Am vergangenen Freitag zogen sich die Investoren weiter von den Aktien des Biopharmaunternehmens Newron zurück. Die Anteilsscheine sanken am letzten Handelstag der Woche um 2,79 Prozent auf 10,46 Franken und damit auf den tiefsten Stand seit September 2025 - ein 52-Wochen-Tief.

Dabei waren die Titel Anfang Jahr bei 31,85 Franken auf ein Hoch gestiegen. Seither haben sie um 67,2 Prozent nachgegeben.

Die Gründe für den Kursverfall der zurückliegenden Monate haben sich vergangene Woche verdichtet und können das Geschehen zum Wochenauftakt beeinflussen. Denn das Management gab am letzten Freitag nach Börsenschluss bekannt, dass die Rekrutierung neuer Patienten für die Phase-3-Studie «ENIGMA-TRS 2» zum Schizophrenie-Wirkstoff Evenamide in den USA ausgesetzt bleibt.

Die amerikanische Arzneimittelbehörde hatte den Rekrutierungsstopp Ende April angeordnet, und bis heute sind in den Vereinigten Staaten noch keine Patienten innerhalb der Studie mit Evenamide behandelt worden, hiess es am Freitagabend. Die sich daraus ergebenden Verzögerungen wiegen nicht leicht. Denn das Schizophrenie-Mittel ist das Schlüsselprodukt des Biopharmaunternehmens aus Bresso bei Mailand, Italien.

Ausserhalb der Vereinigten Staaten werde weiterhin nach Teilnehmern für die Studie gesucht, führte Newron in der Mitteilung zum Wochenausklang aus. Zudem läuft eine zweite Studie zu Evenamide, «ENIGMA-TRS 1». Bei dieser rechnet Newron, dass die angestrebte Rekrutierungszahl von mindestens 600 Patienten etwa Mitte Oktober 2026 erreicht sein wird. Ergebnisse werden im ersten Quartal 2027 erwartet.

Für Investoren aufschlussreich waren auch die Halbjahreszahlen 2026, die am letzten Dienstag erschienen sind. Der Umsatz belief sich auf 3,2 Millionen Euro, nach 11,9 Millionen Euro im ersten Semester 2025. Derweil stiegen die Forschungsausgaben von 6,1 auf 14,6 Millionen Euro. Dies führte zu einem Nettoverlust von 16,4 Millionen Euro, der deutlich ausgeprägter war als der Fehlbetrag von 73’000 Euro im ersten Halbjahr 2025.

Die Halbjahresresultate bedeuten, dass Newron viel Geld in die Forschung und damit in die Zukunft gesteckt hat. Ob daraus einmal Erträge fliessen, ist die entscheidende Frage.

Aktuell decken nur wenige Analysten die Aktien von Newron ab. Doch am Freitag hat der zuständige Experte von Octavian eine neue Einschätzung abgegeben. Das Kursziel hat er auf 15 von 17 Franken gesenkt und die Einstufung auf «Hold» belassen. Damit traut er der Aktie mittelfristig eine gewisse Erholung, aber keine Rückkehr auf das Hoch von Anfang Jahr zu. Gemessen daran werden Anleger vorerst an der Seitenlinie bleiben und beobachten, wann bei den Titeln eine Bodenbildung erkennbar ist.

Reto Zanettin
Reto ZanettinMehr erfahren