Die ‌des ⁠Krieges überdrüssigen und von hohen Spritpreisen belasteten US-Wähler straften Präsident Donald Trump am Dienstag ab und verschafften den Demokraten die Kontrolle ⁠über den Kongress. Regierungsnahen Kreisen in den Golfstaaten zufolge könnte das ab Januar demokratisch dominierte Parlament die militärischen Optionen des geschwächten Präsidenten ‌einschränken. Trump habe daher einen grösseren Anreiz für eine Einigung. Experten warnen ‌jedoch vor den Folgen eines Abkommens, durch das der ​Iran als Sieger und Trump als Verlierer dasteht. Ein solcher Deal könne ebenso leicht zu unbesonnenem Handeln führen wie zu Zurückhaltung.

«Der Wahlausgang in den USA macht eine Beilegung des Konflikts für Trump dringlicher, für den Iran jedoch nicht einfacher», sagte Ebtessam al-Ketbi, Präsidentin des Emirates Policy Center in Abu Dhabi. Viel hänge davon ‌ab, wie die iranische Führung die Lage deute. «Wenn Teheran erkennt, dass Trump einen Deal braucht, aber nicht irgendeinen Deal, könnte sich eine echte Chance zur Beendigung des Krieges ergeben», erklärte sie. «Wenn die Führung dort die Ergebnisse jedoch ​als Beweis dafür interpretiert, dass die Entschlossenheit der USA nachgelassen hat, könnte sie das ​stattdessen zu einer neuen militärischen Eskalation ermutigen.»

Der Politikexperte Abdulchalek Abdulla ​aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sieht die grössere Gefahr daher beim Iran und nicht bei den USA oder Israel. Die Führung in ‌Teheran überschätze seit Langem ihre eigene Stärke und unterschätze die militärische Macht der USA und Israels. «Mit der Annahme, dass Trump schwach und Netanjahu erledigt ist, könnte sie sich gewaltig verkalkulieren und den Einsatz erhöhen», sagte Abdulla unter Verweis ​auf ​den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Dieser hatte im Oktober ⁠bei Parlamentswahlen selbst einen Rückschlag erlitten.

Abdulasis Sager, Vorsitzender des in Saudi-Arabien ansässigen ​Gulf Research Center, warnte ⁠seinerseits, die Niederlage könne Trumps Bereitschaft zu Militärschlägen erhöhen statt verringern. Da die Zwischenwahlen hinter ihm lägen und keine ‌dritte Amtszeit bevorstehe, hätten wahltaktische Gründe für Zurückhaltung an Bedeutung verloren. Damit habe der Präsident weniger zu verlieren und könnte sein Vermächtnis sichern wollen. Trump könne die Konfrontation mit dem ‌Iran als Chance sehen, «die Sache zu Ende zu bringen», bevor er aus dem Amt ​scheide. «Wenn der Iran weiter Widerstand leistet (...) und sich als Sieger präsentiert, könnte sich Trump zum Handeln gezwungen sehen, um diesen Ausgang zu verhindern und einen klaren Erfolg für seine Präsidentschaft zu verbuchen.»

(Reuters)