günstiger binnen Jahresfrist waren Butter (-29,9 Prozent), frisches Obst (-5,6 Prozent) und Molkereiprodukte (-5,5 Prozent). Für Dienstleistungen wie Versicherungen oder Reisen wurden 2,8 Prozent mehr verlangt. Die Preise ohne Nahrungsmittel und Energie, auch als Kerninflation bezeichnet, legten erneut um 2,4 Prozent zu.
Auch in der Euro-Zone insgesamt liegt die Inflation mit zuletzt 3,3 Prozent deutlich über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank von 2,0 Prozent. Sie könnte deshalb an diesem Donnerstag bei ihrer Sitzung in Berlin den Leitzins zum zweiten Mal in diesem Jahr anheben – von 2,25 auf 2,50 Prozent. Das wäre der höchste Stand seit anderthalb Jahren. Die Zentralbank hatte die Zinsen im Juni erstmals seit fast drei Jahren angehoben und im Juli pausiert.
(Reuters)

