Trotz Milliardenverlust - Analysten eilen der Swiss-Re-Aktie verbal zu Hilfe

Der Halbjahresverlust bei Swiss Re fällt etwas höher als gedacht aus. Dennoch geben sich die Analysten mehrheitlich optimistisch. Nach den Kursverlusten vom Vortag setzt die Aktie zu einer kräftigen Erholung an.
31.07.2020 11:37
Von Lorenz Burkhalter
Die Swiss Re eröffnete 2017 ein neues Bürogebäude am Zürcher Mythenquai.
Die Swiss Re eröffnete 2017 ein neues Bürogebäude am Zürcher Mythenquai.
Bild: imago images / Travel Stock Images

Am Abend des 22. Juli räumte Swiss Re ein, dass pandemiebedingte Kosten zu einem Halbjahresverlust in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar geführt hätten. Die Quittung folgte tags darauf, als die Aktie des führenden Rückversicherers mit einem satten Minus von fast 4 Prozent abgestraft wurde.

Nun legt das in Zürich beheimatete Unternehmen den detaillierten Zahlenkranz vor und sorgt damit gleich nochmals für eine kalte Dusche für die Aktionäre. Zum einen ist der Fehlbetrag mit 1,14 Milliarden Dollar etwas höher als ursprünglich gedacht und zum anderen wäre der Gewinn im Nichtleben-Rückversicherungsgeschäft auch unter Ausklammerung der pandemiebedingten Kosten rückläufig gewesen. Mit 115,8 Prozent liegt das sogenannte Combined Ratio selbst über den pessimistischsten Analystenschätzungen (Bandbreite: 106,9 bis 111,5 Prozent).

Dividendenfähigkeit nicht beeinträchtigt

Da die Analysten jedoch mehrheitlich versöhnliche Töne anschlagen, kann die Swiss-Re-Aktie die schmerzhaften Kursverluste vom Vortag eingrenzen. Zur Stunde erholt sie sich gar um 2 Prozent auf 72,64 Franken.

Nach der deutlichen Gewinnwarnung von vor etwas mehr als einer Woche seien die Gewinnkennzahlen nur noch von untergeordneter Bedeutung, schreibt die Zürcher Kantonalbank. Sie beurteilt die Bilanzsituation beim Rückversicherungskonzern weiterhin als solide und sieht die Dividendenfähigkeit nicht durch die umfangreiche Schadenlast beeinträchtigt. Das Anlageurteil für die Aktie lautet wie bis anhin "Marktgewichten".

Die Katze sei nun endgültig aus dem Sack, ergänzt RBC Capital Markets in Anspielung auf die pandemiebedingten Kosten. Die Ungewissheit habe damit ein Ende. Die Kanadier finden ebenfalls sichtlich Gefallen an der starken Eigenkapitalbasis und der bei mehr als 220 Prozent liegenden SST-Quote. RBC Capital Markets empfiehlt die Aktie mit "Outperform" und einem Kursziel von 100 Franken.

Swiss Re eines der SMI-Schlusslichter

Etwas zurückhaltender gibt sich die Deutsche Bank. Sie schliesst nicht aus, dass eine weitere Pandemiewelle erneut Kosten verursachen könnte und stuft die Aktie deshalb nur mit "Hold" ein. Das 95 Franken lautende Kursziel dürfte reduziert werden. Für Jefferies sind die Nachreservierungen im Nichtleben-Geschäft die eigentliche Enttäuschung des Tages. Die US-Investmentbank hält mit einem Kursziel von 62 Franken am "Hold"-Rating fest.

Seit Jahresbeginn hat die Aktie von Swiss Re mehr als einen Drittel an Kurswert eingebüsst. Das bringt ihr den undankbaren Ruf des Schlusslichts unter den Titeln aus dem Swiss Market Index (SMI) ein. Rechnet man den Dividendenabgang vom April auf, schneiden andere Aktien allerdings schlechter ab.

Analysten zufolge heisst es für die Aktionäre nun: Warten auf das Ende der diesjährigen US-Hurrikansaison. In den letzten Jahren verursachte letztere oft hohe Kosten.

 
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