UBS, Credit Suisse und Co. - Mächtige US-Bank nicht länger «heiss» auf Bankaktien

Seit Jahren preist die US-Investmentbank J.P. Morgan europäische Bankaktien wie jene von UBS und Credit Suisse zum Kauf an. Doch nun ist plötzlich alles anders. Schuld sind die Aussagen der US-Notenbank vom Mittwoch.
15.06.2020 14:27
Von Lorenz Burkhalter
Blick auf den Paradeplatz mit. Im Bild die Grossbanken Credit Suisse und UBS.
Blick auf den Paradeplatz mit. Im Bild die Grossbanken Credit Suisse und UBS.
Bild: imago images / Travel-Stock-Image

J.P. Morgan stuft am frühen Montagmorgen europäische Bankaktien von "Overweight" auf "Neutral" herunter. Damit reagiert die mächtige US-Investmentbank auf die Aussagen der US-Notenbank vom vergangenen Mittwoch, wonach die dortigen Leitzinsen noch auf Jahre hinaus nahe bei Null verharren dürften. Tiefe Zinsen sind bekanntlich Gift für die Banken. Zum einen schmälern sie die Margen im Zinsdifferenzgeschäft und zum anderen dämpfen sie die Kundenaktivitäten in der Vermögensverwaltung.

Es handelt sich dabei um die Branchen- und nicht um die Titel-Empfehlung. Die Titel-Empfehlungen für die Aktien von UBS und Julius Bär lauten weiterhin "Overweight", jene für die Aktie der Credit Suisse hingegen "Neutral".

Für Beobachter kommt die Herunterstufung europäischer Bankaktien durch J.P. Morgan überraschend, pries die US-Investmentbank ihren Anlagekunden diese zuvor doch über Jahre hinweg zum Kauf an. Andere Rivalen wie etwa die Bank of America Merrill Lynch setzen allerdings auch weiterhin auf Bankaktien.

Einige Grosskunden sind bereits untergewichtet

Trotzdem setzen die Neuigkeiten den Aktien von UBS, Julius Bär und Credit Suisse zu. Nach einer schwachen Eröffnung werden sie zur Stunde noch zwischen 0,8 und 1,8 Prozent tiefer gehandelt.

Interessante Details fördert eine Umfrage von J.P. Morgan bei Vermögensverwaltern und Hedgefonds zutage. Wie die Umfrage zeigt, räumen bereits heute 42 Prozent der Befragten den europäischen Bankaktien nur ein geringes Gewicht in ihren Aktienportfolios ein. Dem stehen bloss 32 Prozent gegenüber, die den Bankaktien ein überdurchschnittlich hohes Gewicht beimessen. Allerdings deuten viele der Umfrageteilnehmer an, ihre Titelbestände ausbauen zu wollen, sollte sich die Situation weiter entspannen. Den Bankaktien aus der Schweiz und aus Frankreich werden im europäischen Vergleich die besten Aussichten nachgesagt.

Die Kurse vieler europäischer Bankaktien sind in den letzten zweieinhalb Jahren stark gefallen. Anleger sind nur noch bereit, durchschnittlich 60 Rappen für jeden Franken an bereinigtem Buchwert zu bezahlen. Das ergibt ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,6. Die Aktie der UBS hat seit Anfang 2018 gut 40 Prozent eingebüsst und weist ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,7 auf. Jene der Credit Suisse notiert gar um 46 Prozent unter dem Stand von Anfang 2018. Bei der kleineren der beiden Schweizer Grossbanken liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis bloss bei 0,5. Wer dem Rat von J.P. Morgan in den letzten Jahren gefolgt ist und den europäischen Bankaktien ein überdurchschnittliches Gewicht im Aktienportfolio einräumte, dürfte folglich Geld verloren haben.