Übernahme von ANZ - Zurich Insurance: Eine Sonderdividende ist vom Tisch

Die Zurich Insurance Group kauft für umgerechnet 2 Milliarden Franken in Australien zu. Während die Grossübernahme bei Analysten mehrheitlich gut ankommt, reagiert die Börse eher unterkühlt.
12.12.2017 14:16
Von Lorenz Burkhalter
Mario Greco, CEO von Zurich Insurance Group.
Mario Greco, CEO von Zurich Insurance Group.
Bild: ZVG

Nur wenige Tage nach Nestlé tätigt auch die Zurich Insurance Group eine milliardenschwere Auslandsübernahme. Der Versicherungskonzern lässt sich das Lebensversicherungsgeschäft der Australia and New Zealand Banking Group (ANZ) umgerechnet 2 Milliarden Franken kosten.

Völlig unerwartet kommt dieser Expansionsschritt nicht, wurde der Zurich Insurance Group doch schon seit Anfang Juli in der australischen Finanzpresse ein Interesse an den zum Verkauf stehenden Geschäftsaktivitäten nachgesagt.

Bei Analysten kommt die Übernahme vor allem deshalb gut an, weil sie bereits ab dem ersten Jahr gewinnwirksam sein sollte. Darüber hinaus geht das Lebensversicherungsgeschäft von ANZ nur mit einer geringen Kapitalbindung einher.

Wer sich aufgrund des milliardenschweren Überschusskapitals eine Sonderdividende oder ein gewinnverdichtendes Aktienrückkaufprogramm erhofft hatte, dürfte nun enttäuscht werden. Denn ein solcher Zustupf aus der Barmittelschatulle ist fürs erste wohl vom Tisch.

Das würde auch erklären, weshalb die Zurich-Aktie an der Schweizer Börse SIX einen schweren Stand hat. Zur Stunde gewinnt sie bescheidene 0,1 Prozent auf 296,70 Franken.

In einem Kommentar der UBS Investmentbank wird die milliardenschwere Übernahme dennoch vorwiegend positiv beurteilt. Demnach passen die übernommenen Geschäftsaktivitäten nicht zuletzt aufgrund ihrer geringen Kapitalbindung geradezu ins Beuteschema der Versicherungsgruppe aus Zürich.

Synergien vorhanden

Durch die Übernahme steige die Zurich Insurance Group zum führenden Anbieter individueller Lebensversicherungen Australiens mit einem Marktanteil von 19 Prozent auf, so der Autor. Aufgrund ihrer stolzen Bewertung stuft er die Zurich-Aktie allerdings weiterhin nur mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 300 Franken ein.

Nicht sonderlich überrascht zeigt sich sein Berufskollege bei Baader-Helvea. Seinen Berechnungen zufolge bezahlt die Zurich Insurance Group mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 und mit dem 1,2-fachen Buchwert nicht gerade wenig für die Geschäftsaktivitäten. Angesichts des Synergiepotenzials zum im Jahr zuvor übernommenen Lebensversicherungsgeschäft von Macquarie hält er den Preis dennoch für gerechtfertigt. Die Zurich-Aktie wird bei Baader-Helvea wie bis anhin mit "Hold" und einem Kursziel von 290 Franken eingestuft.

Der Versicherungsanalyst der Bank Vontobel erhöht seine Gewinnschätzungen im Zuge der Übernahme um bis zu 3 Prozent. Dadurch erhöht sich das Kursziel auf 305 (bisher 300) Franken. Obschon er die Akquisition für eine willkommene und die Gewinnschwankungen etwas verringernde Ergänzung hält, bekräftigt er das "Hold" lautende Anlageurteil für die Aktie.

Wichtiger Kurstreiber fällt weg

Zurückhaltender äussert sich der für Bernstein Research tätige Versicherungsanalyst. Mit einem teilweise kreditfinanzierten Aktienrückkaufprogramm hätte die Zurich Insurance Group eine vergleichbare aber mit deutlich geringeren Risiken verbundene Gewinnverdichtung erzielt, so seine Meinung. Der Bernstein-Analyst empfiehlt die Aktie denn auch weiterhin mit "Underperform" zum Verkauf.

Im hiesigen Berufshandel stösst die milliardenschwere Übernahme auf unterschiedliche Resonanz. Wie es heisst, fällt mit der wegfallenden Fantasie eines Aktienrückkaufprogramms oder einer Sonderdividende ein wichtiger zukünftiger Kurstreiber weg.