Der französische Ölkonzern TotalEnergies transportiert trotz des Kriegsrisikos profitabel Rohöl durch die Strasse von Hormus. Dies sagte Konzernchef Patrick Pouyanne am Montag auf einer Energiekonferenz in Norwegen. Die Meerenge, über die früher ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen (LNG) abgewickelt wurde, gilt wegen der Gefahr von Angriffen und Minen während des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran als weitgehend blockiert. «Wir sind heute wahrscheinlich der grösste Händler von Öl aus dem Irak oder aus Katar», sagte Pouyanne. «Und ich kann Ihnen sagen, dass sich Rohöl heute sehr leise und nicht öffentlich durch die Strasse von Hormus bewegt.»
Hohe Preisnachlässe von Rohölproduzenten glichen die gestiegenen Transportkosten mehr als aus, erklärte Pouyanne. «Rohöl wird einem für 50 bis 60 Dollar pro Barrel verkauft, nicht zum Brent-Preis, weil die Produzenten verzweifelt versuchen, ihr Öl auf den Markt zu bringen.» Der Preis für die Rohölsorte Brent lag am Montag bei über 90 Dollar pro Barrel. Der Transport eines Supertankers durch die Strasse von Hormus und zurück koste etwa 20 Millionen Dollar. Geteilt durch zwei Millionen Barrel Öl ergebe dies einen Aufpreis von zehn Dollar pro Barrel.
Dies gelte jedoch nicht für raffinierte Ölprodukte. Wegen der geringeren Kapazität der dafür eingesetzten Schiffe entstehe ein nicht tragbarer Transportaufschlag von 50 Dollar pro Barrel. Deshalb verlasse kein einziger Tanker mit Ölprodukten die Meerenge. TotalEnergies plant dennoch, in alternative Routen zu investieren. Pouyanne kündigte Investitionen in eine Pipeline von Bagdad nach Syrien sowie in die Verdopplung der Kapazität der Fudschaira-Pipeline in Abu Dhabi an.
(Reuters)

