Tiefzinsphase trifft Postfinance frontal

Die Zinsen auf Spareinlagen stehen seit Jahren unter Druck. Nun hat auch die Postfinance die Sätze teils drastisch gesenkt. Experten sprechen von einer Strategieänderung.
07.01.2014 01:00
Von Frédéric Papp
Die Postfinance muss die Zinskonditionen deutlich nach unten anpassen.

Es ist seit Jahren dieselbe Leier: Die Sparzinsen sinken und sinken. Per Anfang Jahr hat nun auch die Postfinance zu einem unüblichen Zinsschnitt auf breiter Basis gegriffen und teilweise die Sparzinsen um die Hälfte gekürzt. 

So senkte das Institut auf den 1. Januar 2014 den Zins auf dem Sparkonto von 0,4 auf 0,2 Prozent. Auch beim E-Sparkonto, dem ehemaligen Depositenkonto, wurden die Zinsen von 0,5 auf 0,3 Prozent gesenkt. Noch massiver fällt der Unterschied beim Euro-Sparkonto aus: Statt 0,65 Prozent erhält der Kunde noch 0,3 Prozent - ein Minus von 55 Prozent. 

Die Postfinance begründet dies mit den anhaltend tiefen Zinsen an den Finanzmärkten. "Deshalb mussten wir zu diesem Mittel greifen", sagt Sprecher Marc Andrey zu cash.

Ins hintere Mittelfeld abgerutscht

Allerdings waren in den letzten Wochen die Renditen der richtungsweisenden zehnjährigen Staatsobligationen deutlich angestiegen. Die Renditen der US Treasuries kletterten von 2,5 auf 3 Prozent, der Schweizer "Eidgenoss" von 1,00 auf 1,25 Prozent. Trotz dieses Anstiegs sieht die Postfinance laut Andrey aufgrund der weiterhin sehr lockeren Geldpolitik wichtiger Zentralbanken keine Anzeichen für einen nachhaltigen Zinsanstieg.

Bisher reihte sich die Postfinance mit ihren Zinssätzen im Vergleich mit anderen Bankenvorn ein. Nun ist sie ins hintere Mittelfeld abgerutscht. Dies überrascht, denn die Postfinance ist im Markt der Sparer gross geworden.

Stefan Rüesch, Bankenexperte beim Internet-Vergleichsdienst Comparis, spricht denn auch von einer Strategieänderung. "Wegen der tiefen Marktzinsen kann die Postfinance ihre Spareinlagen nicht mehr gewinnbringend refinanzieren", so Rüesch.

Rigide Anlagevorschriften

Gewinnhemmend wirken vor allem die rigiden Anlagevorschriften. So muss die Postfinance laut Andrey fast ausschliesslich in Anlagen investieren, welche von der US-Ratingagentur Standard & Poors mit "A" oder höher bewertet werden. Diese gelten als sicher, entsprechend gering ist dafür auch die Rendite.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Postfinance trotz Banklizenz wegen der neuen Postgesetzgebung Kredite und Hypotheken nach wie vor nicht selbstständig vergeben darf. In diesem Bereich arbeitet sie somit weiterhin mit anderen Banken (Valiant und Münchener Hypothekenbank) zusammen.

"Dies schmerzt die Postfinance", sagt Rüesch. Denn die Margen müssten so weiterhin zwischen den Partnern aufgeteilt werden. Postfinance-Chef Hansruedi Köng hat in diversen Medienberichten auch keinen Hehl daraus gemacht, dass er diese Restriktion am liebsten gestrichen haben möchte.

Höherer Zins nur gegen Restriktionen

Die immer enger werdenden Margen sind ein Problem, das die gesamte Bankbranche betrifft. So zahlen andere Sparinstitute noch weniger Zins als die Postfinance. Bei der Genfer Kantonalbank zum Beispiel gibts beim Sparkonto noch mickrige 0,05 Prozent.

Bei solch tiefen Zinsen lohnt es sich kaum, das Geld auf die Bank zu tragen. Schlimmer noch: Zieht die Inflation hierzulande an, legen die Sparer gar drauf. Bereits für dieses Jahr prognostiziert die SNB eine Jahresteuerung von plus 0,2 Prozent.

Sparer, die mehr Zins wollen, müssen zum Teil erhebliche Restriktionen in Kauf nehmen. Die Credit Agricole Financements (Suisse) lockt mit vergleichsweise attraktiven Sparzinsen von 1 Prozent bei einer Einlage bis zu 10'000 Franken. Allerdings sind während der ersten zwei Jahre keine Bezüge erlaubt.

Ab 2014 wirds teurer

Lassen sich die Zinsen kaum mehr senken, greifen die Banken auch zu anderen Mitteln. Etwa die Credit Suisse, deren "Bonviva"-Pakete per Anfang Jahr um bis zu 120 Franken teurer werden. Die CS schraubt bei den eigenen Kunden auch die Gebühr fürs Plastikgeld hoch. Eine Zusatzkreditkarte für das Silver-Paket kostet neu 60 statt 25 Franken pro Jahr. Bei den Gold- und Platinum-Paketen müssen die Kunden nun 120 Franken pro Zusatzkarte berappen. Früher gab es diese gratis. Und für die Maestro-Karte verlangt die Credit Suisse neu 50 statt 40 Franken im Jahr

Auch bei der Raiffeisen schlägt bei der Maestrokarte um 10 auf 40 Franken auf, bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) gar von 20 auf 40. Doppelt so viel wie bisher verlangt die ZKB auch für die Kontoführungsgebühren – 12 statt 6 Franken.

Die Postfinance hob diese Gebühren bereit im März 2013 an. So beträgt der Tarif für das Privatkonto seither 60 statt 36 Franken. Wer allerdings ein durchschnittliches Vermögen von 7500 Franken aufweist, zahlt wie bisher nichts.
 

Institute mit den höchsten Sparzinsen 

Institut Zinssatz Bezugslimite
Crédit Agricole Financements (Suisse) 1% keine Bezüge innert 2 Jahren
Bank Coop Sparkonto Plus 1% * 20'000 pro Jahr
Bank EKI 0,7%** 10'000 pro Jahr
Spar- und Leihkasse Frutigen Aktionärssparkonto 0,65% 10'000 pro Monat
Clientis Küttigen Sparkonto Top, Caisse d'Epargne 0,625% 5'000 pro Quartal
Spar- und Leihkasse Frutigen Sparkonto plus 0,61% 25 Prozent pro Jahr
Bank CIC Sparkonto 0,6% 20'000 pro Jahr
Clientis Biosphären-Sparkonto EB Entlebucher Bank 0,5% Keine Bezüge in den ersten 2 Jahren, danach 10'000 pro Jahr
Bank CIC Anlagekonto, Clientis Oftrigen Sparkonto Top, BBO Futurasparkonto 0,5% 50'000 pro Jahr (Bank CIC), 10'000 pro Jahr (BBO), keine Rückzüge (Clientis Oftrigen)

* Folgejahre 0.45 Prozent plus 0.75 Prozent Zinsbonus für die Nettozunahme (bis max. 250'000 Franken) bis zum Ende des jeweiligen Kalenderjahrs.

** Nur für Genossenschafter. Kündigungsfrist von 12 Monaten. Bei Kontoguthaben von mind. CHF 50'000: Rückzüge bis CHF 10'000 pro Kalenderjahr ohne Kündigung.

Quelle: Moneyland.ch, Stand: 6. Januar 2014